Wenn Jan Schlaudraff über das Spielfeld saust und Mikael Forssell eiskalt einnetzt, weht in diesen Tagen unabhängig von der Wetterlage eine frische Brise über die Trainingsanlage von Hannover 96.

Dank der beiden Zugänge herrscht rund einen Monat vor Beginn der neuen Saison Aufbruchstimmung an der Leine. Die graue Maus soll zum roten Riesen werden.

Qualität für zwei

"Ich könnte aus dem Kader zwei gute Bundesligamannschaften bilden. Der Konkurrenzkampf ist so groß wie nie. Das ist sicher eine neue Qualität in Hannover", sagt 96-Trainer Dieter Hecking. Das ist auch den Fans nicht verborgen geblieben.

16.500 Dauerkarten wurden bereits jetzt verkauft. In der gesamten vergangenen Saison waren es nur 2.000 mehr. Selbst beim täglichen Training schauen täglich bis zu 500 Anhänger zu.

Angriff!

Rund 30 Kilometer entfernt, verfolgt auch Martin Kind die Entwicklung mit Wohlwollen. Im Büro seines Hörgeräte-Unternehmens tüftelt der Clubchef seit Jahren daran, 96 zu einer "nationalen und internationalen Marke" zu machen.

Der Weg scheint bereitet. "Wir wollen uns mittelfristig im oberen Drittel der Bundesliga etablieren und irgendwann auch mal international spielen", lautet das Credo des 64-Jährigen. Der Angriff auch die UEFA-Cup-Ränge scheint nun eröffnet.

Aufputschmittel gefunden

Schon in der vergangenen Saison wurde die Mannschaft durch die Verpflichtungen von Mike Hanke, Christian Schulz und Valerien Ismael entscheidend verstärkt. Mit dem von Bayern München gekommenen Schlaudraff, dem finnischen Nationalspieler Forssell und dem vom Karlsruher SC verpflichteten Abwehrspieler Mario Eggimann soll nun der nächste Schritt erfolgen. Vom Abstiegskampf, der das Dasein bei den Niedersachsen seit dem Aufstieg 2002 immer mal wieder bestimmte, ist längst keine Rede mehr.

Sportdirektor Christian Hochstätter bezeichnete seinen Club bereits in der vergangenen Saison als "schlafenden Riesen, der erst ein Auge geöffnet hat". Nun könnte das fehlende Aufputschmittel gefunden sein.

Forssell schlägt ein

Forssell, der ablösefrei von Birmingham City aus der englischen Premier League verpflichtet worden war, traf gleich im ersten Testspieleinsatz zehnmal ins Schwarze und bewies, dass er seit seinem ersten Bundesliga-Intermezzo vor rund fünf Jahren bei Borussia Mönchengladbach (sieben Tore in 16 Spielen) nichts verlernt hat. Auch ein Knorpelschaden im linken Knie scheint den finnischen Nationalstürmer nicht zu behindern.

Schlaudraff, der vor einem Jahr von der halben Bundesliga umworben worden war und nach seinem Wechsel nach München beim deutschen Rekordmeister auf der Bank versauerte, steht im Hannover nun wieder für Tempofußball und Spielkultur.

Aushängeschilder für 96

"Der FC Bayern war auf Dauer keine Lösung. In Hannover kann ich mich weiterentwickeln. Es ist ein Schritt nach vorne", sagt der 24-Jährige, der mit 96-Trainer Hecking bereits bei Alemannia Aachen zusammenarbeitete.

"Wenn sie weiter Gas geben, werden wir an beiden viel Spaß haben", verspricht Hecking. Forssell lässt daran keine Zweifel aufkommen: "Mit Hannover 96 kann ich mit absolut identifizieren. Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung." Die "Marke 96" scheint zwei Aushängeschilder gefunden zu haben.