Nach dem 2:1-Hinspielerfolg gegen den AC Florenz geht der FC Bayern mit leichten Vorteilen ins Rückspiel (Di., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). Ex-Bayern-Star Christian Ziege warnt im bundesliga.de-Interview vor den ausgebufften Italienern und verrät, wie die Münchner zum Erfolg kommen könnten.

bundesliga.de: Herr Ziege, der FC Bayern geht mit einem 2:1-Vorsprung ins Achtelfinal-Rückspiel gegen den AC Florenz. Wie sehen Sie die Ausgangslage für die Münchner?

Christian Ziege: Die Chancen stehen gut. Bayern ist immer für ein Tor gut und dann müsste Florenz schon drei Mal treffen. Bei der Fiorentina läuft es außerdem in der Liga gar nicht gut. Allerdings ist natürlich trotzdem Vorsicht geboten. Man hat schon im Hinspiel gesehen, dass sie gut aufgestellt sind - gerade was das Verteidigen betrifft. Es ist zwar schon ein paar Tage her, als italienische Mannschaften den Catenaccio auspackten. Aber sie sind immer noch Defensivkünstler - und Florenz reicht ja schon ein 1:0…

bundesliga.de: Sie sagen es - im Hinspiel hatte sich Bayern schwer getan mit der defensiven Ausrichtung der Fiorentina. Könnte es im Laufe des Rückspiels einfacher werden, wenn die Italiener vielleicht öffnen müssen?

bundesliga.de: Das könnte sein. Am Anfang werden beide Teams nicht bedingungslos nach vorne spielen. Das heißt, wenn Bayern es schafft, lange Zeit ein Gegentor zu verhindern, wird ihnen das entgegenkommen. Dementsprechend könnte es vor allem hinten heraus ein interessantes Spiel werden, wenn es eventuell darum geht, das entscheidende Tor zu schießen. Dann muss Fiorentina größeres Risiko gehen, was den Bayern in die Karten spielen könnte.

bundesliga.de: Wie muss Bayern also auftreten, um das Viertelfinale zu erreichen?

Ziege: Die Bayern werden, wie gesagt, nicht auf Teufel komm raus ins offene Messer laufen, weil man ja die Führung in der Hand hat. Trotzdem sollten sie mit breiter Brust ins Spiel gehen, denn sie haben die individuelle Klasse, um dort zu bestehen. Das heißt: Konzentrierte Leistung in der Defensive und die Qualitäten ausnutzen, die man in der Offensive hat. Dann sollte es klappen.

bundesliga.de: Sie glauben also, dass die Münchner am Ende jubeln werden?

bundesliga.de: Fiorentina ist mit Sicherheit keine Mannschaft, die man mal eben im Vorbeigehen abschießt. Wie man schon im Hinspiel gesehen hat, arbeiten sie hervorragend gegen den Ball und machen den Bayern das Leben schwer. Deswegen werden es schwierige 90 Minuten - aber ich denke, dass Bayern dank der besseren Einzelspieler weiterkommt.

bundesliga.de: Die Italiener fühlten sich durch den umstrittenen Siegtreffer im Hinspiel benachteiligt. Spukt das noch in den Köpfen der Beteiligten herum?

Ziege: Das glaube ich nicht. Jede Mannschaft hat das schon einmal erlebt, dass zu ihren Ungunsten entschieden wurde. Da muss man nicht lange lamentieren. Die Leute, die das entscheiden, sind nun mal Menschen und damit nicht vor Fehlern gefeit.

bundesliga.de: Dem FC Bayern wird Martin Demichelis fehlen, der sich im Länderspiel schwer verletzt hat. Hat das Auswirkungen auf die Stabilität der Bayern-Defensive?

Ziege: Das schmerzt schon. Demichelis ist ein ganz wichtiger Faktor in der Hintermannschaft. Als ich mein Praktikum bei den Bayern absolviert habe, war er ein absoluter Stabilisator. Nichtsdestotrotz ist das jetzt die Chance für die anderen, dass es auch ohne ihn geht.

bundesliga.de: In Köln sah man in der ersten Hälfte, dass der FC Bayern ohne Arjen Robben und Franck Ribery große Probleme im Spiel nach vorne hatte. Ist die Mannschaft auf ihre beiden Stars angewiesen?

Ziege: Das ist ja normal. Was sie auf dem Platz machen, ist herausragend. Wenn die beiden nicht im Spiel sind, fehlt natürlich eine gewisse Qualität. Dann sind die Außenbahnen nicht so gut besetzt und man hat die eine oder andere Chance weniger. Das war auch in Köln so - und dann muss man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Chancen des FC Bayern auf den ganz großen Wurf? Ist die Mannschaft vielleicht sogar schon reif für den Champions-League-Titel?

Ziege: Das ist schwierig zu sagen, denn da kommen immer viele Faktoren zusammen. Es gibt eine Menge Mannschaften, die ein Wörtchen mitreden und die vielleicht sogar noch etwas mehr Potential haben. Dennoch ist der FC Bayern nicht chancenlos.


Das Gespräch führte Johannes Fischer