Wolfsburg - Auf den Tag genau sechs Jahre nach der Champions-League-Premiere begann für den VfL Wolfsburg das zweite Abenteuer Champions League. Gegner des Überraschungsmeisters von 2009 in der Volkswagen Arena war wie beim 3:1 am 15. September 2009 ZSKA Moskau. Und auch die Neuauflage des Duells gewannen die Wölfe. Neuzugang Julian Draxler traf in der 40. Minute zum entscheidenden 1:0-Endstand.

Im Kader von 2015 stehen noch zwei Profis, die schon 2009 dabei waren. Diego Benaglio und Marcel Schäfer, der auf der Bank Platz nehmen musste, konnten ihren Mitspielern von den guten alten Zeiten erzählen. "Ich habe davon geträumt, mit dem VfL Champions League zu spielen", freut sich Daniel Caligiuri. "Es gibt nichts Schöneres, als sich mit den besten Spielern der Welt zu messen." Für Max Kruse, sportlich mit seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach für die Königsklasse qualifiziert, war seine Premiere in der Champions League ein "besonderer Moment. Ich habe einfach versucht, das Spiel zu genießen, auch wenn man während des Spiels natürlich nicht so sehr daran denkt."

Kruse und Draxler - das stimmt

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Der Nationalstürmer musste gegen die vom neuen russischen Nationaltrainer Leonid Slutski trainierten Moskowiter in eine Rolle schlüpfen, die er seit Jahren nicht gespielt hatte. Anders als Spielmacher Kevin De Bruyne, der dem Klub kurz vor Ende der Transferperiode verlassen hat, ist Nachfolger Julian Draxler auch häufig im gegnerischen Strafraum zu finden. Kruse musste den Sechser Luiz Gustavo in der Defensive unterstützen und nach vorn für Gefahr sorgen. Mit Erfolg: Den Treffer von Draxler legte Kruse auf, und auch sonst haben "die Beiden gut harmoniert", hat André Schürrle beobachtet.

"Das habe ich tatsächlich schon mal gespielt. Das ist aber schon ein paar Jahre her", erinnert sich Kruse an seine Zeit bei Werder Bremen II. "Dafür glaube ich, dass ich das heute ganz gut hingekriegt habe." Und das hat er. Gegenüber bundesliga.de lobte Trainer Dieter Hecking "das Langzeitgedächtnis" des 27-Jährigen, "dafür, dass er es solange nicht gespielt hat, hat er seine Sache sehr gut gemacht."

"Ein souveräner Auftritt"

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Es war "ein souveräner Auftritt", analysierte Caligiuri (Foto links). "Wir haben überragende Offensivspieler auf dem Platz, die alle ein Spiel entscheiden können." Natürlich sei "der Druck gegen Moskau groß gewesen, denn wir wussten, dass wir gewinnen müssen. Und so sind wir das Spiel angegangen."

Wichtig sei es, dass "wir auf die Erfahrungen aus der Europa League in der Vorsaison aufbauen können", so der 27-Jährige. Auch Kapitän Benaglio hält seine Mannschaft für reifer als bei der Erstauflage 2009.

"Sind stabiler als 2009"

"Damals sind wir als Überraschungsmannschaft in die Champions League gekommen. Wir sind quasi aus dem Nichts Meister geworden", erinnert sich der Wölfe-Keeper. "Diesmal haben wir uns zweieinhalb Jahre lang entwickelt. Wir sind als Mannschaft stabiler als damals. Das sehe ich als unser großes Plus."

Nächster Gegner ist mit Manchester United auch ein "alter Bekannter". Bei den Engländern setzte es 2009 am zweiten Spieltag eine 1:2-Niederlage. "Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir einen ManU-Sieg gewünscht", kommentierte Hecking die 1:2-Niederlage der Engländer beim PSV Eindhoven.

"Wollen in der Champions League überwintern"

"Viele haben ManUnited als klaren Favoriten in der Gruppe gesehen. Nun haben sie heute einen Dämpfer bekommen. Das macht es für uns natürlich nicht leichter, wenn wir in zwei Wochen in Manchester antreten müssen. Das ist nach der Niederlage für die schon ein kleine Endspiel", zeigt auch Kruse Respekt vor dem kommenden Auswärtsspiel.

2009 beendete der VfL die Gruppenphase als Dritter. Diesmal legt der Verein die Latte höher. "Wir wollen in der Champions League überwintern", gibt Sportdirektor Klaus Allofs als Ziel vor. Den ersten Schritt haben die Wölfe gemacht.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs