Mit zwei Toren innerhalb von 45 Minuten beim 3:0-Sieg gegen Wolfsburg feierte Arjen Robben einen Traumeinstand bei seinem neuen Club Bayern München. Im Anschluss an die Partie wurde der torgefährliche Flügelflitzer der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit nur 25 Jahren hat Arjen Robben bereits die Meisterschaft in seiner niederländischen Heimat, in England und in Spanien gewonnen. Im Interview verrät der Neuzugang des FC Bayern, wie er die Qualität der deutschen Profiliga im Vergleich zu der spanischen Primera Division und der englischen Premier League einschätzt.

Und er spricht über die Hintergründe seines Wechsels von Real Madrid nach München, das Zusammenspiel mit Franck Ribery sowie seine Deutschkenntnisse.

Frage: Herr Robben, gleich im ersten Spiel haben Sie für Ihren neuen Club zwei Tore geschossen, so etwas nennt man einen Traumstart, oder?

Arjen Robben: Ich konnte mir keinen schöneren Start wünschen. Das ist alles wie ein Traum. Es ging alles so schnell, ich bin noch gar nicht zum Nachdenken gekommen. Am Freitag habe ich das erste Mal mit meinen neuen Kollegen trainiert, tags darauf saß ich bereits auf der Bank. Ich bin hierher gekommen, um Tore zu schießen. Wenn das gleich im ersten Spiel funktioniert, ist das toll und es darf ruhig so weiter gehen. Ich will aber klarstellen: Das war nur ein Anfang. Natürlich war es ein besonderer Tag, aber wir müssen auf dem Boden bleiben. Ich glaube nicht, dass so etwas jede Woche passiert.

Frage: Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, Franck Ribéry und Sie spielten schon lange zusammen. Sie haben sich auf Anhieb blind verstanden.

Robben: Es ist sehr wichtig, dass Franck wieder zurück im Team ist. Meine beiden Tore habe ich zwei brillanten Pässen von Franck zu verdanken. Die Clubführung hat mir bei unseren Verhandlungen versprochen, ihn nicht zu verkaufen. Es war entscheidend für meinen Wechsel, dass er weiterhin für den FC Bayern spielt. Ich will unbedingt mit ihm zusammenspielen. Alles in allem haben wir aber nicht wegen Franck oder mir gewonnen, die Mannschaftsleistung war entscheidend.

Frage: Ihr Trainer Louis van Gaal hat Sie vor dem Spiel gefragt, ob Sie ein Problem damit hätten, wenn Sie als gelernter Linksaußen auf der rechten Seite spielen würden.

Robben: Ich habe bei Real Madrid sehr oft auf dem rechten Flügel gespielt, deswegen fühle ich mich zur Zeit dort sogar etwas besser aufgehoben. Aber viel wichtiger ist, dass uns der Trainer die Freiheit gibt, uns überallhin zu bewegen, so lange die Abstimmung stimmt. Mein zweites Tor ist ja das beste Beispiel, wie flexibel das funktionieren kann.

Frage: Wie kam der Transfer von Madrid nach München zustande?

Robben: Ich glaube, es war im Juni, als ich gesagt bekam, dass Real mich verkaufen möchte. Aber zu diesem Zeitpunkt wollte ich nicht wechseln, und ich startete mit Real in die Vorbereitung. Die lief auch recht gut für mich, ich fühlte mich richtig fit. Aber die Situation gestaltete sich schwierig. Einen Tag sagten sie mir, ich sollte verkauft werden, am nächsten Tag hieß es, ich könnte bleiben. Keine wirklich vertrauensvolle Basis für eine Zusammenarbeit. Es ist sehr schwer gegen die Vereinspolitik anzuspielen. Wenn einige Spieler besser sind als du, dann hast du das zu akzeptieren und du setzt dich auf die Bank. Aber wenn dem nicht so ist und du sitzt trotzdem auf der Bank, fällt dir die Entscheidung, den Verein zu verlassen, plötzlich sehr leicht. Wenn dann auch noch so ein großer Club wie Bayern München kommt...

Frage: Gab es denn keine anderen Mitbewerber?

Robben: Natürlich gab es viele Angebote. Die vergangene Woche war daher sehr schwierig für mich. Aber am Ende der Woche wurde mir die Entscheidung immer leichter gemacht. Louis van Gaal hat mich angerufen und mir von seinen Plänen erzählt. Es war eine gute Unterhaltung, die mir geholfen hat. Ich war mir dann hundertprozentig sicher, in München spielen zu wollen.

Frage: Sie haben für den FC Chelsea gespielt, zuletzt für Real Madrid. Welches Image hat denn der FC Bayern in Europa?

Robben: Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich hatte vorher immer vom sehr familiären Umfeld beim FC Bayern gehört. Jetzt kann ich sagen, dass das stimmt. Alles ist toll organisiert, jeder hilft dir, wenn es Probleme zu lösen gibt. Der FC Bayern zählt zu den größten und bedeutendsten Clubs in Europa. Und ich bin stolz, jetzt ein Teil dieses Clubs sein zu dürfen.

Frage: Wo sehen Sie die Bundesliga im Vergleich zur englischen Premier League oder der spanischen Primera Division?

Robben: Die Bundesliga ist eine starke Liga. Es ist schwer, sie mit anderen zu vergleichen. Die spanische und die englische Liga sind einfach anders. Vielleicht schätzen manche Leute die Premier League und die Primera Division als die stärksten Ligen in Europa ein, aber ich denke, die Bundesliga muss sich nicht verstecken. Wenn man sich die Zuschauer und die vollen Stadien in Deutschland betrachtet, ist es ein Vergnügen, hier zu spielen.

Frage: Wann können wir das erste Interview mit Ihnen auf Deutsch führen?

Robben: Ich hoffe, so schnell wie möglich Deutsch sprechen zu können. Momentan geht das bei mir im Kopf aber alles noch etwas durcheinander. Ich denke in Englisch, ein bisschen auch in Spanisch. Wenn ich jetzt auch noch Deutsch sprechen würde, würde etwas vollkommen Konfuses dabei herauskommen.

Frage: Ein, zwei Worte auf Deutsch haben Sie aber sicher schon drauf, oder?

Robben: (lacht) Auf Wiedersehen!

Aufgezeichnet von Denis Huber