Mit Trends ist es nicht immer einfach. Oft sind sie vage, spekulativ und unseriös. Das gilt ganz besonders für die Trends im Bereich des Fußballs. Ist das Schlimmste überwunden? Geht es von nun an bergauf? War das die Wende? Im Fußball zeigen Trends meist nach oben oder unten, Hauptsache in eine konstante Richtung. Bei Hannover 96 ist trendtechnisch alles viel komplizierter.

Am vergangenen Wochenende gelang den Niedersachsen mit dem 5:2-Sieg über Freiburg in der AWD-Arena der erste Heimsieg der Saison. Ein durchaus positives Zeichen und ein enormer Schub für das Selbstbewußtsein. Ein Trend - in die eine oder andere Richtung - ist aber längst nicht erkennbar.

Ausgeglichene Bilanz

Nach dem 8. Spieltag sieht die Bilanz der 96er wie folgt aus: zwei Siege, drei Unentscheiden und drei Niederlagen. Hätte Hannover diese Niederlagen hintereinander kassiert, hätte man von einem ziemlichen Abwärtstrend sprechen können. Sie erfolgten jedoch am 1., 5. und 7. Spieltag. Der Trend der Niedersachsen tendiert zur "Trendlosigkeit".

Die beiden Siege wurden am 3. und 8. Spieltag eingefahren. Und irgendwo zwischendrin tauchen dann noch die drei restlichen Remis auf. Fraglich, ob die moderne Mathematik für die Situation der Niedersachsen eine Antwort fände. Die vorhandenen Zahlen ergeben jedoch Tabellenplatz 11 und neun erspielte Punkte.

Erster Heimsieg der Saison gegen den SC Freiburg

Vielleicht helfen die Gegner bei der Entschlüsselung der hannoveranischen Entwicklung: Zwei Siegen gegen den 1. FC Nürnberg und SC Freiburg stehen drei Niederlagen gegen Hertha BSC, 1899 Hoffenheim und den VfL Wolfsburg gegenüber. Wieder kein eindeutiges Bild! Denn die Freiburger reisten nach zwei Siegen in Folge mit breiter Brust in die AWD-Arena, konnten aber nichts gegen die spielstarken 96er holen.

Am 1. Spieltag verloren die Niedersachsen wiederum gegen die "Alte Dame" aus Berlin, die bekanntlich aktuell auf dem letzten Tabellenplatz weilt. Und die Hoffenheimer waren bis dato sieglos, bevor sie in Hannover ihren ersten "Dreier" der Saison holten. Spätestens jetzt würden die meisten Statistiker entnervt aufgeben und dem Team von Andreas Bergmann "kontinuierliche Inkontinuität" attestieren.

Genesene Spieler machen den Unterschied

Aber wie sieht es nach dem ersten Heimsieg der Saison aus? Was ist mit Spielern wie Steven Cherundolo, Sofian Chahed, Arnold Bruggink, Jan Rosenthal und Sergio Pinto, die alle nach überstandenen Verletzungen wieder in den Kader gerückt sind und gespielt haben? Sofian Chahed etwa erzielte in der 7. Minute die Führung für sein Team. Dass der Ball leicht abgefälscht war, wird einen möglichen Trend nicht beeinflussen.

Der genesene Ersatzkapitän Arnold Bruggink machte ein beeindruckendes Spiel und markierte zudem mit einem klasse Drehschuss das 2:0 für Hannover. Dem eingewechselten Sergio Pinto gelang kurz vor Schluss der höchst sehenswerte Treffer zum 5:2-Endstand. Zudem trafen Karim Haggui und Didier Ya Konan. Hannover bot sicheres Kombinationsspiel und eine solide, aber noch ausbaufähige Defensivleistung. Von einem Trend kann aber noch lange nicht die Rede sein.

Nur die Philosophie kann helfen

Am 17. Oktober reisen die "trendlosen" Niedersachen zur Eintracht nach Frankfurt, eine Woche später ist der VfB Stuttgart in der AWD-Arena zu Gast. Vielleicht wird ja dann ein möglicher Trend erkennbar. Bis dahin hilft nur der frei übersetzte, deswegen aber nicht minder weise Ausspruch des griechischen Philosophen Sokrates: "Ich weiß, dass ich nichts weiß!"

Momentan ist nur eines klar: Hannover will sich noch an keinem Trend beteiligen. Aber keinen Trend zu haben, ist irgendwie auch ein Trend.

Barnabas Szöcs