Es gibt die Bäckerei der Familie Klinsmann in Stuttgart-Botnang, vor allem aber gibt es viele wunderschöne Erinnerungen. Das Herz von Jürgen Klinsmann wird schneller schlagen, wenn der bekennende Schwabe am Samstag erstmals als Trainer von Rekordmeister Bayern München bei seinem alten Verein VfB Stuttgart in der Heimat auftritt (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

"Natürlich ist das Allerwichtigste, dass Bayern drei Punkte holt, aber für mich ist das ein ganz besonderer Moment. Ich bin da groß geworden, meine Familie lebt noch immer dort", sagt Klinsmann vor seiner emotionalen Rückkehr in die Heimat: "Ich habe wundervolle Zeiten in Stuttgart erlebt."

Zuletzt bei der Weltmeisterschaft 2006, als er nach seinem letzten Spiel als Bundestrainer - dem 3:1 im kleinen Finale gegen Portugal - die ganze Nacht wie ein Held gefeiert wurde.

Mama Klinsmann hat verziehen

So hat ihn nicht nur Mama Martha ("München ist nicht schlecht, weil ich die Enkel da häufiger sehen kann") längst verziehen, dass er ausgerechnet beim ungeliebten Erzrivalen des einheimischen VfB gelandet hat. Schließlich zieht sich die Verbindung zur Metropole am Neckar, in deren Umfeld der talentierte Fußballer groß wurde, wie ein roter Faden durch das Leben von Jürgen Klinsmann.

Als er 14 Jahre alt war, zog die ganze Familie nach Stuttgart, wo Papa Siegfried eine Bäckerei erworben hatte. Dort musste auch der angehende Fußballprofi eine Lehre machen, ehe er 1984 von den Stuttgarter Kickers zum großen VfB wechselte. Am 14. November 1987 schaffte der blonde Stürmer mit einem spektakulären Fallrückzieher den Durchbruch - ausgerechnet im Spiel gegen den FC Bayern.

"Der VfB ist meine Heimat. Und in diesem Stadion habe ich die emotionalsten Spiele meines Lebens erlebt: Das Spiel um Platz 3 bei der WM 2006 und mein Abschiedsspiel 1999", erzählt Klinsmann.

Keine Geschenke zu verteilen

Es sagt einiges über sein inniges Verhältnis zu seiner Heimat aus, dass der Weltmeister von 1990 trotz seiner Verträge bei Inter Mailand, AS Monaco, Tottenham Hotspur, Sampdoria Genua und natürlich Bayern München seine Karriere in Stuttgart beendete.

Trotzdem wird es kein Pardon für seinen ehemaligen Verein geben, wenn der Stuttgarter Klinsmann im Trainerduell auf den Ex-Bayern Markus Babbel trifft. "Wir fahren mit breiter Brust da hin und haben das Ziel, vielleicht doch noch Herbstmeister zu werden", sagt Klinsmann.

Sein Kumpel Babbel, der von 1995 bis 1997 mit ihm gemeinsam bei Bayern spielte und mit dem er 1996 Europameister wurde, will natürlich auch keine Gastgeschenke verteilen: "Das ist kein Duell Babbel gegen Klinsmann. Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis und ich freue mich, dass seine Arbeit fruchtet. Aber am Samstag muss er eine Pause machen."

Bayern ohne Ribery

Nach ihrer Pause wieder dabei sind Bayerns Lucio, Zé Roberto und Lukas Podolski, die am Donnerstag (11. Dezember) bereits wieder am Mannschaftstraining teilgenommen haben. In der Mercedes-Benz Arena werden aber nur die beiden Brasilianer zur Verfügung stehen, Podolski "hat nach den vier Wochen Trainingsrückstand. Er wird nicht mit dabei sein", sagte Klinsmann. Gleiches gilt für Christian Lell, der seine Magen-Darm-Grippe zwar auskuriert hat, aber noch nciht wieder einsatzbereit ist.

Im Abschlusstraining am Freitag ereilte Klinsmann eine Hiobsbotschaft: Der FC Bayern muss auf Franck Ribery verzichten. Den Franzosen plagen starke Schmerzen in der rechten Schulter. Der Mittelfeldspieler hatte sich die Blessur im Champions-League-Spiel bei Olympique Lyon (3:2) zugezogen.

VfB hofft auf Gomez

Bei den Schwaben fehlen mit dem Gelb-gesperrten Arthur Boka und Ludovic Magnin (Muskelfaserriss) gleich beide etatmäßigen Linksverteidiger, was Babbel aber kein Kopfzerbrechen bereitet. "Wir haben mit Christian Träsch und Ricardo Osorio gute Optionen", sagte der VfB-Teamchef.

Mario Gomez könnte beim Südgipfel nach seinem Muskelfaserriss sein Comeback feiern. Es sieht nach einer Punktlandung aus. "Es wäre schön, wenn er wenigstens so fit wäre, dass er auf der Bank sitzen könnte", sagte Babbel, der außerdem die Trainingsleistungen des Langzeitverletzten Yildiray Bastürk als "hervorragend" bezeichnete: "Er hat gute Chance, in den Kader zurückzukehren. Es gibt einen riesigen Konkurrenzkampf, keiner lässt sich hängen."