Der VfB Stuttgart hat einen Nachfolger für Abwehchef Fernando Meira gefunden.

Khalid Boulahrouz hat bei den Schwaben einen Vertrag bis 2012 unterschrieben. Der Innenverteidiger, der von 2004 bis 2006 für den Hamburger SV in der Bundesliga spielte (52 Einsätze/ein Tor), kommt vom FC Chelsea.

Nach überstandenem Medizincheck im VfB-Trainingslager in Going gesellte sich der EURO-Teilnehmer der Niederlande zur Mannschaft. Im Team von Trainer Armin Veh soll Boulahrouz künftig Meira ersetzen. Der Portugiese wurde vom Verein am Wochenende freigestellt und steht kurz vor einem Wechsel zu Galatasaray.

Meira will "etwas Neues machen"

"Fernando hat sich dazu entschieden, etwas Neues zu machen. Für uns ist seine Entscheidung, den VfB verlassen zu wollen, nicht einfach", sagte Horst Heldt. Der VfB-Manager handelte allerdings schnell und präsentierte wenig später den Nachfolger. Wer ist dieser Boulahrouz? Was zeichnet ihn aus? Woher kommt der Spitzname "Kannibale"? bundesliga.de hat Wissenswertes über den Neuzugang des VfB zusammengestellt.

Berber

Khalid Boulahrouz kam am 28. Dezember 1981 im niederländischen Maassluis zur Welt. Die Provinz in Südholland hat 33.000 Einwohner. Dort wuchs er auf und ging zur Schule. Die Familie von Boulahrouz stammt allerdings aus Marokko und gehört dem Volksstamm der Berber an. Rund 80 Prozent der marokkanischen Bevölkerung sind Berber - einige von ihnen leben im Ausland. Der 26-Jährige gehört dazu. Boulahrouz hat acht Geschwister. Sein Vater starb, als Khalid 16 Jahre alt war.

Mentalität

Der Tod seines Vaters prägte Boulahrouz. Er übernahm die Verantwortung für seine Geschwister, aber schaffte es dennoch, beim Fußball zu bleiben. Der harte Schicksalsschlag lehrte Boulahrouz mit Rückschlägen umzugehen: "Mir ist egal, was andere sagen, ich will der Sieger sein, egal was es kostet. Und ich will immer alles gut machen", sagt er. Großen Respekt verdiente er sich so bei der EURO 2008, als er im Viertelfinale gegen Russland auflief, obwohl seine neugeborene Tochter kurz zuvor verstorben war.

Martin Jol

Boulahrouz hatte eine äußerst ereignisreiche Vergangenheit in den Niederlanden, was seine Stationen angeht. Er spielte für Excelsior Maassluis, DSOV, Ajax Amsterdam, HFC Haarlem und bei AZ Alkmaar. Den Durchbruch schaffte er aber bei RKC Waalwijk, weil der Verteidiger dort auf einen Trainer traf, der ihm vertraute. Dieser Coach ist kein Unbekannter und auf diesen wird Boulahrouz am 10. Spieltag treffen: Martin Jol, der neue Trainer des Hamburger SV. Für Boulahrouz wird es gleichzeitig ein Treffen mit alten Bekannten.

Ajax Amsterdam

Ein Jahr gehörte Boulahrouz als 13-Jähriger der renommierten Ajax-Amsterdam-Fußballschule an. "Aber meine Leistungen waren zu wechselhaft, deshalb ging ich wieder." Den Kopf ließ das damalige Defensivtalent dennoch nicht hängen und verinnerlichte das Denken von Tag zu Tag: "Das ist meine Lebensphilosophie. Ich habe schon zu viele Menschen gesehen, die sich beim ersten Schritt vorwärts die nächsten zehn Schritte ausgemalt haben und dann doch auf der ersten Treppe hängen geblieben sind", so Boulahrouz.

Jaap Stam

Bei seiner Vorstellung beim Hamburger SV antwortete Bouhlarouz auf die Frage, mit wem er sich von der Spielweise vergleiche, mit "Lucio von Bayern München". Sein eigentliches Vorbild ist aber Jaap Stam. Der niederländische Verteidiger, der in seiner Karriere schon für Manchester United, Lazio Rom und dem AC Mailand spielte und 2007 seine Karriere beendete, hält ebenfalls große Stücke auf Boulahrouz. In den frühen Jahren der Karriere von Boulahrouz sagte Stam: "Er kann mein Nachfolger werden."

"Kannibale"

Zugegeben: Khalid Boulahrouz ist kein einfacher Typ. Dennoch ist der Niederländer ein Spieler, den jeder Trainer in seinem Kader haben will. Er investiert immer vollen Einsatz - und das verlangt er auch von allen: "Ich hasse es, wenn meine Mitspieler nicht ausreichend aggressiv sind. Du musst immer 100 Prozent geben, ansonsten verlierst du." Und liebevoll lächelnd fügt er hinzu: "Deshalb stelle ich mir vor jedem Spiel einfach vor, ich müsste meine Gegenspieler auffressen." Jetzt weiß auch jeder, woher der Spitzname "Kannibale" kommt.

EURO 2008

Khalid Boulahrouz ging vor der EURO 2008 durch ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst kam er als letzter Spieler in den provisorischen Kader der Niederlande, dann wurde er als letzter Akteur wieder gestrichen. Nach der Verletzung von Ryan Babel wurde er nachnominiert. Der hoch gewachsene Innenverteidiger verpasste den Großteil der Saison 2007/08 aufgrund einer Leistenverletzung und wurde dennoch ins Team berufen. Er zahlte das Vertrauen des damaligen Trainers Marco van Basten mit starken Leistungen zurück.