Köln - Der 1. FC Köln kann doch noch gewinnen. Dank eines letztlich verdienten 3:0-Sieges gegen den TSV München 1860 zogen die "Domstädter" ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein. Jetzt muss der Traditionsverein am kommenden Samstag gegen den Hamburger SV auch in der Bundesliga nachlegen.

Das Werk war gerade vollbracht, da entrollten die treuen Fans in der Südkurve ein gut 40 Meter langes Transparent. Die Botschaft an den Vorstand des 1. FC Köln lautete: "Geduld haben, Wort halten, der Geißbock braucht einen guten Schaefer."

Das nette Wortspiel hat einen durchaus tieferen Hintergrund. Denn der Schäfer der "Geißbock"-Herde, also der aktuelle Trainer des FC, heißt Frank Schaefer. Bei den Fans erfreut sich der langjährige Jugendtrainer der Rheinländer bereits großer Beliebtheit. Ob er seinen Job jedoch auch über das richtungweisende Bundesliga-Spiel gegen den HSV hinaus behalten kann, steht noch in den Sternen. Sein Bewerbungsschreiben jedenfalls liest sich außerordentlich gut. Unaufgeregt, loyal und souverän absolvierte der am Tag des Pokalspiels 47 Jahre alt gewordene Coach die Medienarbeit nach dem so wichtigen Erfolgserlebnis für die zuvor in sechs Partien sieglos gebliebenen Kölner.

Der FC-Trainer stellt um - und lobt Michael Meier

"Der Sieg freut mich ganz besonders für Michael Meier", betonte Frank Schaefer nach dem Spiel und brach eine Lanze für den zuletzt arg gescholtenen FC-Manager. "Er war in den letzten Tagen permanent an unserer Seite. Er hat auch richtig gute Arbeit geleistet. Das habe ich ihm auch direkt nach dem Spiel gesagt."

Schaefer hatte personell einige Änderungen vorgenommen und auch das System mit Milivoje Novakovic in vorderster Front und Lukas Podolski dahinter als hängender Spitze umgestellt. Die Maßnahmen fruchteten, obwohl sich dies erst im letzten Drittel des Spiels in Toren ausdrückte.

Schaefer: Der Druck war zu merken

"Man hat gemerkt, dass ein großer Druck auf der Mannschaft lag", meinte Schaefer. "Das hat sich auch bemerkbar gemacht im Spiel. Aber wir haben uns dieses Erfolgserlebnis erkämpft und erarbeitet. Das war unser Ziel. Und spätestens nach dem 1:0 war eine große Befreiung in der Mannschaft. Diesen Schwung wollen wir mitnehmen. Wir haben die ersten Schritte gemacht."

Viele Spieler aus dem aktuellen Kader kennen Schaefer noch aus ihrer Jugendzeit beim FC, allen voran Lukas Podolski, der sich für den Interimscoach und dessen Assistenten Dirk Lottner auch als Dauerlösung stark macht: "Das Trainerteam besteht jetzt aus zwei Kölnern. Ich lese immer die Zeitungen. Da wird über andere Namen spekuliert. Aber warum sollte man nicht auf die eigenen Namen setzen?"

Nun kommt der HSV nach Köln

Was der Sieg gegen einen Verein aus der 2. Bundesliga tatsächlich wert ist, werden die Kölner bereits am kommenden Samstag erfahren. Dann wartet mit dem Hamburger SV ein ganz anderes Kaliber auf den dreimaligen Deutschen Meister.

"Wir hatten in der Bundesliga eine Negativserie und wollten einen Neuanfang schaffen. Das haben wir getan", freut sich Martin Lanig, der gegen die "Löwen" die Kölner Führung besorgte und in den letzten Wochen zu den stärksten und torgefährlichsten FC-Spielern zählte. "Wir müssen versuchen, das mit in die Bundesliga zu nehmen und zu punkten. Das war der erste Schritt, aber wir müssen jetzt nachlegen."

Historie: 3:3 in der Vorsaison - bislang letzter Sieg mit Lottner

Leicht wird es gegen die Hanseaten nicht. Keines der vergangenen vier Heimspiele konnte der FC gegen den HSV gewinnen. Nur ein Unentschieden holte Köln in dieser Zeit, es war das spektakuläre 3:3 in der Vorsaison, als die "Geißböcke" ein 1:3 aufholten.

Wie man gegen den "Bundesliga-Dino" gewinnt, davon kann Dirk Lottner ein Lied singen. Beim bislang letzten Kölner Heimsieg traf das kölsche Fußballidol im Jahr 2001 als Einwechselspieler gleich doppelt beim 2:1-Erfolg. Gelingt dem FC des Jahres 2010 Gleiches, könnte sich die Lage in Köln weiter beruhigen.

Aus dem RheinEnergieStadion berichtet Tobias Gonscherowski