
Ready for Recall! Diese sechs Spieler haben das Klopp-Casting bestanden
Mit dem 0:0 in Griechenland endete für Jürgen Klopp die große Inventur der deutschen Spieler-Landschaft. 43 Akteure durften in den vergangenen zwei Wochen dem neuen Bundestrainer vorspielen. Und einige Spieler haben ihre Chance ganz sicher genutzt. bundesliga.de stellt die Gewinner der Länderspielphase vor.
Auf die Inventur folgte die Ansage. Unmittelbar nach dem letzten Länderspiel mit dem (insgesamt) 43-Mann-Kader erklärte Jürgen Klopp am Sonntagabend, wie es nun weitergehen werde. "Wir werden die zwei Wochen in aller Ruhe analysieren und dann haben wir in fünf Wochen wieder zwei Länderspiele mit einem eingedampften Kader. Natürlich werden wir da nicht mit 44 Spielern hinfahren", erklärte der Bundestrainer bei RTL. "Wir hatten in den zwei Wochen ganz viele neue Nationalspieler dabei. Und alle hatten ihre Berechtigung, dabei zu sein. Jeder hat sich gezeigt, und das freut mich sehr für die Jungs."
Wer aber auch in jenen fünf Wochen dabei sein wird, sagte Klopp natürlich noch nicht. Vor allem, weil er diese Entscheidung erst in einigen Wochen fällen muss und bis dahin noch viel passieren kann. Allerdings wird in diese Bewertung dann auch einfließen, was in den vergangenen beiden Wochen passiert ist, wer sich also aufgedrängt hat.

Derry Scherhant
Denn klar ist, der Rotstift wird sicherlich zur ersten dünnen Linie bereits angesetzt haben. Gute Argumente um oberhalb dieser Grenze zu stehen, sammelte in den vergangenen beiden Spielen Derry Scherhant. Der Flügelspieler des Sport-Club Freiburg hatte sich offenbar bereits im Training aufgedrängt und im internen Duell mit Saïd El Mala die Nase vorne. Denn der 23-Jährige stand zweimal in der Anfangsformation und rechtfertigte seine Aufstellung. Der Flügelspieler war ein absoluter Aktivposten, gab in den Begegnungen unter Klopp die meisten Torschüsse sowie die meisten Flanken aus dem Spiel ab.
Schon gegen Serbien fiel der Offensivmann immer wieder mit gelungenen Eins-gegen-eins-Momenten auf. Der Freiburger ist dynamisch, dribbelstark, sucht den direkten Weg zum Tor. Eigentlich sammelte Scherhant auch den ersten Scorer. Eigentlich, denn der Treffer von Frankfurts Jonathan Burkardt wurde aufgrund eines Handspiels bei der Entstehung des Treffers nicht gegeben. In Freiburg stehen bereits neun Scorer (zwei Tore, sieben Vorlagen) in sechs Pflichtspielen zu Buche.
Dass Scherhant gute Karten hat, zeigte auch der Umstand, dass er seine Seite zunächst behielt, als mit El Mala ein weiterer Linksaußen das Spielfeld betrat.
Philipp Treu
Schon bei der Kadervorstellung für die vier Länderspiele kam Klopp bei einer Personalie nur noch schwer aus dem Schwärmen. Der Bundestrainer stellte klar, dass die Baustelle Rechtsverteidiger gar keine sei, wenn es doch Spieler wie Philipp Treu gäbe. Wie überzeugt der Coach von dem Freiburger ist, zeigte sich auch in der Zusammenstellung der beiden Kader. Denn Treu blieb einfach für alle vier Spiele. Das teilte der Trainer dem Außenverteidiger mit, nachdem dieser ihm versichert hatte, noch keinen Urlaub für die zweite Woche gebucht zu haben.
Und der 25-Jährige dürfte mit der Entscheidung recht zufrieden sein. Vier Spiele, drei über die vollen 90 Minuten und einen bärenstarken Eindruck hinterlassen. "Jeder Außenverteidiger muss nach vorne Gas geben und nach hinten arbeiten wie ein Stier", erklärte Klopp. "Man hatte nicht den Eindruck, dass ein Neuling da spielt. Er wirkte sehr gesettled." Dass der Spieler auch Qualitäten in der Offensive hat, lässt sich an einem bemerkenswerten Wert ablesen. Keiner gab so viele Torschussvorlagen wie Treu (acht).

Jonas Urbig
Beim FC Bayern München ist der Keeper aktuell noch als Backup für Manuel Neuer als Nummer zwei eingeplant, in der Nationalmannschaft hat Jonas Urbig den Kampf um die Position der Nummer eins allerdings mit zwei starken Spielen angenommen. Urbig wirkte in beiden Partien souverän, spielte sowohl gegen Serbien als auch gegen Griechenland zu Null. Und am Sonntagabend bewahrte der Keeper die DFB-Auswahl vor einem frühen Rückstand, als er bereits nach zwei Minuten sensationell abtauchte. "Ich habe mich einfach gefreut, der Mannschaft zu helfen und dass wir dann alle wach sind", sagte Urbig.
Mindestens genauso spannend ist aber das Auftreten auf dem Platz. Urbig hielt seinen Kasten nicht nur sauber, er geigte den Gegenspielern auch ordentlich die Meinung, wenn sie ihm oder den Mitspielern dann doch ein wenig zu nah gekommen waren. Der Torhüter ist in seiner Zeit beim Rekordmeister ganz offensichtlich gereift und vielleicht sogar schon reif für die Nummer eins auf dem Jersey.
Tom Bischof
21 Jahre hat Tom Bischof gerade einmal auf dem Buckel, spielt aber mit einer erstaunlichen Routine. Der Mittelfeldspieler zeigte vor allem gegen Serbien, was in ihm steckt. Taktgeber, passsicher, laufstark und Torschütze. Der Ex-Hoffenheimer erzielte gegen Serbien die Führung der DFB-Auswahl. Kein Spieler gab mehr Torschüsse ab (vier), dazu legte er drei Abschlüsse auf. "Das war eines meiner wichtigsten Spiele", sagte er nach dem 2:0-Erfolg. Beeindruckend auch sein Wert von 67 Prozent gewonnenen Zweikämpfen.
Die Harmonie zwischen ihm und Klopp scheint dabei eine wichtige zu sein. "Jürgen ist ein Trainer, der einen mitzieht. Ich hoffe, dass es genauso weitergeht", so Bischof weiter. Die Chancen stehen nicht schlecht. Immerhin sehen viele Experten in dem Youngster eine mittelfristige Alternative zu Joshua Kimmich. Der Kapitän der DFB-Elf ist unter Klopp natürlich weiterhin gesetzt und auch für die Position im Mittelfeld vorgesehen. Aber: "Wir können in unterschiedlichsten Konstellationen eine bestimmte Art von Fußball spielen. Das ist der Plan", sagte der Bundestrainer. "Der Fußball muss konstant bleiben, die Aufstellung kann es nicht."
Aleksandar Pavlović
Damit könnte auch Aleksandar Pavlović gemeint sein, der ebenfalls einen bemerkenswerten Eindruck hinterlassen hat. Gerade im Verbund mit Bischof und Florian Wirtz lieferte der Sechser herausragende Leistungen ab. "Diese Kombination passt einfach hervorragend, weshalb wir es erst einmal genau so belassen haben", sagte der Trainer vor dem Griechenland-Spiel und sollte mit seiner Vermutung recht behalten.
Denn der Mittelfeldspieler zeigte auch im zweiten Duell eine enorme Ruhe am Ball, war pressingresistend und passsicher und gibt den Rhythmus vor. Dazu stopft Pavlović Lücken wie kaum ein anderer. "Er hat definitiv Qualitäten für den Maschinenraum", sagte der Bundestrainer zuvor mit einem breiten Grinsen. Die Aufstellung gerchtfertigt hat der Spieler allemal.
Karim Adeyemi
Der Tapetenwechsel hat Karim Adeyemi gut getan. Beim FC Barcelona blüht der Flügelspieler förmlich auf. In acht Pflichtspielen kommt Adeyemi auf bereits drei Tore und drei Vorlagen. Auch in der DFB-Elf zeigte er seine aktuelle Formstärke. In den ersten beiden Partien war der 24-Jährige ein absoluter Aktivposten, nahezu an jeder Offensivaktion beteiligt. Vom Glück verfolgt war Adesemi in jenen Begegnungen aber nicht. Gerade der Abschluss ließ dann doch noch zu Wünschen übrig.
"Er ist ein wundervoller Kerl und sehr angenehmer Zeitgenosse. Ich mag total das Paket, das er anbietet. Ich kenne wenige Menschen, die es sich aussuchen können, ob sie den Ball mit links oder rechts nehmen, wenn sie auf ihn zulaufen. Und er hat ein Riesentempo", lobte Klopp den Spieler nach dem 1:1 gegen die Niederlande und verzieh ihm sogar die ausgelassene Großchance. "Weiter geht's", sagte der Bundestrainer.
Für wen es in fünf Wochen weiter geht, wird sich also zeigen. Diese sechs Spieler haben gute Karten.



