Köln - Held oder Depp - der Grat, auf dem sich Torhüter bewegen, ist oft schmal. Mit einer gelungenen Aktion, zum Beispiel einer Parade oder einem gehaltenen Elfmeter, kann ein Keeper zum Match-Winner werden. Greift er jedoch daneben oder verschätzt er sich beim herauslaufen, wird die Niederlage sehr häufig nur an ihm festgemacht.

In der vergangenen Saison gab es an den 34 Spieltagen wieder zahlreiche Glanzparaden der Bundesliga-Torhüter, die ihren Clubs somit oft wichtige Punkte gesichert haben. bundesliga.de hat tief in der Datenbank gestöbert und präsentiert die besten Schlussmänner der Spielzeit 2010/11.

Nummer 1 für Weidenfeller

So wie die Mannschaft von Borussia Dortmund fast über das gesamte vergangene Fußballjahr hinweg in der Liga den Ton angegeben hat, so hat auch Roman Weidenfeller die Liste der Torhüter angeführt. Der BVB-Keeper musste im Schnitt nur alle 141 Minuten hinter sich greifen. In 33 Partien kassierte er nur 21 Gegentreffer und spielte ganze 14 Mal zu Null.

Was die Anzahl abgewehrter Schüsse angeht, liegt seine Quote bei 77 Prozent, was sehr gut, allerdings nicht der absolute Top-Wert der Bundesliga ist, sondern "nur" zum 2. Rang genügt.

Hannovers Nachwuchsmann

Das Maß der Dinge in dieser Statistik war Hannovers Ron-Robert Zieler. Der 22-Jährige, der seit Beginn der Rückrunde die Nummer 1 bei den 96ern war, kassierte in seinen 15 Einsätzen nur elf Gegentore und wehrte starke 80 Prozent der Torschüsse, die auf seinen Kasten kamen, ab - jeweils Bestwert 2011!

Somit verwundert es auch nicht, dass er in Sachen Gegentore pro Minute hinter Weidenfeller den 2. Platz belegt. Im Schnitt kassierte der bei Manchester United ausgebildete Zieler alle 119 Spielminuten einen Gegentreffer.

Wetklo, Butt und Adler

An dritter Position rangiert Mainz' Christian Wetklo, der in immerhin 24 Einsätzen nur 20 Mal überwunden wurde und somit einen Schnitt von 105 Minuten pro Gegentor aufweist.

Auch vom Elfmeterpunkt aus war schwer an dem 31-Jährigen vorbeizukommen. Vier Mal wurde er geprüft, zwei Mal blieb er Sieger im Duell mit dem gegnerischen Schützen. Damit ist die Nummer 29 der Rhein-Hessen - neben Thomas Kraft, Manuel Neuer und Ralf Fährmann - einer von nur vier Keepern, die in der vergangenen Saison zwei Strafstöße abgewehrt haben.

Den viertbesten Gegentor-Schnitt wies übrigens Jörg Butt auf, der in der Hinrunde alle 78 Minuten hinter sich greifen musste. Damit ist die Bilanz des Bayern-Keepers noch einen Tick besser als die von Leverkusens Rene Adler, der mit 70 Minuten auf Rang 5 liegt.

Neuer statistisch knapp dahinter

Manuel Neuer, der von Medien und Experten als einer der weltbesten Torhüter überhaupt gilt, liegt mit seinem Nationalmannschaftskollegen Adler übrigens fast gleichauf. Der Schalker musste den Ball insgesamt 44 Mal aus den eigenen Maschen holen, was somit nur zu einem Schnitt von 69,55 Minuten reichte.

Auch was die abgewehrten Schüsse angeht, reichte es für den Neu-Bayern ganz knapp nicht zu den Top 5. Zu Freiburgs Oliver Baumann, der mit 74 Prozent gehaltener Bälle Platz 5 belegt, fehlten Neuer jedoch nur 1,85 Prozent-Punkte. Dennoch schaffte Schalkes Eigengewächs es, die zweitmeisten Zu-Null-Spiele zu erreichen (elf).

Kampf-Ansage aus Italien

Top war der 25-Jährige in der Kategorie abgefangene Flanken. In 81 Situationen verließ er seine Linie und pflückte das Leder aus der Luft, ehe ein Gegner es erreichen konnte. Wie groß sein Vorsprung in dieser Wertung ist, verdeutlichen die 60 abgefangenen Bälle des zweitplatzierten Sven Ulreich vom VfB Stuttgart.

Dass er nur in einigen, nicht aber in allen Kategorien unter den Besten der Besten auftaucht, scheint Neuer zu wurmen. "Ich will mich in allen Bereichen verbessern. Ich will so wenig Fehler wie möglich machen, will perfekt sein", kündigte er im italienischen Riva del Garda an, das Torwart-Ranking in der nächsten Spielzeit verändern zu wollen.

Gregor Nentwig