Hamburg - "Wir befinden uns im Jahre 2015 n.Chr. Ganz Delmenhorst ist von den Grün Weißen begeistert.... Ganz Delmenhorst? Nein! Ein von begeisterten Fans bevölkertes Lokal in der Delmenhorster Innenstadt hört nicht auf, dem Nachbar Widerstand zu leisten." - Mit diesen Worten stellt sich der HSV-Fanclub "M.i.F." in seinen Begrüßungssätzen auf der Homepage vor. Und die berühmten Zeilen, mit denen schon das Gallische Dorf bei Asterix und Obelix stets beschrieben wurde, treffen den Nagel im Grunde auf den Kopf. Denn Delmenhorst liegt bekanntlich mitten im Werder-Land, oder wie es M.i.F. mit einem Augenzwinkern nennt: "Mitten im Feindesland" - so die Bezeichnung des offiziellen HSV-Fanclubs in der Region Delmenhorst/Ganderkesse.

"Man muss schon ein ziemlich dickes Fell haben, denn hier wird man natürlich sehr oft mit Sprüchen konfrontiert. Auf der Arbeit, auf dem Amateursportplatz, eigentlich überall kommt es zum verbalen Schlagabtausch", sagt Peter Kupka, einer der Vorstände und Gründungsmitglieder von M.i.F.. Im Jahr 2006 fanden sich 15 hartgesottene HSV-Fans aus der Region zusammen und gaben ihrer jahrelangen Leidenschaft und der Zuneigung zum Club ein eigenes Zuhause - auch wenn drum herum die Farben Grün und Weiß immer überwogen.

Seit 1978 kein Derby verpasst

Der Ideengeber hat sich mittlerweile fast komplett zurückgezogen. Doch die Liebe und der Fanclub blieben bis heute stark. "Wir haben ihm unwahrscheinlich viel zu verdanken. Wenn ich alleine bedenke, wie viele liebe Menschen ich durch den Fanclub schon kennengelernt habe", erzählt Kupka. Die offizielle OFC-Ernennungsurkunde überreichte damals unter anderem Bastian Reinhardt. In den letzten neun Jahren schauten Profis wie Frank Rost, Michael Mancienne, Zhi-Gin Lam oder Ivo Ilicevic bei Fanclubtreffen vorbei. Zudem ist HSV-Stadionsprecher Lotto King Karl Ehrenmitglied mit der Nummer 150. Mittlerweile umfasst der Fanclub rund 250 Mitglieder. Von acht bis 80 Jahren sind alle Altersgruppen vertreten.

"Dass sich da mal ein so großes Ding entwickeln würde, hätten wir nie gedacht", gesteht Kupka ein wenig stolz. Er selber kam - wie so viele - durch seinen Vater zur Fußball-Leidenschaft. Zunächst galt seine Aufmerksamkeit Rot-Weiß Essen, doch schon bald entwickelte sich eine Zuneigung zum HSV. Ein Freundschaftsspiel in Delmenhorst gab schließlich den alles entscheidenden Ausschlag. "Damals stand Uwe Seeler noch auf dem Platz", erzählt Kupka. Schnell musste ihn sein Vater auch zu Bundesliga-Spielen mitnehmen. Das Nordderby stand da natürlich im Vordergrund. "Seit 1978 habe ich kein Derby mehr verpasst", verrät er. Die Serie wäre sogar noch länger, doch im Jahr zuvor nahm ihm sein Vater die schon gekaufte Karte wieder weg. "Ich hatte irgendetwas ausgefressen. Die Strafe war allerdings definitiv zu hart", schmunzelt er.

Monatlicher Stammtisch

Auch in den letzten Jahren musste der leidenschaftliche HSV-Fan trotz Tickets viel leiden. "Viele Erfolgserlebnisse haben wir in Bremen ja nicht feiern können", sagt Kupka. Dafür umso mehr mit dem Fanclub. Neben dem monatlichen Stammtisch organisiert M.i.F. jede Menge Veranstaltungen rund um Delmenhorst. Ein Sommerfest, ein Fanclub-Turnier, eine Kohlfahrt sowie im September die große Fanclub-Geburtstagsfeier lassen nicht nur die eigenen Mitglieder zusammen kommen. Dazu werden regelmäßig Busfahrten zu den Heim- und Auswärtsspielen der Rothosen organisiert.

Darüber hinaus gibt es gemeinsame Aktivitäten mit den befreundeten Lappanrauten aus Oldenburg oder mit den Hamburger Stadtmusikanten aus Bremen. Letztere sind neben den "Assi Halvorsen Barmstedt" einer von zwei Fanclubs direkt aus Bremen. Allen gemeinsam ist die Lage, die sie vor eine besondere Situation stellt. "Die Abneigung vieler Werderaner gegenüber dem HSV ist riesengroß", erklärt Kupka. Doch daran habe man sich gewöhnt.

"Gerade jetzt halten wir zu der Mannschaft"

Die aktuelle sportliche Situation des HSV wird hingegen mitunter kontrovers diskutiert. "Wir haben oft viele verschiedene Meinungen innerhalb des Clubs. Da gibt es einige Berufsoptimisten, aber auch den ein oder anderen Dauernörgler. Es geht manchmal auch laut zur Sache bei uns. Aber niemals sind wir zerstritten auseinander gegangen", betont Kupka den Team-Gedanken unter den Mitgliedern. Der war auch schon im Jahr 2006 einer der Beweggründe, einen HSV-Fanclub zu gründen. Nach 14 sieglosen Spielen in Folge und dem Abrutschen auf Platz 17 erklärte der damalige Vorsitzende Stephan Bartels bei der Übergabe der Ernennungsurkunde: "Gerade jetzt halten wir zu der Mannschaft und zeigen Präsenz".

Gilt das Motto von damals auch heute noch? "Für die meisten von uns definitiv", bestätigt Kupka und hofft, dass das gallische Flair, das bei M.i.F. auf der Tagesordnung steht, sich in den restlichen Spielen der Saison auch auf die Mannschaft überträgt. Gelingt dies, werden die HSV-Fahnen in Delmenhorst sicherlich noch ein wenig höher gehängt.