Louis van Gaal will Rekordmeister Bayern München nach dem Ideal des FC Barcelona zurück zu alter Stärke und neuen Titeln führen.

"Unser Vorbild muss der FC Barcelona sein. Sie haben gute Fußballspieler - wie wir. Aber sie arbeiten wie ein Team. Das ist der Grund ihres Erfolges. Ich bin davon überzeugt, dass wir das auch machen können", sagte der 57 Jahre alte Trainer bei seinem ersten Arbeitstag an der Säbener Straße.

Verspätete Einheit

Der als Disziplinfanatiker bekannte Niederländer und Nachfolger des gescheiterten Jürgen Klinsmann begann sein erstes Training beim FC Bayern am Mittwoch mit 41-minütiger Verspätung. Um 11.11 Uhr bat er die insgesamt sieben Zugänge um Mario Gomez und Anatoli Timoschtschuk sowie Franck Ribery zu seiner ersten leichten Einheit über rund 100 Minuten.

Danach stellte er sich mit Manager Uli Hoeneß und Sportdirektor Christian Nerlinger den etwa 70 Journalisten und 12 Kamera-Teams, drei TV-Sender übertrugen live.

Van Gaal und die Lederhose

"Die Kultur von Bayern München passt gut zu mir. Das bayerische Lebensgefühl passt mir wie ein warmer Mantel. Mir san mir! Wir sind wir! Und ich bin ich: Selbstbewusst, arrogant, dominant und ehrlich, arbeitssam, innovativ, aber auch warm und familiär. Deshalb glaube ich, dass ich hierher passe", meinte van Gaal im anthrazitfarbenen Anzug mit rot-weißer Krawatte.

Hoeneß sagte, er sei "glücklich", den neuen Coach in München zu haben, und fügte Richtung van Gaal galant an: "Du in der Lederhose - das passt. "

Ziel: Champions-League-Sieg

Van Gaal scheint die bayerische Gier nach Titel verinnerlicht zu haben. "Unser Ziel ist es, hart um den Titel zu streiten - in der Meisterschaft und im Pokal - und in der Champions League unter die letzten Acht zu kommen. Nicht nur dieses Jahr, sondern über mehrere Jahre - und vielleicht am Ende der 'Periode van Gaal' die Champions League zu gewinnen", sagte er. Der Prozess brauche aber Zeit, "das ist nicht in zwei Monaten zu schaffen. Das dauert vielleicht zwei Jahre", meinte van Gaal: "Aber sie können mir vertrauen."

Rund 1.500 Zuschauer wollten das erste Training unter van Gaal sehen. Van Gaal, sein 13-köpfiges Funktionsteam und die Neuzugänge präsentierten sich zunächst den Fotografen. Anschließend begann das Training mit einer Laufeinheit, an der der zuletzt am Knie operierte Bastian Schweinsteiger ebensowenig teilnahm wie die noch urlaubenden Lucio und Luca Toni. Dribbeln, jonglieren und passen - van Gaal ließ viel mit dem Ball üben. Nach jeder Aufgabe versammelte der Coach die Spieler zu einer kurzen Ansprache um sich.

Ribery und Lucio sollen bleiben

"Ich muss zuerst die Spieler kennenlernen, dann muss ich sehen, wie sie auf mich und meine Philosophie reagieren. Erst danach kann ich ein Spielsystem wählen", sagte er. Einen Rechtsverteidiger wolle er noch holen und Ribery halten. Hoeneß meinte, Real Madrid, das stark an Ribery interessiert ist, habe "kein neues Angebot" für den kleinen Franzosen abgegeben, der FC Bayern bleibe mithin bei seinem Veto gegen einen Verkauf. Auch Lucio stehe nicht auf der Verkaufsliste.

Van Gaal, der unfallfrei Deutsch sprach und laut Hoeneß "eine unglaubliche Rede vor der Mannschaft" hielt, zeigte indes auch seine harte Seite zeigte. Als Edson Braafheid, Zugang von Twente Enschede und Wunschsspieler van Gaals, eine Pass-Übung nicht mit dem nötigen Ernst anging, raunzte der Zuchtmeister: "Das ist nicht gut!"

Dehnen und auslaufen beschloss das Training, ehe van Gaal die Stars zu den Fans schickte - Autogramme schreiben. Mit einem Pfiff durch seine Trillerpfeife, die ihm wie auch eine Stoppuhr um den Hals baumelte, beendete er den ersten Arbeitstag seiner neuen Mannschaft.