München - Andre Schürrle hat einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Zusammen mit der Mainzer "Boygroup" mischt er die Liga auf und hat es innerhalb kurzer Zeit sogar bis zum Nationalspieler gebracht. bundesliga.de hat nachgeforscht und präsentiert zehn interessante Fakten zum Mainzer Senkrechstarter.

Titel in jungen Jahren

In seiner Jugend spielte Schürrle in seiner Geburtstadt beim Ludwigshafener SC. 2006 wurde Mainz 05 auf den Angreifer aufmerksam und verpflichtete Schürrle für seine Juniorenteams. Mit Erfolg: 2009 holte sich Schürrle mit den Rheinhessen den Titel des deutschen A-Jugendmeisters. Im selben Jahr kam der junge Stürmer sogar zu noch einer besonderen Ehrung, als ihm die Fritz-Walter-Medaille in Bronze für den drittbesten Nachwuchsspieler seines Jahrgangs (damals U19) verliehen wurde.

Durchbruch in Mainz

In Mainz sicherte er sich gleich den nächsten Titel. Im September 2009 erzielte der damals 18-Jährige seine ersten beiden Bundesligatore gegen den VfL Bochum und durfte sich fortan jüngster Torschütze der Mainzer Bundesligageschichte nennen. Seitdem trug er das Trikot der 05er in der Liga insgesamt 49 Mal, erzielte 14 Tore selbst und bereitete sechs weitere Treffer vor. Sein erstes Spiel bestritt er übrigens gegen Bayer Leverkusen…

Nächste Station

…wohin es ihn nach dieser Saison zieht. Der "Werksclub" stattete den 1,84 Meter großen Angreifer mit einem Kontrakt bis 2016 aus. "Schürrle ist eines der herausragenden Stürmertalente der Bundesliga", freut sich Bayer-Coach Jupp Heynckes auf den Senkrechtstarter. Auch Schürrle sieht der Herausforderung optimistisch entgegen: "Die Konkurrenz ist groß, aber ich sehe das gelassen. Ich weiß, dass ich mich in allen Bereichen verbessern muss."

Ein unvergesslicher Kinoabend

15 Spiele absolvierte Schürrle für deutsche U-Nationalmannschaften. 2010 gelang ihm dann sogar der Sprung auf die große Bühne. Der Anruf von Bundestrainer Joachim Löw erreichte Schürrle im Kino. Nach dem Gespräch zitterten Schürrle die Knie, sagte der heute 20-Jährige: "Meine Freundin musste fahren, ich war zu nervös". Beim Testspiel der Löw-Elf gegen Schweden (0:0) wurde er eingewechselt und zählt nun zum elitären Kreis deutscher Nationalspieler.

Im Rausch des Höhenflugs

Bundesligaspieler, Torschütze, Nationalspieler, Shootingstar. Während der Mainzer Erfolgswochen zu Beginn der Saison, als das Team den Bundesliga-Startrekord einstellte, war Schürrle in aller Munde. Doch der Youngster fand sich oft auf der Ersatzbank wieder: "Ich habe in dieser Phase einiges falsch gemacht. Ich wollte plötzlich der entscheidende Mann sein, die Tore machen, die Spiele entscheiden", gab Schürrle zu. "Vorher war es so, dass ich überall rumgerannt bin, jeden Zweikampf gewinnen wollte, jeden Ball erobern. Und eben so wollte mich der Trainer wieder haben."

Auf dem Boden der Tatsachen

Der Mainzer Trainer Tuchel holte den Himmelsstürmer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen, brachte ihn nur noch als Joker und führte viele klärende Gespräche. "Das hat mir geholfen, wieder klar zu werden im Kopf. Ich denke, ich werde künftig eher erkennen, was schief läuft," sagte der Offensivspieler. Prompt stand er gegen Ende der Hinserie wieder von Beginn an auf dem Platz und schoss sein Team mit zwei Treffern auf St. Pauli zum Sieg.

Schürrle rocks!

Fast noch bekannter als Schürrles Tore sind die Torjubel des Sturmjuwels. Gemeinsam mit den "Bandkollegen" der "Bruchweg-Boys", Adam Szalai und Lewis Holtby, wurde er zum Sinnbild des Mainzer Höhenflugs. Die Choreographie sieht er mittlerweile ebenfalls etwas kritischer. "Ich kann schon verstehen, dass wir einige genervt haben. Ist ja ganz normal. Wir wissen auch, dass es anders ankommen kann." Ob noch weitere "Bandproben" an der Eckfahne folgen werden, wird die Rückrunde zeigen…

Zwei Kracher und eine Gurke

Schürrle ist bereit, bei Mainz Verantwortung zu übernehmen, und nicht mehr "nur" als Team-DJ. Eigentlich war er nicht als Elfmeterschütze vorgesehen, schnappte sich aber beim Sieg gegen 1899 Hoffenheim die Kugel. "Ich stand gerade da und dachte, ich haue ihn rein." Schürrle verwandelte - auch gegen Frankfurt zeigte der Youngster keine Nerven. Weniger Glück hatte er dagegen gegen Deutschlands besten Torhüter - im Duell mit Schalkes Manuel Neuer scheiterte er. 05-Präsident Harald Strutz hatte nach der Partie einen Tipp für zukünftige Elfer parat: "Da muss er einfach sagen, ich hau' die Gurke drauf, und entweder er ist drin oder nicht."

Dream Team

Schürrles bester Kumpel in Mainz ist Nationalmannschaftskollege Lewis Holtby. Nicht nur außerhalb des Platzes, sondern auch auf dem Rasen kommen die beiden Shootingstars bestens miteinander klar. "Wir verstehen uns prächtig. Es macht Riesenfreude, mit Lewis auf dem Platz zu stehen", sagte Schürrle über Holtby, der das Kompliment zurückgibt: "Andre ist ein Topspieler. Er läuft und ackert viel für die Mannschaft. Es macht einfach Spaß, mit ihm zu spielen." Die beiden Blondschöpfe debütierten auch im gleichen Spiel in der Nationalelf.

Ein besonderes Spiel

Sein bevorstehender Rekordtransfer zur "Werkself" aus Leverkusen war kaum bekannt geworden, schon musste er sich mit seinen zukünftigen Kollegen auf dem Rasen messen. Trotz der ansonsten so offenen Medienpolitik der Mainzer wurde Schürrle zu diesem Thema ein Maulkorb verpasst. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich in einer Zwickmühle befindet", meinte Trainer Tuchel dennoch vor der Partie. Schürrle werde das "Topspiel als Bewerbung" begreifen. Der Stürmer musste also schweigen - und kam wieder nur als Joker zum Zug. Mit seiner Vorlage zum goldenen Treffer des ebenfalls eingewechselten Andreas Ivanschitz lieferte er dann die beste Antwort auf dem Platz.


Christoph Gschoßmann