Jürgen Klinsmann bekommt noch einmal die Kurve. Der Bayern-Trainer steht hart in der Kritik. Besonders nach dem 2:4-Pokal-K.o. im Viertelfinale gegen Bayer Leverkusen in Düsseldorf. In der Bundesliga rangiert der Rekordmeister zwischenzeitlich nach dem 22. Spieltag nur auf Platz 5. Es braut sich etwas zusammen.

Doch dem FC Bayern gelingt der Befreiungsschlag. Äußerst torreich sogar. Erst fegen die Münchener Hannover 96 mit 5:1 aus der Allianzarena, dann wird Sporting Lissabon mit 7:1 in der Champions League (im Gesamtergebnis sogar mit 12:1) der Garaus gemacht. Problemlos siegen die Bayern in Bochum mit 3:0, auch Karlsruhe wird geschlagen (1:0).

Hertha wird plötzlich ernst genommen

Die Bayern stehen Ende März mit nur einem Punkt Rückstand auf Hertha BSC auf Platz 2 der Tabelle und fiebern den entscheidenden Spielen in Wolfsburg und in der Champions League in Barcelona entgegen. Ruhe ist wieder eingekehrt, eine trügerische Ruhe.

Über die Berliner Hertha wundert sich ganz Deutschland. So langsam wird der Hauptstadtclub ernst genommen. Die Mannschaft des Schweizer Trainer Lucien Favre spielt absolut am Limit, gibt sich kaum eine Blöße und kann fast alle knappen Spiele für sich entscheiden.

Wolfsburg mausert sich zum Titelanwärter

Nach dem 3:1-Auswärtssieg beim Angstgegner in Cottbus liegen die Herthaner nach dem 23. Spieltag vier Punkte vor dem Tabellen-Zweiten. Andrey Voronin hat alle drei Tore geschossen. Nach dem Erfolg in der Lausitz bittet die Mannschaft Manager Dieter Hoeneß zum Tanz auf dem Rasen. Die Hauptstadt träumt vom Titel.

Nach sechs Siegen in Serie hat sich auch der VfL Wolfsburg zum Titelanwärter gemausert. Ungeachtet deftiger Pleiten im UEFA-Cup und DFB-Pokal (2:5 daheim gegen Werder Bremen) gibt sich die Elf von Trainer Felix Magath in der Bundesliga keine Blöße. Doch der Coach wiegelt ab. "Meister werden die Bayern", beharrt der 55-Jährige.

Der Hamburger SV, der zwischenzeitlich auch die Tabellenspitze erklommen hatte, tanzt weiter aussichtsreich auf drei Hochzeiten. Hertha, Bayern, Wolfsburg und Hamburg - diese vier Teams stehen nach dem 25. Spieltag auf den Plätzen eins bis vier. Nur ein Punkt trennt sie.

Dicke Luft im Ruhrpott

Dicke Luft dagegen im Ruhrpott. Der VfL Bochum steckt mitten im Abstiegskampf, Borussia Dortmund bleibt die ersten sieben Rückrundenspiele ohne Erfolgserlebnis und auf Schalke geht gar nichts mehr. Personelle Konsequenzen werden gezogen.

Erst muss Manager Andreas Müller seine Sachen packen, dann tritt Kapitän Marcelo Bordon zurück. Zuguterletzt erwischt es auch den glücklosen Trainer. Fred Rutten bekommt wenige Tage nach der 1:2-Heimschlappe gegen den HSV seine Papiere. Schalke steht auf Platz 8 mit sieben Punkten Rückstand auf Position 5. Die Mannschaft übernimmt vorerst wie schon in der vergangenen Saison Mike Büskens, assistiert von Oliver Reck und Youri Mulder.

Im Abstiegskampf patzt Karlsruhe beinahe in jedem Spiel. Nach fünf Niederlagen in Folge ohne eigenen Treffer rutschen die Badener auf den letzten Platz. Etwas Luft verschaffen kann sich Borussia Mönchengladbach mit Trainer Hans Meyer, das nacheinander gegen den HSV mit 4:1 und viel wichtiger noch das Derby beim 1. FC Köln mit 4:2 gewinnen kann. Die im Winter verpflichteten Neuzugänge schlagen gut ein.

Von der rheinischen Konkurrenz aus Köln und Leverkusen gibt es nicht viel zu berichten. Der "FC" peilt ungefährdet den Klassenerhalt an, die "Werkself" hat in der Liga völlig den Faden verloren aber noch das Trumpfas DFB-Pokal im Ärmel.

Wiese prophezeit den Titelgewinn

Das Los bescherte Bayer 04 ein Halbfinal-Heimspiel gegen den Zweitligisten Mainz 05. Das mögliche Pokalendspiel ist auch das große Ziel von Bayers "weißem Brasilianer" Bernd Schneider. Nach monatelanger Verletzungspause gibt der 35-Jährige ein Comeback in Bayers Regionalliga-Team.

Auch Werder Bremen kann in der Bundesliga nichts mehr reißen. Dafür umso mehr in den Pokalwettbewerben. Nach dem Pokalsieg in Wolfsburg prophezeit Werder-Keeper Tim Wiese selbstsicher den Titelgewinn.

In der 2. Bundesliga ist die Spielvereinigung Greuther Fürth immer noch drauf und dran die Nummer Eins in Franken zu werden und endlich einmal den Aufstieg in die Liga eins zu packen. Zwischenzeitlich hat die SpVgg sechs Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. Der 1. FC Nürnberg liegt dagegen weit abgeschlagen nur auf Platz 7. Der Endspurt kann beginnen...

Kuriosität des Monats

Boubacar Sanogo hat in der Winterpause das vermeintlich große Los gezogen. Nachdem der Stürmer in Bremen nicht mehr erste Wahl war, wechselte der Ivorer zum Herbstmeister 1899 Hoffenheim, der dringend einen Ersatz für den langzeitverletzten Torjäger Vedad Ibisevic suchte.

Gleich in seinem ersten Spiel trifft Sanogo für seinen neuen Club. Dann kommt es am 23. Spieltag zum Wiedersehen mit den alten Kollegen aus Bremen. Sanogo macht seine Sache gut, er trifft dreimal das Tor. Nur leider nicht ins Tor, sondern nur an die Torpfosten. Dass ein Spieler in einem Spiel dreimal Aluminium trifft, das hatte es in der Bundesliga zuvor noch nicht gegeben.

Tobias Gonscherowski

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