Köln - Über die herausragenden Qualitäten von Pierre-Emile Hojbjerg sind sich beim FC Bayern München alle einig. Entsprechend hat der Rekordmeister seinen Vertrag noch schnell bis 2018 verlängert. Doch das Mittelfeldtalent braucht Spielpraxis. Die will er sich nun beim FC Augsburg holen. Ein Leihgeschäft, das für beide Parteien perfekt scheint.

Selbstverständlich hatte sich Pierre-Emile Hojbjerg mehr ausgemalt an jenem 1. Spieltag der Bundesliga 2014/15 gegen den VfL Wolfsburg. Bastian Schweinsteiger, Thiago und Javi Martinez standen nicht zur Verfügung und so rechneten alle mit einem Einsatz von Hojbjerg auf der Doppelsechs neben David Alaba. Doch statt des Dänen durfte der 17-jährige Gianluca Gaudino von Beginn an ran. Hojbjerg wurde in der Nachspielzeit eingewechselt.

In der gesamten Vorrunde reichte es nur für acht Bundesliga-Einsätze, lediglich zwei davon über die vollen 90 Minuten. Meist schmorte Hojbjerg über die volle Spielzeit auf der Bank. Viel zu wenig für einen Spieler, der von seinem Club mit ungewöhnlich vielen Vorschusslorbeeren überschüttet worden war und noch beim DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund eine starke Leistung geboten hatte; außerdem ohne WM-Belastung mit voller Frische in die Vorbereitung ging. Die logische Konsequenz also: ein Leihgeschäft.

Auf den Spuren von Lahm, Kroos und Alaba

Beim FC Bayern hat man mit dem Verleihen hochveranlagter Spieler gute Erfahrungen gemacht. Philipp Lahm (VfB Stuttgart), Toni Kroos (Bayer 04 Leverkusen) oder David Alaba (TSG 1899 Hoffenheim) kehrten nach ihren Leihen mit großem Selbstbewusstsein zurück und etablierten sich nicht nur in der Stammformation des Rekordmeisters, sondern reiften auch zu Weltklassespielern. "Ein Wunschszenario", nennt Hojbjerg den Werdegang seiner Kollegen, auch wenn er hinzufügt: "Ich bin weder Philipp noch Toni oder David. Ich gehe meinen eigenen Weg."

Es ist kein Geheimnis, dass zahlreiche Bundesligisten die Fühler nach Hojbjerg ausgestreckt hatten. Am Ende machte, für viele überraschend, der FC Augsburg das Rennen. "Ich habe mich bereits vor Weihnachten klar für Augsburg entschieden und das meinem Berater mitgeteilt. Mit anderen Vereinen habe ich dann erst gar nicht gesprochen", sagt der 19-Jährige bei seiner Vorstellung auf der Pressekonferenz. Die geografische Nähe zu München sei dabei kein Kriterium gewesen, vielmehr habe Hojbjerg die Spielweise der Schwaben imponiert.

Weinzierl braucht "Box-To-Box-Player"

Beim FCA könnte der vielseitig einsetzbare Mittelfeldspieler den Platz neben dem erfahrenen Platzhirsch Daniel Baier einnehmen. Dort kann er auf der Doppelsechs oder etwas weiter vorne agieren. Je nachdem, ob Markus Weinzierl im 4-2-3-1 oder im 4-1-4-1 spielen lässt. Selbst auf den Flügeln oder auf der Zehner-Position kann Hojbjerg problemlos auflaufen. In jungen Jahren spielte er sogar im Sturm. Weinzierl selbst sieht in erster Linie als Zwischenspieler auf der Acht, als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. "Box-To-Box-Player" bezeichnet Hojbjerg, der perfektes Deutsch spricht, diese Aufgabe.

Nicht zuletzt hatte aber auch der Trainer einen gewaltigen Einfluss auf die Entscheidung pro Augsburg. "Er hat gute Qualitäten als Coach und als Mensch", schwärmt er von Weinzierl und fügt hinzu: "Aus ihm kann mal ein ganz großer Trainer werden." Tatsächlich gelingt es dem FCA-Coach seine Spieler stets besser zu machen. So reifte ein vor einem Jahr noch relativ unbekannter Andre Hahn in kürzester Zeit zum Nationalspieler. Auch Profis wie Halil Altintop oder Raul Bobadilla, deren Zenit schon überschritten schien, erleben derzeit unter Markus Weinzierl ihren zweiten Frühling.

Noch kein Messi

Doch bei aller Euphorie, die gerade in Augsburg wegen des prominenten Transfers herrscht, hat Hojbjerg nur eine Halbserie Zeit, um dem Augsburger Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Denn dann geht der Weg wieder zurück gen München. Markus Weinzierl trat bereits vorsichtshalber auf die Bremse: "Wir haben ja nicht Messi geholt, sondern Pierre-Emile Hojbjerg."

Karol Herrmann