Einer, der die Duelle zwischen dem FC Bayern München und dem 1. FC Köln jahrelang und hautnah miterlebt hat, ist Toni Polster. Am besten in Erinnerung ist ihm allerdings eine Partie, bei der er gar nicht auf dem Platz stand.

Zwischen 1993 und 1998 schnürte der Österreicher seine Schuhe für die "Geißböcke". Seine Bilanz: 150 Bundesligaspiele, 79 Tore. Vor dem Aufeinandertreffen zwischen FCB und FC am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) schätzt er bei bundesliga.de die Lage in beiden Clubs ein.

bundesliga.de: Herr Polster, der 1. FC Köln ist schwach in die Saison gestartet. Wo sehen Sie die Gründe dafür?

Toni Polster: Es gab viele verletzte Spieler beim FC, die noch nicht richtig in Tritt gekommen sind. Die müssen erst so richtig Fahrt aufnehmen. Dann denke ich mal, werden die Kölner eine gute Mannschaft sein, die mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird.

bundesliga.de: Jetzt muss der FC zusätzlich noch auf den gesperrten Maniche verzichten. Wird die Mannschaft diesen Ausfall kompensieren können?

Polster: Es kann natürlich jedem Verein mal passieren, dass ein Spieler gesperrt wird oder einer ausfällt oder verletzt ist. Ich glaube, da ist der Kader groß genug, dass man ihn ersetzen kann. Jetzt hat Maniche drei Wochen Zeit auch körperlich dahin zu kommen, wo er hingehört, um anschließend seine Klasse auszuspielen.

bundesliga.de: Auch die Bayern müssen auf einen wichtigen Mann verzichten. Arjen Robben wird definitiv ausfallen. Wie werden die Bayern damit umgehen?

Polster: Die schwere Verletzung von Arjen Robben ist sicherlich ein Schock für die Bayern. Doch gerade in der Offensive haben die Münchener etliche Alternativen. Da sind sie sehr gut aufgestellt. Natürlich hat Robben sehr gut angefangen bei den Bayern. Doch einer der anderen Hochkaräter wird ihn im Sturm schon sehr gut ersetzen.

bundesliga.de: Wenn der 1. FC Köln am Samstag beim FC Bayern zu Gast ist, sind natürlich alle Augen auf Lukas Podolski gerichtet. Wird "Poldi" dieses Spiel nutzen können, um endlich richtig in Fahrt zu kommen?

Polster: Ja. Ich denke auch, dass dieses Spiel ihm helfen kann, so richtig auf Touren zu kommen, zumal die Bayern ja zuletzt schwere Spiele hatten und nach dem Duell mit Juventus Turin sicherlich noch müde sein werden. Wenn der FC gut nach vorne spielt und konzentriert hinten steht, dann ist sicherlich auch in München etwas drin. Natürlich wird es schwer werden - keine Frage. Die Bayern sind Favorit.

bundesliga.de: Sind die Spiele gegen die Bayern etwas Besonderes, auch wenn es einmal nicht so läuft in der Liga?

Polster: Ich erinnere mich daran, dass wir schon zu meiner Zeit gute Ergebnisse in München erzielt haben. Wir haben zum Beispiel 1998 einmal mit 2:0 in München gewonnen. Da war ich gesperrt und trotzdem hat die Mannschaft gesiegt. Wieso sollen es die Kölner an diesem Samstag also nicht schaffen? Die Kölner stellen sich bei Gastspielen in München in der jüngeren Vergangenheit ziemlich gut an. Spiele in München sind eben immer etwas Besonderes.

bundesliga.de: Aber nicht nur in München wird Fußball gespielt. Unter anderem spielt der HSV bei Hertha BSC. Wird das eine klare Sache oder kann Berlin die Überraschung schaffen?

Polster: Die Zuschauer in Berlin erwartet ein spannendes Spiel. Ich glaube Hertha ist momentan relativ verunsichert. Der HSV hat als Tabellenführer sicherlich viel Selbstvertrauen. Gerade in der Bundesliga läuft es für die Hamburger fantastisch, sie werden sicherlich extrem konzentriert auftreten. Denn die Hertha hofft natürlich auf einen Befreiungsschlag. Das wird ein interessantes Duell.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz