Frankfurt - Am Freitag werden die Spielpläne der Bundesliga und 2. Bundesliga für die Spielzeit 2013/14 vorgestellt. So nüchtern und einfach sich das Zahlenwerk auch liest: Die Erstellung des Spielplans ist ein äußerst komplizierter und arbeitsintensiver Vorgang. DFL-Spielplanleiter Götz Bender hat bundesliga.de einen Einblick in die Entstehung des Spielplans gewährt.

Seit elf Jahren ist Bender für die Saisonplanung zuständig. Als er anfing, wurde der Spielplan noch manuell nach dem sogenannten englischen Schlüssel erstellt. Jedem Club wurde eine Zahl zwischen eins und 18 zugeordnet und in ein vorgegebenes Schema eingepasst. Daraus ergaben sich dann automatisch die Begegnungen. Individuelle Anpassungen außerhalb des Schemas waren nicht möglich.

"Grundsätzlich versuchen wir, allen gerecht zu werden"



"Wir haben schnell gemerkt, dass wir den Ansprüchen der Bundesliga mit diesem Modell nicht gerecht werden", erinnert sich Bender. Um das starre System des englischen Schlüssels aufzubrechen, ließ die DFL eine eigene Software entwickeln, die die Erstellung individueller Spielpläne ermöglicht.

In Bundesliga und 2. Bundesliga sorgt das Programm für harmonische und passende Spielpläne, wobei Bender aufgrund der vielen Wünsche von Kommunen, Polizei, internationalen Fußballverbänden, Clubs und Stadionbetreibern bewusst ist: "Grundsätzlich versuchen wir, allen gerecht zu werden, aber manchmal ist das einfach nicht möglich. Dann müssen wir Prioritäten setzen", erklärt Bender.

Neben naheliegenden Einschränkungen wie der Tatsache, dass benachbarte Clubs versetzt zu ihren Heimspielen antreten sollten, müssen auch staatliche Feiertage, Großevents in Stadien oder die Termine der internationalen Wettbewerbe beachtet werden.

Europa League stellt schwierige Aufgaben - Planungen beginnen im Frühjahr



Gerade die Europa League stellt Bender schwierige Aufgaben. Die UEFA hat den Spieltermin der Europa League auf Donnerstag festgelegt. Um zwei Tage Pause vor der nächsten Partie zu gewährleisten, müssten die deutschen Teilnehmer am kommenden Bundesliga-Spieltag sonntags spielen. Allerdings lässt der Spielplan nur zwei Sonntagsspiele pro Spieltag zu, was bei bis zu vier deutschen Vertretern in der Gruppenphase nicht ausreichen könnte. Nur der SC Freiburg ist sicher in der Europa League. Stuttgart, Frankfurt und Schalke sind die weiteren potenziellen Kandidaten. "Mit diesen vier möglichen Teilnehmern planen wir. Wenn möglich, lassen wir die Clubs nach einem internationalen Spieltag gegeneinander spielen, um Terminproblemen vorzubeugen", erläutert Bender die Vorgehensweise.

Ohne den Computer ließen sich die zahlreichen Variablen gar nicht bewältigen. Doch ein Selbstläufer ist die Spielplanerstellung deshalb noch lange nicht. "Ein Auto kann auch sehr viel, aber es braucht trotzdem einen Fahrer", beschreibt Bender. Immer wieder dreht er an den feinen Stellschrauben der Software, setzt die Gewichtung ein wenig anders, um ein noch besseres Ergebnis zu erhalten.

Hunderte von Spielplänen werden geprüft und verworfen, bis am Ende der beste herauskommt. Zunächst wird für jeden Club ein Muster an Heim- und Auswärtsspielen bestimmt, bevor die eigentlichen Begegnungen zugeteilt werden. Seit dem Frühjahr laufen die Planungen für die kommende Saison, doch erst wenn die Auf- und Absteiger feststehen beginnt für Bender und seine Kollegen die heiße Phase.

"Wir versuchen, die Freitags-, Samstags-, Sonntags- und Montagstermine gleichmäßig zu verteilen"



Die Arbeit ist nach der Bekanntgabe des Spielplans am Freitag noch lange nicht zu Ende. Der Spielplan liefert die Rahmendaten, aber für jeden Spieltag müssen die Anstoßzeiten individuell festgelegt werden. Auch hier versuchen die Beteiligten, möglichst allen Wünschen gerecht zu werden. Eine Vorgabe gibt es nur beim Bundesliga-Topspiel am Samstag um 18:30 Uhr. Jeder Club darf jeweils nur drei Heim- und drei Auswärtsspiele zu dieser Anstoßzeit absolvieren.

"Wir versuchen, die Freitags-, Samstags-, Sonntags- und Montagstermine gleichmäßig zu verteilen. Wir kennen die Wünsche unserer Partner, aber die Hoheit über den Spielplan hat die DFL", führt Bender aus. Auch die Reisedauer der Auswärtsfans wird, wenn möglich, berücksichtigt: "Natürlich versuchen wir, dass die Anhänger sonntags nicht zu weite Strecken zurücklegen müssen. Manchmal lässt sich das aber aufgrund der Komplexität des Gesamtplans nicht vermeiden", so Bender.

Die internationalen Wettbewerbe sind der Hauptgrund, warum die termingenauen Ansetzungen erst im Laufe der Saison festgelegt werden. Erst wenn klar ist, wer wann auf internationalem Parkett spielt, ist die Terminierung eines Bundesliga-Spieltags sinnvoll. "Wir versuchen, einen Spieltag immer spätestens vier Wochen vorher anzusetzen. In der Regel gelingt uns das auch", erklärt Bender.

Gerade, wenn Europa League und Champions League im Frühjahr in die K.O.-Phase gehen, ist eine langfristige Planung kaum mehr möglich. Und wie wird er, der neue Spielplan? "Eines kann ich auf jeden Fall versprechen: Wir werden wieder eine tolle Saison mit 612 richtig geilen Spielen erleben", sagt Bender. Die Zusammenarbeit von Mensch und Computer macht es möglich.

Florian Reinecke

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