Seit sieben Spielen ist Werder Bremen in der Bundesliga ohne Sieg. Das 3:4 in Mönchengladbach bedeutete die fünfte Niederlage in Folge. Wie im Vorjahr droht der Pokalsieger frühzeitig den Kontakt auf die Spitzenplätze zu verlieren.

Nach der Pleite im Borussia-Park stellte sich Werders Sportchef Klaus Allofs den Fragen der Medienvertreter.

Frage: Herr Allofs, Werder Bremen hat 3:4 in Mönchengladbach verloren und alle Gegentore bereits in der ersten Hälfte kassiert. Wie bewerten Sie die Niederlage?

Klaus Allofs: Ich habe schon viele Spiele gesehen, aber selten so eines. Borussia hat absolut verdient gewonnen, in der ersten Halbzeit haben wir richtig schlecht gespielt, ohne Gegenwehr, ohne Körperkontakt. Auch in der zweiten Hälfte waren wir nicht in der Lage, richtig großen Druck über einen längeren Zeitraum aufzubauen. Die Niederlagen der letzten Wochen haben Spuren hinterlassen, das hat man gesehen.

Frage: Welche Fehler kreiden Sie der Mannschaft an?

Allofs: Wir haben die Dinge, die wir machen wollten, ins Gegenteil verkehrt. Nach dem Bayern-Spiel haben wir gesagt, dass wir uns wieder auf die defensive Stärke besinnen und aus der geordneten Defensive heraus unser Spiel betreiben müssen. Nur das kann die Basis sein. Bei aller Freude darüber, dass wir gut kombiniert und technisch gut gespielt haben, war das in der Hinrunde unsere Stärke. Das haben wir ins Gegenteil verkehrt.

Frage: Über Werders linke Abwehrseite fielen die ersten drei Gegentore. Dort war Aymen Abdennour total überfordert. Hätte er nicht früher ausgewechselt werden müssen?

Allofs: Es wäre das Leichteste, das schwächste Glied herauszunehmen und auf dem dann die Schuld abzuladen. Den Gefallen sollten wir den anderen aber nicht tun. Man muss ganz deutlich sagen, dass er in den letzten beiden Spielen keinerlei Hilfe von den Mannschaftskollegen bekommen hat. Wir haben in einer Situation auf Abseits gespielt, in der es absolut verboten ist. Das ist entscheidend. Dass gerade ein sehr junger Spieler, der noch nicht die Erfahrung hat und wegen eines verletzten Spielers auf dieser ungewohnte Position zum Einsatz kommt, viel in besser in einer Mannschaft aufgehoben wäre, die funktioniert, darüber sind wir uns im Klaren.

Frage: Es wirkt so, als wären die Werder-Spieler zu sehr mit sich selbst beschäftigt und nicht in der Lage, sich als Gemeinschaft untereinander zu helfen.

Allofs: Wir haben in den letzten Spielen gesehen, dass die Gegner das an den Tag gelegt haben. Die Gladbacher waren immer da, zu zweit, zu dritt. Auch die Bayern haben das eindrucksvoll in der letzten Woche gemacht, was man in der Form gar nicht von ihnen kennt. Das ist der Weg zum Erfolg. Diesen Weg hatten wir eingeschlagen. Jetzt sieht man das kaum, dass sich die Spieler helfen, dass der Zweite und Dritte dazukommt. Im Moment haben wir den Eindruck, dass es jeder für sich versucht, aber nicht mit den richtigen Mitteln.

Frage: Im Februar kommen auch die Spiele im DFB-Pokal und der Europa Leage dazu. Befürchten Sie, dass für Werder schon im Februar die Saison den Bach runtergeht?

Allofs: Ich befürchte, dass das schon vielleicht im Januar passiert ist. Wir haben drei Spiele verloren und zwei im Dezember. Wenn man das Positive sehen will, haben wir jetzt viele Möglichkeiten, wieder aus der Situation über Erfolge in anderen Wettbewerben herauszukommen. Aber wir müssen nicht über Dinge reden, die in Zukunft passieren. Wir müssen unmittelbar am nächsten Freitag anders auftreten und es nicht bei Worten belassen, sondern es auch umsetzen.

Frage: Am kommenden Freitag gastiert Hertha BSC im Weser-Stadion. Besteht da die Gefahr, dass man den Tabellenletzten unterschätzt?

Allofs: Wer jetzt noch nach solchen Vorstellungen wie in Mönchengladbach andere Gedanken im Kopf hat, der hat wirklich ein Problem. Das wäre genau das, was ich eben gesagt habe, dass noch nicht jeder verstanden hat, was wir anders machen müssen, um wieder erfolgreich zu werden.

Frage: Muss der Trainer jetzt die Zügel anziehen?

Allofs: Wir müssen uns immer in Frage stellen. Die Kritik auch vom Trainer war klar und deutlich. Er hat im Training die Zügel gewaltig angezogen. Aber bei allen Maßnahmen müssen wir auch vernünftig sein. Wir haben in den nächsten Wochen ein hartes Programm. Wir wissen, was uns vom Erfolgspfad weggeführt hat. Das müssen wir wieder hinbekommen. Das geht nur über Arbeit und nicht durch die Auswechslung der Mannschaft oder sonstigen Dingen. Es ist vorgegeben, was in den nächsten Tagen passiert: Hartes Arbeiten und konstruktive Kritik in jeder Form.

Frage: Besteht die Notwendigkeit, dass Werder noch auf dem Transfermarkt aktiv wird?

Aloofs: Wir könnten sicher Spieler gebrauchen, die uns weiterhelfen würden, aber die können wir uns nicht erlauben.

Frage: In der Bundesliga verliert Werder den Anschluss nach oben. Sehen Sie Parallelen zur letzten Saison, als sich Werder am Ende auf die Pokalwettbewerbe konzentrierte?

Allofs: Wir werden alles dafür tun, damit die Saison nicht abgehakt ist. Man kann nicht immer sagen: Dann gewinnen wir eben den Pokal oder kommen ins Endspiel des europäischen Wettbewerbs. Das sind besondere Momente. Wir setzen voll und ganz auf die Bundesliga-Saison. Auch wenn es im Moment sehr schlecht aussieht, ist der Zug noch nicht abgefahren.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski