Peter Niemeyer (l., gegen Cicero) kam gegen Hertha zu seinem ersten Saisoneinsatz von Beginn an
Peter Niemeyer (l., gegen Cicero) kam gegen Hertha zu seinem ersten Saisoneinsatz von Beginn an
Bundesliga

"Die Mannschaft lebt noch"

Ein schöneres Geschenkt hätten die Profis von Werder Bremen dem Verein nicht machen können: Pünktlich zum 111. Geburtstag beendeten die Grün-Weißen die Serie von sieben sieglosen Spielen mit zuletzt fünf Niederlagen in Folge.

Der 2:1-Erfolg gegen Schlusslicht Hertha BSC war zwar verdient, am Ende aber ein hart erkämpftes Stück Arbeit. Durch eine taktische Umstellung von Trainer Thomas Schaaf, der Peter Niemeyer als zweiten "Sechser" neben Torsten Frings im Mittelfeld brachte, bekam sein Team wieder die nötige Stabilität.

"Es hat sich gezeigt, dass wir dadurch wesentlich kompakter im Mittelfeld standen", zeigte sich Niemeyer im bundesliga.de-Interview zufrieden mit der neuen Formation.

Der neue Abräumer der Bremer sprach zudem über den Wert des Berlin-Dreiers, seine persönliche Leistung und die anstehenden Englischen Wochen.

bundesliga.de: Herr Niemeyer, nach sieben sieglosen Spielen hat Werder endlich wieder gewonnen. Nach dem Schlusspfiff ist Ihnen wahrscheinlich eine zentnerschwere Last von den Schultern abgefallen.

Peter Niemeyer: Nach der Negativserie war ein Sieg für uns enorm wichtig - egal wie. Wir haben zwar verdient gewonnen, aber beim Gegentor war zu erkennen, dass nach den Niederlagen der letzten Wochen eine Verunsicherung da ist. Aber wir haben gezeigt, dass die Mannschaft noch lebt und Charakter hat.

bundesliga.de: Hat der bereits große Abstand auf die Europapokal-Plätze zusätzlichen Druck erzeugt?

Niemeyer: Das nicht unbedingt, denn es sind ja noch viele Spiele zu absolvieren. Aber mit einer Niederlage hätte wir uns eine tolle Hinrunde schnell kaputt machen können. Die fünf Pleiten am Stück haben unsere bisherigen Leistungen eh schon ins schlechte Licht gerückt. Es wäre dann sicherlich noch schlimmer geworden. Aber da haben wir gar nicht dran gedacht. Wir wollten gewinnen und endlich wieder drei Punkte einfahren.

bundesliga.de: Sie haben im Mittelfeld zusammen mit Torsten Frings als sogenannte "Doppelsechs" agiert. Wie bewerten Sie Ihre Leistung?

Niemeyer: Ich habe mich wohl gefühlt. Die Position liegt mir. Ich bin froh, dass mir der Trainer das Vertrauen geschenkt hat. Und mit meiner Leistung habe ich ihm das glaube ich auch gut zurückgezahlt.

bundesliga.de: Mit Ihrer Hereinnahme hat Trainer Thomas Schaaf im Vergleich zu den letzten Spielen ja auch das System verändert - mit lediglich einer Spitze und drei offensiven Mittelfeldspielern dahinter. War das für die Mannschaft eine große Umstellung?

Niemeyer: Nein, für die Spieler sind das Nuancen, die sich verändern. Aber es hat sich gezeigt, dass wir dadurch wesentlich kompakter im Mittelfeld standen. Und aus der stabilen Defensive haben wir viele Chancen eingeleitet. Wir haben im Angriff genügend Qualität, um zu jeder Zeit ein Tor zu erzielen. Deshalb war es wichtig, dass gegen Berlin erst einmal die Null lange genug Bestand hat.

bundesliga.de: Sie sprechen es an, die Defensive war in den vergangenen Partien stark in die Kritik geraten. Was war gegen Hertha anders?

Niemeyer: Wir haben gegen Berlin taktisch hervorragend gearbeitet. Um eine Floskel zu bemühen: Die Verteidigung beginnt im Angriff. Und gegen Hertha haben wir schon weit in der gegnerischen Hälfte begonnen, unser Tor zu verteidigen. Die Offensiv-Spieler haben klasse nach hinten gearbeitet.

bundesliga.de: Haben die Fans gegen Hertha schon wieder das Werder Bremen aus der Hinrunde gesehen?

Niemeyer: Wir haben uns zwar eine Menge Chancen herausgearbeitet. Das war aber sicherlich noch nicht wieder der Hurra-Fußball, den wir in der Hinrunde gespielt haben. Aber das war gegen Berlin auch nicht der richtige Zeitpunkt dafür.

bundesliga.de: Sie dürfen sich jetzt nicht lange auf diesem Erfolg ausruhen. Am Dienstag geht es im DFB-Pokal gegen Hoffenheim. Insgesamt stehen jetzt drei Englische Wochen an. Kommt Ihnen das eher gelegen?

Niemeyer: In der Hinserie hatten wir fast dauerhaft diese Belastung. Und da waren wir äußert erfolgreich. Für die Spieler ist ein gewisser Rhythmus positiv - zumal wir durch die kurzen Spielpausen im Training auch nicht so gescheucht werden.

Das Gespräch führte Michael Reis