Hannover - Nach dem 18. Spieltag der Vorsaison übernahm Mirko Slomka den Trainerposten bei Hannover 96. Am letzten Spieltag schaffte der 43-Jährige durch ein 3:0 in Bochum den Klassenerhalt.

Trotzdem galt der Ex-Schalker bei den Buchmachern und vielen Experten vor dieser Saison als Top-Favorit auf die erste Trainerentlassung der laufenden Spielzeit. Ein Irrtum: Slomka führte den Verein in die Spitze der Tabelle und steht sensationell auf dem Sprung in die Champions League.

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Die Handschrift des Trainers, das schnelle Umschalten aus einer sicheren Abwehr auf blitzschnellen Angriff, ist der Mannschaft in Fleisch und Blut übergegangen. 14 Tore erzielte das Team innerhalb von zehn Sekunden nach Ballgewinn.

"Die Mischung aus jung und erfahren, aus Leidenschaft und Cleverness stimmt einfach", beschreibt Slomka im Interview mit bundesliga.de die Stärke seiner Mannschaft. "Unser Kader hat seine Klasse hinlänglich unter Beweis gestellt", ist der Trainer davon überzeugt, dass die Niedersachsen auf europäischer Bühne mithalten können.

bundesliga.de: Herr Slomka, vor knapp einem Jahr noch in akuter Abstiegsgefahr, nun auf dem Weg nach Europa. Wie kam es zu dieser Leistungssteigerung bei Hannover 96, und hatten Sie die in dieser Form erwartet?

Mirko Slomka: Wir haben uns sehr gezielt auf diese Saison vorbereitet, haben viel Arbeit in Fitness und taktische Möglichkeiten gesteckt. Das zahlt sich aus. Wir waren immer von unserer Linie überzeugt und haben uns letztlich nicht von Irritationen stören lassen.

bundesliga.de: Was macht die Stärke Ihrer Mannschaft aus?

Slomka: Die Mischung aus jung und erfahren, aus Leidenschaft und Cleverness stimmt einfach. Wir haben eine kompakte, sichere Defensive, flexible und dynamische Mittelfeldspieler und effektive, schnelle Spitzen, die auch nach hinten gut und engagiert arbeiten.

bundesliga.de: Bei den Buchmachern waren Sie einer der Top-Favoriten auf die erste Trainerentlassung der Saison. Mittlerweile sitzen Sie nicht nur fest im Sattel, sondern haben sogar ihren Vertrag verlängert. Eine Genugtuung für Sie?

Slomka: Nein. Aber natürlich freue ich mich über unsere Erfolge und darüber, dass damit auch meine Arbeit als Trainer entsprechend gewürdigt wird.

bundesliga.de: In der kommenden Saison wird Hannover mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit im Europapokal spielen. Ist der Kader stark und vor allem auch groß genug für die Belastung Europa - vielleicht sogar für die in der Champions League?

Slomka: Wir haben für alle Szenarien Pläne entwickelt, die wir kurzfristig umsetzen können. Grundsätzlich hat unser Kader seine Klasse nun wirklich hinlänglich unter Beweis gestellt. Darauf können wir bauen. Sinnvolle Ergänzungen sind aber schon wichtig.

bundesliga.de: Auf welchen Positionen sehen Sie besonderen Handlungsbedarf?

Slomka: Mit den Vertragsverlängerungen von Christian Schulz, Karim Haggui, Sofian Chahed und Markus Miller, davor auch bereits Didier Ya Konan, haben wir uns wichtige Stabilität im Kader gesichert. Ich denke, wir werden uns noch auf der Sechser-Position und im Sturm umschauen. Dazu vielleicht ein möglicher Zehner, um auch taktisch noch mehr Alternativen zu haben.

bundesliga.de: Hoffenheim, Bayern, Köln: Wenn Hannover mal verliert, dann meist sehr deutlich. Woran liegt das?

Slomka: Das kann ich auch nicht erklären. So etwas ist immer möglich, darf aber natürlich nicht entschuldigt werden. Vielleicht gibt es einfach mal Spiele, in denen in solchen Momenten die Konzentration, die immer wichtig ist, plötzlich nach zwei Gegentoren und eigenen vergebenen Chancen nachlässt.

bundesliga.de: Die Mannschaft steckt diese Niederlagen aber immer gut weg und zeigt eine Woche später mit einem "Dreier" die richtige Reaktion. Wie bauen Sie die Spieler nach solch klaren Niederlagen wieder auf?

Slomka: Wir erinnern die Spieler an ihre Fähigkeiten, die sie in dieser Saison zur Genüge unter Beweis gestellt haben. Wir zeigen aber auch die Fehler auf, die wir gerade bei Niederlagen machen. Und: Die Spieler sind sehr selbstkritisch.

bundesliga.de: Finanziell kann der Verein mit den Top-Clubs der Liga nicht mithalten. Kann Hannover 96 auch in der kommenden Saison in der Spitze mitspielen?

Slomka: Das muss unser Ziel sein. Der Erfolg in dieser Saison muss nachhaltig untermauert werden.

bundesliga.de: Was waren für Sie abgesehen Ihres Vereins die positiven und negativen Überraschungen der Saison?

Slomka: Positiv ist sicher der Lauf von Borussia Dortmund, die Frische bei Mainz vor allem zu Beginn der Saison. Erstaunt bin ich natürlich von dem bisherigen Abschneiden von Bayern München, Schalke, Stuttgart, Bremen, Wolfsburg.

bundesliga.de: Hannover spielt in der kommenden Saison in der Champions League, weil...

Slomka: ...sich das die Mannschaft und unsere Fans verdient hätten. Aber wir bleiben schon auf dem Teppich, das hat uns immer gut getan in den letzten Wochen.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs