Köln - Das hat es in Köln schon lange nicht mehr gegeben. "So ein Tag, so wunderschön wie heute" hallte es tausendfach von den Rängen des gut besuchten RheinEnergieStadions. Die Fans feierten ihren FC, der nach einem überzeugend herausgespielten 3:0-Erfolg über Werder Bremen erstmals seit dem 10. Spieltag wieder die Abstiegsränge verlassen hat.

Der 1. FC Köln verbreitet wieder Spaß am Fußball. Nach einer Hinrunde voller Enttäuschungen haben die Verantwortlichen die notwendigen Schlüsse gezogen und reagiert. Und die ergriffenen Maßnahmen scheinen zu fruchten. Mit vier Punkten aus den ersten beiden Rückrundenpartien haben die Kölner jedenfalls erst einmal einen ansprechenden Start ins Jahr 2011 hingelegt.

Als Kapitän blüht Podolski auf

Aber auch nicht mehr. "Wir sind auf einem guten Weg. Aber wir sind noch nicht da angelangt, wo wir hinwollen", dämpfte Lukas Podolski die aufkommende Euphorie. Der Kölner Superstar, den Trainer Frank Schaefer in der Winterpause zum neuen Mannschaftskapitän bestellt hatte, war gegen die desolaten Hanseaten der beste Mann auf dem Platz.

Zwei Tore erzielte "Prinz Poldi" und schraubte damit seine persönliche Trefferbilanz auf bereits sieben Tore hoch. Aber nicht nur wegen seiner beiden Treffer imponierte Lukas Podolski, auch wegen seines kämpferischen Auftritts. Der 83-fache Nationalstürmer entwickelt sich mehr und mehr zu der Führungsfigur des Vereins.

"Es ist nach einem 3:0-Sieg leicht zu sagen, dass einen die Binde motiviert", sagte Podolski nach seiner Gala über seine neue Rolle: "Ich versuche einfach, mehr Verantwortung zu übernehmen, mehr zu sprechen. Das gelingt momentan gut."

Schaefer freut sich über taktische Umsetzung

Die stark ersatzgeschwächte Kölner Truppe überrannte den Gegner und setzte die Vorgaben des Trainers perfekt um. "In den vergangenen Monaten waren wir von meiner Vorstellung von Fußball oft weit entfernt. Das hat mich geärgert. Gegen Bremen war es so, dass wir Anfang an über eine hohe Positionsdisziplin ein ganz starkes Auftreten als Mannschaft gezeigt haben", freute sich Frank Schaefer.

"Wir waren kompakt. Aus dieser Position heraus hatten wir kurze Wege, um den Gegner anzugreifen. So haben wir Elemente ins Spiel gebracht, die noch nicht allzu oft bei uns zu sehen waren. Wir haben den Gegner unter Druck gesetzt", analysierte Schaefer weiter: "Wer gut verteidigt, der greift auch gut an. Wichtiger als das 3:0 ist, den Spielern zu verdeutlichen, warum wir 3:0 gewonnen."

Sonderlob für Eichner

Neben der hohen taktischen Disziplin und dem überragenden Podolski wären auch noch die Neuzugänge zu nennen. Während Torhüter Michael Rensing bei seinem Heimdebüt weitgehend ungeprüft blieb, setzten Slawomir Peszko im rechten Mittelfeld und vor allem Christian Eichner auf der für ihn ungewohnten Innenverteidigerposition neue Akzente.

Eichner verdiente sich sogleich ein Extralob des Trainers. "Christian ist ein taktisch sehr gut geschulter Spieler mit einer unglaublichen Spielintelligenz. Er kann ein Spiel lesen, ist ein Teamplayer. Genau wegen dieser Eigenschaften haben wir ihn geholt. Er hat sie nachhaltig bewiesen", verteilte Schaefer gute Noten.

Keine Zeit zum Durchschnaufen

Dem Trainer ist es gelungen, den zum Saisonbeginn strauchelnden Traditionsverein wieder in die Spur zu bringen. 14 Punkte in zehn Spielen lautet die ordentliche Ausbeute. Alleine in den vergangenen fünf Heimspielen gelangen dem FC drei Siege, so viele wie in der gesamten Vorsaison. Die Tendenz geht eindeutig nach oben.

Noch kurz vor der Winterpause hatte sich Frank Schaefer im Interview mit bundesliga.de gesorgt, dass der FC ein "sehr fragiles Gebilde" sei. Die Anfangserfolge im neuen Jahr machen Hoffnung. Aber schon die nächsten Prüfungen haben es in sich.

Erst gastieren die Rheinländer beim punktgleichen Tabellennachbarn St. Pauli zu einem enorm wichtigen Duell gegen einen direkten Konkurrenten. Danach empfangen die "Geißböcke" nacheinander Bayern München und Mainz 05. Ein Durchschnaufen können sich die Kölner noch lange nicht leisten.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski