Torshavn/Hamburg - Die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft sind seit Jahren hoch. Wenn die DFB-Elf auch noch gegen den 175. der Weltrangliste spielt, dann steigen sie gar ins Unermessliche. Eine Torgala muss her. Beim 3:0 auf den Färöer Inseln gelang das bedingt, denn überzeugen konnte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gegen den krassen Außenseiter nur phasenweise.

Abwehrchef Per Mertesacker fasste es nach dem Spiel treffend zusammen. "Wir haben es irgendwie geschafft. Aber wir können alles ein bisschen besser machen. Wir hatten gute Passagen. Aber in den entscheidenden Momenten im Sechzehner waren wir nicht so konsequent, um früh zwei, drei Tore vorzulegen", analysierte der Abwehrchef.

So waren es nicht die Stürmer, sondern Mertesacker selbst, der nach 22 Minuten für die erlösende Führung sorgte, als er eine Kopfballverlängerung von Jerome Boateng mit dem langen Bein nur noch über die Linie drücken musste.

Mertesacker als Torjäger



"Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich so etwas wie Stürmerinstinkt gezeigt. Da bringen die langen Gräten ja doch mal was", meinte der 1,98 Meter große Innenverteidiger des FC Arsenal humorvoll.

Nicht wirklich zu Scherzen aufgelegt war dagegen der Bundestrainer. Man sah Löw an, dass er zwar grundsätzlich mit der Ausbeute von zwei 3:0-Siegen aus den Spielen gegen Österreich und die Färinger zufrieden war, ihm aber doch ein paar Mängel im Spiel seiner Mannschaft störten.

"Brauchen zu viele Chancen"



"Wir müssen unser Spiel im letzten Drittel verbessern. Unsere Spielanlage ist gut. Das sieht man. Aber man konnte in den letzten Partien erkennen, dass wir zu viele Chancen brauchen. Uns fehlt da auch ein Stück weit die letzte Konsequenz", haderte Löw leicht mit seinen Kickern.

Nichtsdestotrotz: Während sich zuletzt zum Beispiel Italien bei der Qualifikation zur EURO 2012 auf der kleinen Insel in der Nordsee richtig schwer getan und nur glücklich mit 1:0 gewonnen hatte, war der Sieg der DFB-Elf zu keiner Zeit gefährdet. Mesut Özil per Elfmeter und Thomas Müller nach toller Vorarbeit von Kapitän Philipp Lahm sorgten letztlich für ein standesgemäßes Ergebnis.

DFB-Team kann alles klarmachen



"Wenn zehn Spieler mit zwei Beinen im Strafraum stehen, ist es schwierig durchzukommen und die Lücke zum Torabschluss zu finden. Da haben wir uns schwer getan. Am Ende war es aber ein ungefährdeter 3:0-Sieg, mit dem wir einen großen Schritt in Richtung Brasilien gemacht haben", sagte der Schalker Julian Draxler, der nach der Absage von Marco Reus der einzige "Neuling" in der Startelf im Vergleich zum Österreich-Spiel war.

Zwei Runden vor Abschluss der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 hat das DFB-Team nun fünf Punkte Vorsprung auf Schweden, dass sich zu einem 1:0 in Kasachstan mühte. Deutschland kann nun am nächsten Spieltag am 11. Oktober alles klarmachen.

"Perfekte Ausgangsposition"



Sollte Schweden gar gegen Österreich verlieren, würde dann in Köln sogar eine Niederlage zum Einlösen des Tickets für Brasilien reichen. Im schlimmsten Fall droht ein Finale am letzten Spieltag in Stockholm.

Doch davon will Mertesacker gar nichts wissen. "Wir haben uns eine perfekte Ausgangsposition geschaffen. Das ist der erste Matchball. Darauf werden wir uns nun gut vorbereiten und dann werden wir diesen auch nutzen."

Michael Reis