München - 19 Spieltage ist die Saison alt. Langsam, aber sicher kristallisieren sich die Köpfe heraus, die die Liga mit ihren herausragenden Leistungen dominieren. Jeder aufmerksame Beobachter der Liga kennt mittlerweile die Gesichter von Shinji Kagawa, Theofanis Gekas, Lewis Holtby oder Papiss Demba Cisse.

Doch sind diese Überraschungsspieler auch diejenigen, die in den Statistiken der Bundesliga ganz vorne liegen? Oder dominieren in Kategorien wie Passsicherheit, Zweikampfstärke, Ballkontakte oder Balleroberungen vielleicht eher die auch schon vor der Saison ganz prominenten Namen mit Top-Werten? bundesliga.de hat genau nachgeforscht und präsentiert, gestützt mit unumstößlichem Datenmaterial, die Elite der bisherigen Saison.

Duelliermeister

Unter den stärksten Zweikämpfern der Liga finden sich ausschließlich deutsche Nationalspieler. Führender ist der Hamburger Kapitän Heiko Westermann, der 73,8 Prozent seiner Zweikämpfe für sich entscheiden konnte. Auf den Plätzen folgen Bremens Abwehrchef Per Mertesacker mit 71,1 Prozent und Stuttgarts Serdar Tasci mit 70,9 Prozent. Westermanns Quote ist umso beeindruckender, wenn man einen Blick auf die Häufigkeit wirft, mit der er Zweikämpfe begeht. Mit 168 Zweikämpfen hat er etwa doppelt so viele Duelle bestritten wie Mertesacker (76) und Tasci (86). Qualitativ und quantitativ ist Westermann damit die klare Nummer eins in der Liga.

Flankenmaschinen

Kopfballspieler leben von den Flanken. Bestes Beispiel für einen nimmermüden Flankengeber ist Christian Fuchs von Mainz 05. Der Österreicher spielt eine herausragende Saison - durch den permanenten Druck, den Fuchs mit seinen Flügelläufen und Hereingaben auf den Gegner ausübt, ist er ein wesentlicher Bestandteil des erfolgreichen Mainzer Offensivspiels in dieser Saison. Auch in der Statistik schlägt sich das nieder: 117 Flanken schlug Fuchs in dieser Spielzeit - Ligabestwert. Knapp geschlagen auf Platz 2 liegt Wolfsburgs Kapitän Marcel Schäfer, der den Ball 101 Mal nach innen brachte. Rang 3 geht an Frankfurts Georgios Tzavellas (86). Auffällig: Die Top-Plätze in diesem Ranking nehmen keine Mittelfeldspieler, sondern ausschließlich Außenverteidiger ein.

Punktgenaue Hereingaben

Quantität ist nicht gleich Qualität. In den Top-3 der präzisesten Flankengeber findet sich kein Spieler der eben genannten Dauerflanker. Der genaueste Flankengeber der Saison ist Guy Demel, der 43,3 Prozent seiner Hereingaben zum Mann brachte. Auch die Nummer 2 dieser Auflistung ist Außenverteidiger: 42,9 Prozent der Flanken von Peter Pekarik (VfL Wolsburg) kamen an. Komplettiert werden die drei präzisesten Flanker der Bundesliga von Dortmunds Nuri Sahin (42,3 Prozent). Sahins Flankenkünste sind allerdings hoch einzustufen, da er seine gute Quote mit mehr als doppelt so vielen Flanken erreichte wie Demel (30) oder Pekarik (28) - ganze 71 Mal versuchte Dortmunds Regisseur, auf diese Weise Gefahr zu erzeugen.

Kopfballungeheuer

Bayerns Torjäger Mario Gomez führt nicht nur (gemeinsam mit Freiburgs Papiss Demba Cisse) die Torschützenliste an, sondern ist auch das "Kopfballungeheuer" der Liga. Kein Spieler traf öfter mit dem Kopf als der Nationalspieler (fünf Mal). An zweiter Stelle folgt eine Überraschung: Georg Niedermeier vom VfB Stuttgart schlug bereits vier Mal per Kopf zu. Niedermeiers Quote (vier Tore bei nur sieben Versuchen) übertrifft dabei sogar die von Gomez (15 Versuche). Auf Platz 3 folgen gleich fünf Spieler mit jeweils drei Kopfballtoren: Srdjan Lakic (Kaiserslautern), Theofanis Gekas (Eintracht Frankurt), Grafite (VfL Wolfsburg) sowie die Ex-Bundesligaspieler Edin Dzeko (VfL Wolfsburg) und Hugo Almeida (Werder Bremen).

Marathonmänner

Nuri Sahin vom Tabellenführer Borussia Dortmund wurde von seinen Kollegen zum besten Spieler der Hinrunde gewählt. Der Türke ist Motor und Herz des Dortmunder Spiels, gibt den Takt vor und lenkt die Partie in die eine oder andere Richtung. Dass er in jeder Situation den Ball haben und dem Spiel so seinen Stempel aufdrücken will, merkt man auch an der Statistik der Ballkontakte: 1720 Mal war Sahin in dieser Saison am Ball - Ligabestwert. Auf den Plätzen folgen mit seinem Münchner Pendant Bastian Schweinsteiger (1695) und Philipp Lahm (1582) zwei Bayern-Profis. Kein Wunder, dass die Rangbesten dieser Statistik nur aus Teams kommen, die für ihren hohen Ballbesitzanteil bekannt sind und generell die aktivere, dominierende Mannschaft stellen.

Eroberer

Ballgewinne sind für jede Mannschaft unglaublich wertvoll und nicht selten Basis für schnelle Gegenangriffe. Die Fähigkeit, den richtigen Moment für eine Attacke zu erahnen, ihn zu nutzen und seiner Mannschaft so einen Vorteil zu verschaffen, zeichnet Arturo Vidal aus, der ein Garant für den Leverkusener Erfolg in dieser Spielzeit ist. 180 Mal gelang es dem Chilenen, das Spielgerät für seine Mannschaft zu erobern. Eine Überraschung ist auf Rang 2 zu verzeichnen, wo sich kein Abwehrmann oder defensiver Mittelfeldspieler befindet: Hamburgs Flügelstürmer Jonathan Pitroipa verzeichnete satte 154 Ballgewinne. Dritter ist Bremens Kapitän Torsten Frings mit 141 Eroberungen.

Todsichere Passgeber

Ein Hamburger führt die Statistik der genauesten Passgeber der Bundesliga vor zwei Bayern-Spielern an. Die Quote von Mittelfeldmann David Jarolim, einen Pass zum Mitspieler zu bringen, liegt bei 91,5 Prozent. Knapp dahinter folgen Nationalspieler Philipp Lahm (89,8 Prozent) und Anatoliy Tymoshchuk (88,6 Prozent). Obwohl Jarolims Quote prozentual die beste ist, basiert Lahms Statistik auf deutlich mehr Werten: 1210 Pässe spielte der Abwehrspieler (im Vergleich mit Jarolims 874) bisher.


Christoph Gschoßmann