Die Stadionuhr in Hannover zeigt exakt 17:11 Uhr. Bei arktischer Kälte und schneebedecktem Rasen liegt das Leder ungefähr 28 Meter vor dem Gehäuse von 96-Keeper Florian Fromlowitz. Der Bochumer Linksverteidiger Christian Fuchs nimmt drei Schritte Anlauf und lässt dem Torhüter der Heimmannschaft keine Chance. Der Rest ist grenzenloser Jubel.

Der österreichische Nationalspieler zirkelte das Leder mit links unhaltbar für Fromlowitz in den rechten oberen Winkel und traf somit in einer schon verloren geglaubten Partie für die Bochumer zum 3:2-Auswärtssieg. Zur Halbzeit lagen die Mannen aus dem Ruhrpott gegen Hannover bereits mit 0:2 zurück.

Der Herr der ruhenden Bälle

Aber dann brachten Paul Freier und Joel Epalle ihr Team innerhalb von nur vier Minuten zurück ins Spiel und kurz vor Ende der Partie foulte 96-Stümer Mike Hanke im Luftkampf eben jenen Fuchs. Der legte sich den Ball zurecht und traf zum Sieg.

An sich ist schon dieser traumhafte Treffer alleine Grund genug, um eine Geschichte über Fuchs zu schreiben. Allerdings gelang dem 23-Jährigen mit seinem Freistoßhammer etwas, was in der Bundesliga-Historie bisher einmalig ist: Der Österreicher hat in drei aufeinanderfolgenden Partien einen Freistoß direkt verwandelt.

Fuchs lobt die Teamleistung

Nach einem ruhenden Ball traf er eben nicht nur in Hannover, sondern auch vor den eigenen Fans gegen Bayern München (zum 1:5) und in Schwaben beim VfB Stuttgart (zum 1:1). So etwas hat es in der Geschichte des "Oberhauses" noch nicht gegeben!

Der Matchwinner äußerte sich nach der Partie vor den Fernsehkameras und den Mikrofonen der Journalisten zurückhaltend und stellte vor allem die Leistung des Teams ins Scheinwerferlicht: "Mit dieser Moral können wir alle zufrieden sein. Der Sieg war mehr als verdient."

"Momentan passt alles"

Nach dem Lob an die Mannschaft freute sich Fuchs jedoch auch über seinen eigenen Coup und vor allem darüber, dass er "mit dem 'Dreier' den Fans, den Mitarbeitern des VfL und dem Team selbst ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht hat." Mit einem verschmitzen Lächeln im Gesicht äußerte er sich dann aber doch zur spielentscheidenden Situation: "Ich war mir so verdammt sicher, dass ich ihn platziert auf die Kiste bringe. Schon bei der Flugbahn wusste ich - der ist drin!"

Und das obwohl Coach Herrlich überhaupt kein spezielles Freistoß-Training auf dem Trainingsplan stehen hat: "Unter der Woche habe ich freiwillig Sonderschichten geschoben. Da habe ich mir Sicherheit geholt. Mein linker Fuß scheint derzeit richtig gut eingestellt zu sein. Momentan passt alles."

Nächste Chance im Januar bei den "Fohlen"

Fuchs, nach eigener Aussage ein "Freistoß-Naturtalent", äußerte sich zu seinen Plänen für den weiteren Verlauf der Saison dementsprechend auch ambitioniert: "Mein Saisonziel ist es, eine Ecke direkt zu verwandeln. Aber dazu bin ich derzeit ja nicht eingeteilt!" Mal sehen, wann Herrlich ihn auch die Ecken schießen lässt…

Auf jeden Fall sollte der nächste Gegner aus Gladbach spätestens jetzt vor Fuchs-Freistößen und Fuchs-Ecken gewarnt sein.

Sebastian Bisch