München - Die Saison des SC Freiburg begann mit einer 1:3-Heimniederlage gegen den Aufsteiger FC St. Pauli. Da deutete vieles darauf hin, dass es wieder ein ganz schweres, vom tagtäglichen Überlebenskampf gekennzeichnetes Jahr für die Breisgauer werden würde. Das Gegenteil ist eingetreten.

Der SC Freiburg gehört zu den positiven Überraschungsteams der Bundesliga. Nur fünf Punkte trennen den Underdog von einem Champions League-Platz, satte 13 Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsrang 16. Trotzdem bleibt Sport-Club-Kapitän Heiko Butscher Realist. Für den 30-Jährigen zählt nach wie vor nur der Klassenerhalt, wie er bundesliga.de verriet.

bundesliga.de: Heiko Butscher, der SC Freiburg hat eine hervorragende Hinrunde gespielt, 28 Punkte geholt und überwintert nach dem abschließenden 2:2 in Leverkusen auf Platz 6. Wie zufrieden sind Sie?

Heiko Butscher: Man kann auf das Team nur stolz sein, dass es auch im letzten Spiel noch einmal alles investiert hat und an Leidenschaft und Kampfeswillen alles gebracht hat. Dann kann man auch gegen eine so hochqualifizierte Mannschaft bestehen. Auswärts in Leverkusen einen Punkt zu holen, ist sicher keine Schande, sondern ein großer Erfolg für uns.

bundesliga.de: Wenn Sie sich in einer stillen Stunde einmal die Tabelle anschauen. Worauf achten Sie als Erstes?

Butscher: Ich gucke persönlich immer auf den Punktevorsprung nach unten. Mich interessiert der Tabellenplatz überhaupt nicht. Wir haben 28 Punkte. Das ist für uns sehr, sehr gut. Wir haben überhaupt sehr viele positive Aspekte in der Vorrunde gezeigt. So wollen wir auch in die Rückrunde starten. Wir wollen so schnell wie möglich unser Ziel erreichen. Was danach kommt, darüber können wir uns gerne später noch einmal unterhalten. Aber wenn wir nur ein paar Prozentpunkte nachlassen, wird es auch wieder ganz schwer. Dann kommt vielleicht einmal eine Negativserie. Wir tun gut daran, auch zum Rückrundenstart all das reinzuwerfen, was wir in der Vorrunde gebracht haben. Dann sieht es gut aus.

bundesliga.de: Die Ziele werden also noch nicht nach oben korrigiert?

Butscher: Nein, warum? Wir haben gleich zum Rückrundenstart die beiden Spiele gegen die direkte Konkurrenten St. Pauli und Nürnberg, die man vor der Saison im Abstiegskampf erwartet hat. In den Spielen kann man die Gegner distanzieren oder zumindest auf Distanz halten. Das sind wahnsinnig wichtige Spiele für uns. Gerade auf St. Pauli ist es immer schwer zu spielen. Da müssen wir von Anfang an hellwach sein.

bundesliga.de: Hat der Sport-Club in der Hinrunde das Optimum aus seinen Möglichkeiten gemacht?

Butscher: Ich weiß nicht, was das Optimum ist. 28 Punkte sind sehr gut, die haben wir uns sehr hart erarbeitet. Wir haben uns unglaublich weiterentwickelt. Wir sind unglaublich variabel. Wir sind eine geschlossene Mannschaft und haben Qualität. Das wussten wir und das bringen wir auch auf den Platz.

bundesliga.de: In Leverkusen ist es der Mannschaft auch gelungen, ihren Toptorjäger Papiss Cissé zu ersetzen, der 13 der 25 Freiburger Tore schoss. Das muss auch ein gutes Gefühl sein, zu sehen, dass es auch einmal ohne ihn geht?

Butscher: Das stimmt. Daran sieht man auch, dass die Mannschaft Qualität hat. Jeder kann für den anderen einspringen. Auch ein Oliver Barth ist in der Abwehr ausgefallen, Papiss Cissé hat gefehlt, und wir holen trotzdem in Leverkusen einen Punkt. Das zeugt von einem unglaublichen Willen und, wie gesagt, von Qualität.

bundesliga.de: Lässt sich diese großartige Hinrunde wiederholen?

Butscher: Wir werden es auf jeden Fall versuchen.

bundesliga.de: Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Sport-Club um Platz 5 kämpfen kann?

Butscher: Wie gesagt, wenn wir die 40 Punkte haben und der Klassenerhalt sicher ist, dann können wir uns über alles weitere unterhalten. Vorher nicht.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski