Mainz - Nach dem Abpfiff bot sich den neutralen Beobachtern ein grotesker Anblick: Der rot-weiß gekleidete Teil des Publikums jubelte - aber die Gästekurve war mindestens genauso guter Laune wie die Mainzer Fans, die immerhin das Erreichen eines Europaleague-Platzes besangen.

Doch der Freudentaumel in der HSV-Kurve wirkte nur auf den ersten Blick skurril. Schließlich hat der Hamburger Traditionsverein trotz der 2:3-Niederlage in Mainz die Gewissheit, dass er zumindest noch zwei Relegations-Spiele hat, um den Abstieg in die Zweite Liga doch noch abzuwenden - und das trotz einer Bilanz von zuletzt fünf Niederlagen in Serie. Dass mehr als Rang 16 nicht drin sein würde, stand schon vor der Partie fest.

Es hatte also schon seine Berechtigung, wenn 05-Stadionsprecher Klaus Hafner den Hamburgern "ganz herzlich zum Erreichen des Relegationsranges" gratulierte. "Jetzt haben wir die beiden Endspiele, auf die wir so lange hingearbeitet haben", freute sich dann auch Rafael van der Vaart. Und Heiko Westermann ergänzte: "Wir haben heute gut gespielt, nur wieder unsere Chancen nicht genutzt. Zur Pause hätte es auch 4:1 stehen können."

Vom ersten Moment an wach

Tatsächlich wirkte der HSV  von Beginn an entschlossen, couragiert und konzentriert und glich die Mainzer Führung prompt durch Pierre-Michel Lasogga aus (12.). Es war der 13. Saisontreffer des Mannes, der in Hamburg so lange schmerzlich vermisst worden war. "Er hat natürlich eine große Qualität vor dem Tor", freute sich Coach Mirko Slomka, der seinen Torjäger nach 67 Minuten auswechselte, um ihn für die beiden Spiele kommende Woche zu schonen.

Überhaupt trifft es sich gut, dass sich beim HSV in den vergangenen Tagen und Wochen die Personalsituation merklich entspannt hat - rechtzeitig zum Saisonfinish und den beiden Spielen am Donnerstag und am Sonntag, die die Hanseaten entweder auf den SC Paderborn oder auf Greuther Fürth treffen lässt - Außenseiterchancen auf Platz drei hat allerdings auch noch der 1. FC Kaiserslautern.

"Das große Ziel vor Augen"

"Wir haben das große Ziel immer noch vor Augen und haben jetzt noch in zwei Spielen die Chance auf den Klassenerhalt", freute sich Trainer Slomka, der eine zweigeteilte Pressekonferenz eröffnete - der Hamburger Coach wollte sich durch die Festivitäten in Rheinhessen nicht davon abbringen lassen, frühzeitig wieder in Hamburg zu sein. Schließlich zählt nun auch jede Stunde der Regeneration. Slomka selbst steht eine arbeitsreiche Zeit bevor. Er beobachtet den SC Paderborn bei seinem Heimspiel gegen den VfR Aalen. "Mein Assistent ist dann zeitgleich in Fürth. Wir haben alle möglichen Gegner mehrfach analysiert."

Beim HSV wollen sie nichts mehr dem Zufall überlassen. "In zwei Spielen kann der unterklassige Gegner den höherklassigen sehr ärgern", weiß Sportchef Oliver Kreuzer. "Als Erstligaverein sind wir Favorit, aber der Kopf entscheidet."

Aus Mainz berichtet Christoph Ruf