Auch wenn der 1. FC Köln seit nun fünf Bundesliga-Spielen auf einen "Dreier" wartet, freuen sich die Domstädter über den zweiten "gefühlten" Sieg innerhalb von einer Woche. Dem 0:0 im rheinischen Derby beim damaligen Tabellenführer Bayer Leverkusen ließen die "Geißböcke" ein verdientes 1:1 gegen den aktuellen Spitzenreiter Bayern München folgen.

Der gefeierte Mann im ausverkauften RheinEnergieStadion war ohne Frage Lukas Podolski, der ein glänzendes Spiel absolvierte und seine persönliche Torflaute nach über 1.400 Minuten ohne Treffer beendete. Mit einem fulminanten Freistoßhammer mit einer gemessenen Geschwindigkeit von 108 km/h überwand "Prinz Poldi" Bayern-Keeper Jörg Butt.

Meier: "Hoffentlich der Befreiungsschlag"

Kurz vorher hatte er bei einem Lattentreffer noch Pech gehabt, in der zweiten Halbzeit wurde ein weiterer Podolski-Treffer zurecht wegen Abseitsstellung aberkannt. Der mit Prellungen an Fuß und Oberschenkel angeschlagen ins Spiel gegangene Publikumsliebling zeigte gegen seinen Ex-Verein sein bislang bestes Spiel im FC-Trikot und explodierte förmlich.

Podolski hatte die meisten Ballkontakte aller Kölner, die meisten Torschüsse und auch die meisten Fouls auf seinem Konto. "Es war hoffentlich der Befreiungsschlag für Lukas Podolski", sagte FC-Manager Michael Meier nach dem Spiel: "Der Druck wurde ja immer größer, fast schon unmenschlich. Daher freut es mich für ihn und für unser Team."

Auch FC-Trainer Zvonimir Soldo reagierte erleichtert und lobte: "Podolski war sehr engagiert und motiviert. Ich habe ihn nie unter Druck gesetzt. Jetzt hat er das Tor getroffen, ich hoffe er startet jetzt eine Serie."

Lob von Freis

Während ein paar Dutzend Journalisten auf den Mann des Tages warteten, der noch die Dopingkontrolle hinter sich bringen musste, sagte Stürmerkollege Sebastian Freis über den Ausnahmefußballer: "Lukas Podolski hat sich wie in den letzten Spielen voll reingehauen. Er ist dementsprechend dafür belohnt worden. Für mich war das eine Frage der Zeit, wann er sein nächstes Tor macht. Ich hoffe, dass das Tor ihm und der ganzen Mannschaft Auftrieb gibt."

Mit der Partie gegen die Bayern hat der 1. FC Köln nun in den acht Rückrundenbegegnungen gegen acht der besten neun Bundesliga-Teams gespielt, dabei immerhin neun Punkte geholt und den Vorsprung auf die Abstiegsränge auf sieben Punkte ausgebaut. Doch es gibt noch keinen Grund zum Ausruhen.

"Jetzt kommen die schweren Gegner. Erst spielen wir in Mainz, dann das Derby gegen Mönchengladbach", warnt Podolski: "Wenn wir aber so spielen wie in Leverkusen oder in der ersten Halbzeit gegen Bayern, dann können wir diese Gegner schlagen."

Ein Tor als Erlösung

Doch mehr als der Ausblick auf die kommenden Aufgaben interessierte die versammelte Medienschar ein Einblick in "Poldis" Gemütsverfassung. "Das Tor war erlösend, wenn man sich so lange nicht freuen konnte", gestand der 24-Jährige: "Das hat man ja nach dem Tor ja gesehen. Es war ein gutes Gefühl, vor allem gegen so einen starken Gegner zu treffen."

Die Erleichterung war Podolski in der Tat anzusehen. "Es ging nicht spurlos an mir vorbei. Man will immer gut spielen, ein Tor machen oder sich Chancen herausarbeiten", sagte der Linksfuß weiter: "Das war in den letzten Monate nicht so oft der Fall. Aber in den letzten Wochen habe ich mich ganz ehrlich nicht mit meiner Torflaute beschäftigt. Mir war wichtig, nach der Verletzung wieder zurückzukommen und alles für den Verein zu geben. Das ist mir in den letzten drei, vier Spielen ganz gut gelungen."

"Haben uns wieder gefangen"

Mit einem Podolski in dieser Form dürften die Kölner im letzten Saisonviertel nicht mehr in Gefahr geraten. Auch wenn nun fast ausnahmslos Spiele gegen Mannschaften anstehen, die selbst noch dringend Punkte benötigen.

"Wir haben uns nach den schweren Niederlagen in Pokal und Meisterschaft wieder gefangen", hat Podolski registriert: "Das war nicht einfach für uns. Aber jetzt haben wir wieder gut gespielt. Wir können es. Wenn wir immer so gespielt hätten, wäre in der Tabelle mehr drin gewesen." Mit einem starken Schlussspurt kann der FC im Klassement sicher noch ein paar Plätze gut machen.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski