Das Klicken der Kameras wollte bei der Vorstellung des neuen Trainers und des neuen Sportchefs beim Hamburger SV einfach nicht aufhören. Unermüdlich drückten die zahlreich anwesenden Fotografen auf ihre Auslöser.

In einer ähnlichen Frequenz werden sich die Augen der HSV-Anhänger geöffnet und wieder geschlossen haben, als sie in den Medien die Namen der neuen Heilsbringer bei den Hanseaten gelesen haben. Armin Veh übernimmt als Coach das Ruder beim Bundesliga-Dino, Bastian Reinhardt soll ihm in Zukunft den Rücken freihalten.

"Eine sehr, sehr reizvolle Aufgabe"

Joachim Löw, Bernd Schuster und zuletzt Kevin Keegan kursierten als mögliche Nachfolger des vor vier Wochen entlassenen Bruno Labbadia rund um den Volkspark. Nun also Veh. Er soll die "Rothosen" nach einer Talfahrt zum Saisonende wieder auf die Erfolgsstraße führen.

Den nötigen Elan bringt der gebürtige Augsburger auf jeden Fall schon einmal mit. "Es ist eine sehr, sehr reizvolle Aufgabe für mich. Ich denke, dass wir eine große Chance haben, etwas zu erreichen", sagte der 49-Jährige.

Fokus auf zwei Wettbewerbe

Braungebrannt und lässig mit weit geöffnetem Hemdkragen erklärte er am Dienstag im Pressekonferenzraum der HSH Nordbank Arena auch, warum er so zuversichtlich in die Zukunft blickt: "Der Vorteil bei uns ist, dass wir uns ganz auf die Meisterschaft und den DFB-Pokal konzentrieren können".

Doch gerade dieser Umstand - der HSV hat die Teilnahme am europäischen Geschäft verpasst - sollte für das zweite Vertragsjahr tunlichst vermieden werden.

Anders als bei Labbadia bekommt Veh dafür einen Sportchef an die Seite gestellt. Elf Monate haben die Hamburger nach einem Nachfolger für Dietmar Beiersdorfer gesucht, mit Bastian Reinhardt nun einen Nobody auf diesem Gebiet berufen. "Es ist sicher nicht die ganz große Lösung", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker, meinte das aber sicherlich nicht despektierlich. Schließlich wurden vor Reinhardt Spezialisten wie Roman Grill, Horst Heldt oder zuletzt Nico-Jan Hogma gehandelt.

Vom Praktikanten zum Sportchef

Reinhardt hatte in den vergangenen Monaten verletzungsbedingt in der Pressestelle des HSV hospitiert. In der kommenden Spielzeit sollte der 34-Jährige den jungen Spielern der Reserve durch seine Anwesenheit im Team einen Schub geben und nebenher in der Nachwuchs- und Scouting-Abteilung langsam Fuß fassen. Nun hängt er also ad hoc seine aktive Karriere an den Nagel und wird sogleich an die höchste Stelle befördert.

Veh sieht die mangelnde Erfahrung Reinhardts als Sportdirektor jedoch nicht als Nachteil und verweist auf seine Zeit 2007 beim VfB Stuttgart. "Horst Heldt war damals auch ganz neu im Geschäft. Letztlich haben wir das mit dem Gewinn der Meisterschaft doch ganz gut hinbekommen", stellte Veh mit einem Lächeln fest.

Kurzpass-Spiel als Mittel zum Erfolg

Ähnlich wie damals bei den Schwaben will der Bayer auch in Hamburg mit schnellem Kurzpass-Spiel begeistern. Das Spielermaterial dafür sei vorhanden. "Der HSV hat enormes offensives Potenzial, das genutzt werden muss", so Veh.

Und damit das so bleibt, haben Veh und Reinhardt als erste Amtshandlung Angreifer Paolo Guerrero gleich einmal mit einem neuen Vier-Jahres-Vertrag ausgestattet. Die Weichen für eine bessere Zukunft wurden also gestellt.

Inwieweit Urs Siegenthaler in dieser Personalie schon mitbestimmt hat, ist nicht geklärt. Ab dem 1. August komplettiert der Schweizer als Leiter der Scouting-Abteilung die neue Troika der sportlichen Leitung. Während Siegenthaler also erst später sein Amt bekleiden wird, gab Veh für sich - und auch für Reinhardt, der extra seinen Urlaub stornierte - zu Protokoll: "Die Arbeit beginnt sofort!"

Aus Hamburg berichtet Michael Reis