Hamburg - Es ist schon fast ein gewohntes Bild. Bruno Labbadia dreht nach Toren des Hamburger SV eine kurze Jubelrunde über den Platz und ballt die Fäuste. Wie sehr sich Labbadia mit dem HSV identifiziert, ist unübersehbar.

Nach sechs Spielen unter seiner Regie hat er den Bundesliga-Dino zunächst einmal in die Relegation gerettet. Seine Verpflichtung war vielleicht der wichtigste Baustein im Kampf um den Ligaerhalt.

Der Trainer fordert Zusammenhalt

"Da gehen wir jetzt zusammen durch. Wir haben zwei Endspiele, um auch in der kommenden Saison in der Bundesliga an den Start gehen zu können. Lasst uns das alle als Chance begreifen", erklärte Labbadia am Samstagabend im Interview mit HSV.de. Jetzt wartet also erneut die Relegation. Zwei Spiele in denen es für die Rothosen wieder um Alles oder Nichts geht. "Das war schon vor dem Fernseher in der letzten Saison nervenaufreibend. Aber das Wissen, es schon einmal geschafft zu haben, sollte uns die nötige Kraft und das Selbstvertrauen geben", so Labbadia.

Rückblende: Als Labbadia Mitte April zum zweiten Mal in seiner Karriere das Traineramt beim HSV übernimmt, sind die Rothosen Tabellenletzter. Es steht das Nordderby beim SV Werder Bremen an, was kurz vor Schluss durch einen Foulelfmeter mit 0:1 verloren geht. Die Hamburger bleiben Tabellenschlusslicht, doch Labbadia schafft es mit seiner Akribie und seiner vorgelebten Leidenschaft für seinen Beruf, das Team in die richtige Richtung mitzuziehen. "Man merkt ihm an, dass es für ihn der schönste Job der Welt ist. Nach anstrengenden Trainingseinheiten macht er noch die Übungen selbst mit und da kann man als Spieler gar nicht anders als noch einmal auf die Zähne zu beißen", erklärte Torwart Rene Adler vor dem Stuttgart-Spiel.

Labbadia vertraut auf "Aussortierte"

Labbadia schreckte in den letzten Wochen auch nicht vor unbequemen Entscheidungen zurück. Der formschwache Valon Behrami spielte unter dem 49-Jährigen keine Rolle mehr. Labbadia setzte auf der Sechser-Position auf den zuvor aussortierten Gojko Kacar. Und der Serbe dankte es ihm mit drei wichtigen Toren am Saisonende. Auch Ivo Ilicevic, unter Ex-Trainer Joe Zinnbauer ohne Perspektive, spielte unter Labbadia eine feste Rolle.

Enorm wichtig für den HSV war dann der Heimsieg gegen den FC Augsburg. Die Hamburger lagen schnell mit 2:0 in Führung, ehe Augsburg ausgleichen konnte und Pierre-Michel Lasogga postwendend mit einem Hammertor den Sieg herausschoss. Auch eine Woche später in Mainz gewannen die Hamburger. Der Klassenerhalt schien in Reichweite. Es war alles vorbereitet für den entscheidenden Schritt, doch das Heimspiel gegen den SC Freiburg endete fast im Fiasko. Gojko Kacar verhinderte aber mit seinem Ausgleich in letzter Minute die Heimniederlage.

Nach Niederlage in Stuttgart: Trainingslager in Malente
Labbadia und sein Co-Trainer Eddy Sözer blieben ruhig und stärkten ihrem Team den Rücken. Vor allem auch nach dem desaströsen 1:2 in Stuttgart, das den HSV vor dem letzten Spieltag auf einen direkten Abstiegsplatz katapultierte. Unter der Woche entschied sich der HSV, noch einmal ein Kurztrainingslager in Malente zu absolvieren. In der ostholsteinischen Idylle wollten die Hanseaten noch einmal alle Kräfte bündeln und "die fehlenden 4,5 Prozentpunkte aus der Mannschaft herauskitzeln", so Labbadia.

"Der HSV kann unheimliche Kraft entwickeln"

In Malente schaffte es der Trainer noch einmal in vielen Gesprächen und mit seinem gelebten Selbstvertrauen eine enge Geschlossenheit innerhalb des Teams herzustellen. Nach dem Motto "Einer für alle, alle für einen" bündelte Labbadia in der Mannschaft die letzten Kräfte.

Mit eindrucksvoller Fanunterstützung machte der HSV dann am Samstag gegen den FC Schalke seine Hausaufgaben. Das Führungstor durch Routinier Ivica Olic ließ nicht nur die Fans aufatmen auch auf der HSV-Bank sah man förmlich die vielen Steine plumpsen. Jetzt also Relegation. "Der Sieg gibt uns noch einmal richtig Kraft. Wir müssen jetzt noch einmal alles mobilisieren und unseren Fokus auf diese beiden Spiele richten. Vor Wochen hat keiner mehr einen Cent auf uns gegeben. Jetzt gehen wir mit festen Glauben an den Klassenverbleib in die Relegation", so Labbadia überzeugt. Sportchef Peter Knäbel lobte das Trainergespann in höchsten Tönen: "Bruno und Eddy haben sich trotz der Widrigkeiten in den letzten Wochen nicht ablenken lassen. Sie waren total fokussiert."

Der gebürtige Darmstädter Labbadia befindet sich seit seinem Amtsantritt beim HSV im Tunnel, wie er schon oft betonte. Eine weitere Woche tickt die Stadionuhr auf jeden Fall noch weiter. In den Relegationsspielen freut sich Labbadia auch wieder auf die tolle Unterstützung der Fans: "Der Support war zuletzt unglaublich. Obwohl wir nicht in der Position waren, diese Unterstützung einzufordern. Aber sie hat der Mannschaft unheimlich geholfen. Der HSV ist in der Lage eine unheimliche Kraft zu entwickeln. Jetzt stehen wir wieder vor den entscheidenden Momenten."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage