Timo Hildebrand kehrt in die Bundesliga zurück. Der siebenmalige deutsche Nationaltorhüter wechselt kurz nach seiner Vertragsauflösung beim FC Valencia zum Tabellenführer 1899 Hoffenheim und wurde am Mittwoch auf einer Pressekonferenz offiziell als Neuzugang vorgestellt.

Damit endet für den 29-Jährigen die bislang schwierigste Phase seiner Karriere. Denn seit seiner überraschenden Nichtnominierung für den EURO-Kader musste der Blondschopf mehrere sportliche Rückschläge verdauen.

"Das gesamte Modell hat mich überzeugt"

Tiefpunkt war zuletzt seine Degradierung zum Torhüter Nummer 3 beim FC Valencia, dessen zu Saisonbeginn neu gekommener Trainer Unai Emery auf Hildebrands brasilianischen Konkurrenten Renan Brito setzte.

Jetzt soll es in einem funktionierenden Team wieder aufwärts gehen. "Das gesamte Modell Hoffenheim hat mich überzeugt. Ich habe im Fernsehen verfolgt, welch super Fußball hier gespielt wird", so der Torwart.

Hildebrand wurde zuletzt mit mehreren Vereinen in Verbindung gebracht. Auch 1899 Hoffenheim galt als möglicher Interessent, war doch Trainer Ralf Rangnick mit den Leistungen seiner Keeper nicht immer zufrieden. Weder Ramazan Özcan noch Daniel Haas vermochten voll zu überzeugen und den rasant gestiegenen Ansprüchen eines Topteams der Bundesliga zu genügen.

Rangnick lobt ihn als "Idealbild von Torwart"

Rangnick und Hildebrand kennen sich noch aus gemeinsamen Tagen beim VfB Stuttgart. Zwischen 1999 und 2001 trainierte Rangnick die Schwaben und ist voll des Lobes: "Er ist eine Art Idealbild von Torwart. Er hat Persönlichkeit und für mich ist er der beste Torwart, der mit dem Ball umgehen kann."

Rangnick war es auch, der dem damals 20-jährigen Hildebrand zu seinem Bundesliga-Debüt verhalf, das der junge Keeper im November 1999 gegen den SC Freiburg gab.

Seinen Stammplatz im VfB-Tor gab Hildebrand nicht mehr ab. Bis zu seinem Wechsel nach Valencia absolvierte der Torwart 221 Bundesliga-Spiele für die Schwaben. 2003 wurde er Vizemeister, 2007 deutscher Meister. Timo Hildebrand hält auch die Bundesliga-Bestmarke mit 884 Minuten ohne Gegentor, die er saisonübergreifend 2003 aufstellte.

Löw: "Freue mich für Timo"

2004 bestritt er bei der 1:5-Niederlage der Nationalmannschaft gegen Rumänien unter Rudi Völler sein erstes Spiel für Deutschland. Von 2004 bis kurz vor der EURO 2008 gehörte er regelmäßig dem DFB-Kader an, so auch als dritter Keeper bei der EM 2004 sowie den Turnieren um den Confed Cup 2005 und bei der WM 2006 in Deutschland.

"Ich freue mich für Timo, dass er durch seinen Wechsel nach Hoffenheim jetzt wieder Planungssicherheit und Klarheit hat. Nachdem er in den letzten Monaten in Valencia ziemlich in der Luft gehangen hat, geht er jetzt zu einem Trainer, der mit ihm plant. Das zu wissen, ist generell wichtig für einen Spieler", sagte Bundestrainer Joachim Löw zu dem Wechsel. Hildebrand selbst denkt derzeit nicht über eine neue Chance im DFB-Trikot nach: "Ich will in Hoffenheim Leistung zeigen. Alles andere wird die Zeit zeigen."

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere verließ Hildebrand 2007 als Deutscher Meister den VfB Stuttgart, um beim spanischen Traditionsverein FC Valencia sein Glück zu versuchen. Doch sportlich lief es durchwachsen. Der Champions-League-Teilnehmer Valencia schlidderte in eine sportliche Krise, verschliss mehrere Trainer und rettete sich erst kurz vor Saisonende vor dem drohenden Abstieg.

Auf und ab

Hildebrand durchlief ein Wechselbad der Gefühle, saß zunächst auf der Bank und konnte sich dann ab dem Herbst 2007 unter dem holländischen Trainer Ronald Koeman im Konkurrenzkampf gegen den bei den Fans beliebten Santiago Canizares durchsetzen.

Er bestritt 26 Ligaspiele für Valencia und stand auch im Tor, als der Verein den spanischen Pokal gegen den FC Getafe gewann und sich somit doch noch fürs internationale Geschäft qualifizieren konnte.

Weitere Ex-Stuttgarter bei 1899

Jetzt kommt also der "verlorene Sohn" wieder zurück in die Bundesliga. Hildebrand und Hoffenheim, das müsste eigentlich sehr gut zusammen passen.

Die Beispiele der Ex-Stuttgarter Tobias Weis, Andreas Beck und Matthias Jaissle, die sich in Hoffenheim durchsetzen und zu Führungsspielern werden konnten, zeigen dies.

Tobias Gonscherowski