14 Mal hat der BVB in dieser Saison unentschieden gespielt -genau einmal zuviel. Dass nach dem 1:1 in Mönchengladbach der Europacup verpasst wurde, ändert in Dortmund aber nichts an einer positiven Bilanz.

"Wir stehen ja nicht vor einem Scherbenhaufen. Wir können stolz sein auf diese Saison", stellt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke klar.

Fans feiern ihr Team

Dortmund am Tag danach: 80.000 Fans feiern ihren BVB beim Familientag im Westfalenpark, stehen Schlange für ein Autogramm der Profis, skandieren die Namen ihrer Lieblinge. Tolle Stimmung - und auch die Spieler lachen viel und geben sich gelöst.

Keine 18 Stunden zuvor hatte das noch ganz anders ausgesehen. Trauer und Wut, Frust und Enttäuschung über den geplatzten Traum hatten sich da auf dem Rasen des Gladbacher Borussia-Parks ihren Weg gebahnt.

Kehl und Weidenfeller gifteten sich lautstark an und auch in Spielerkreisen begann eine Diskussion über dir richtige Taktik. Mit einem Sieg hätte der BVB aus eigener Kraft Platz 5 und die Europa League sichern können, agierte dafür aber auffällig zurückhaltend.

"Gladbach hat mit Mann und Maus verteidigt"

"Wir haben versucht, nach vorne zu spielen", beteuert Kapitän Sebastian Kehl, "aber Gladbach hat mit Mann und Maus verteidigt und nur auf einen Konter gewartet."

Jürgen Klopp drückt es noch direkter aus: "Wenn wir uns alle vorne rein schmeißen und dann einen Konter bekommen, hätten wir uns fragen lassen müssen, ob wir noch alle Latten auf dem Zaun haben."

Auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke will Vorwürfe nicht gelten lassen: "Wir haben auswärts immer kontrolliert auf Sieg gespielt, nicht im Hurra-Stil."

Watzke "am Boden"

Der BVB-Boss verkörpert auch ganz persönlich, wie nah Niedergeschlagenheit und Stolz in diesen Tagen in Dortmund beieinander liegen. "Ich habe das noch nicht richtig verarbeitet. Ich bin auch am Boden, weil wir es wirklich verdient hätten", gab Watzke zu Wochenbeginn einen Einblick in sein Gefühlsleben.

Gerade der Geschäftsführer weiß, dass auch das Geld aus dem Europapokal dem Verein gut zu Gesicht gestanden hätten. "Für unsere Perspektive wäre es gut gewesen. Wir müssen auch jetzt definitiv keinen Leistungsträger abgeben. Aber wir hätten Spielraum gewonnen, die Mannschaft zu veredeln."

Klopp zieht positive Bilanz

Weil das nun ausbleiben wird, setzt man beim BVB weiter auf den bisherigen Weg, auf die Entwicklung junger, hungriger Spieler, auf Teamgeist - und vertraut ganz der Arbeit des Trainers.

Die hat bereits in den vergangenen zwölf Monaten reichlich Früchte getragen. "Meine eigenen Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Jeder Einzelne kann richtig stolz sein auf diese Saison", meint Jürgen Klopp.

"Wir haben Außergewöhnliches geleistet", lobt auch Sebastian Kehl und hebt einen Aspekt einer erfolgreichen Spielzeit besonders hervor: "Die Mannschaft ist nach dieser Saison einen großen Schritt weiter. Sie ist zusammengewachsen."

Neuer Vereinsrekord

Das drückt sich auch in handfesten Zahlen aus, die dem BVB für diese Spielzeit einige Superlative bescheinigen. Mit sieben Siegen in Serie hat die Borussia bei der Aufholjagd der letzten Wochen - 25 Punkte aus den letzten zehn Spielen - einen neuen Vereinsrekord aufgestellt.

Insgesamt gab es nur fünf Niederlagen - Ligabestwert auch vor dem neuen Deutschen Meister aus Wolfsburg. Aus der "Schießbude der Liga" des Vorjahres mit 62 Gegentreffern formte Klopp mit Youngstern wie Subotic, Santana und Hummels ein Bollwerk - nur 37 Gegentore kassierte die zweitbeste Defensive aller Clubs.

Zudem spielte der BVB gleich 14 Mal zu Null, behielt im heimischen Signal Iduna Park ungeschlagen eine weiße Weste und sammelte am Ende stolze 59 Punkte - das hätte bislang in jeder Bundesliga-Saison für die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb gereicht.

Erzrivalen deutlich distanziert

Dass der BVB dabei auch ambitionierte und zugleich finanzkräftigere Clubs wie Hoffenheim, Leverkusen und Bremen hinter sich gelassen hat, freut auch Hans-Joachim Watzke.

Und im Fall des ungeliebten Erzrivalen aus der Nachbarschaft ganz besonders: "Für Schalke 04 ist es doch eine Demütigung, neun Punkte hinter Borusssia Dortmund zu stehen, obwohl man dort fast einen doppelt so hohen Etat hat."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte