Köln - Dank Anthony Modeste feiert der 1. FC Köln seinen ersten Derby-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach seit zehn Jahren. Der Franzose erzielte das goldene Tor beim 1:0-Erfolg der Geißbockelf und erweist sich immer mehr als absoluter Transfer-Volltreffer.

Als die Schlacht geschlagen war, bat Peter Stöger seine Spieler direkt nach dem Abpfiff noch auf dem Feld zur kurzen Aussprache im Kreis. Das tut er immer, aber so ausgelassen wie dieses Mal sah man den Kölner Trainer noch nicht. Denn nach ein paar Worten an die Mannschaft deutete der Coach auch noch ein sanften Tritt in den Allerwertesten seines Sturmtanks Anthony Modeste an, bevor die ganze Belegschaft zu tanzen anfing.

Mit offenen Armen empfangen

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Modeste ist längst ein herausragender Bestandteil dieser verschworenen Gemeinschaft. Aus Hoffenheim war der bullige 1,87-Meter-Mann mit der Empfehlung von 19 Toren in 55 Bundesliga-Spielen an den Rhein gewechselt. In mehr als jedem dritten Spiel hatte er für die Kraichgauer getroffen und war dennoch nicht mehr gut genug. In Köln wurde er dagegen mit offenen Armen empfangen.

Modeste fühlte sich vom ersten Tag an wohl in der Domstadt. Die Zuschauer mögen ihn, der Trainer vertraut ihm, die Mitspieler suchen ihn und der 27-Jährige dankt es ihnen allen mit Toren. Vier sind es nun schon nach gerade einmal sechs Spieltagen (Torjägerliste). Nur drei Spieler - Thomas Müller, Pierre-Emerick Aubameyang und Yunus Malli - trafen in der Bundesliga bislang häufiger.

"Ich fühle mich richtig gut. Es war ein guter Tag", sagte Modeste nach dem Derbysieg. "Das Tor war wichtig für mich und das gesamte Team. Die Rivalität zwischen den beiden Clubs ist groß. Deshalb ist es schön, so ein Spiel zu gewinnen und die drei Punkte zu haben. Nach der Niederlage in Frankfurt war der Sieg wichtig für uns und ein idealer Start in die Englische Woche."

"Der Tony ist brandgefährlich"

Drei Mal visierte Anthony Modeste das Gladbacher Tor an, sein Kopfball in der 64. Minute war drin. Auch seine weiteren Derbywerte überzeugten. Er lief rund 8,9 Kilometer, hatte bei 29 Ballkontakten eine Passquote von 68 Prozent. Er gewann für einen Angreifer gute 48 Prozent seiner Zweikämpfe und gab zwei Torschussvorlagen. Am wichtigsten aber war, dass er im entscheidenden Moment zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchte und "eiskalt" vollstreckte, wie Teamkollege Dominique Heintz befand.

"Der Tony ist brandgefährlich. Ich hätte den Ball auch drei Meter in die Luft schießen können, er hätte ihn verwertet", lobt Leonardo Bittencourt, der Absender der spielentscheidenden Flanke. "Tony hat ein unglaublich gutes Näschen und Timing. Er springt hoch und versenkt das Ding. Das ist seine Qualität."

Bester Start seit 26 Jahren

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Der umjubelte Torschütze begeistert auch Peter Stöger: "Er hat die Qualität, die Schnelligkeit und die Robustheit. Er wird besser und besser." Dank Modeste ist der FC im Offensivspiel variabler geworden. Das drückt sich auch in Zahlen aus. Nach fünf Spieltagen haben die Kölner bereits neun Tore erzielt. In der letzten Saison war dieser Wert erst nach elf Spieltagen erreicht.

Die Rheinländer haben somit die 2:6-Klatsche in Frankfurt vom letzten Wochenende endgültig abhaken können. Voller Selbstvertrauen gehen sie in die englische Woche, die zunächst am Dienstag die Auswärtspartie in Berlin vorsieht und dann am Freitag das Heimspiel gegen den starken Aufsteiger aus Ingolstadt. Der beste Start seit 26 Jahren könnte noch weiter ausgebaut werden.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski