Nach der 1:2-Pleite in Mainz wird beim FC Bayern München nach den Gründen für den schlechtesten Saisonstart seit 43 Jahren gesucht. Die Verantwortlichen des Rekordmeisters bewahrten direkt nach dem Spiel bei den Rheinhessen die Ruhe.

"Das ist jetzt eine gefährlicher Situation, die wir ernst nehmen" sprach der Vorstandsvorsitzende, Karl-Heinz Rummenigge. Deutlich und auf den Punkt gebracht gab er dann die Marschroute für die kommenden Partien aus: "Wir müssen jetzt schnell die Kurve kriegen."

Lattek sah ängstliche Spieler

Während Rummenigge die prekäre Lage noch recht diplomatisch analysierte, gingen Udo Lattek, Klaus Augenthaler und Stefan Effenberg mit der Leistung der Mannschaft härter ins Gericht. "In der ersten Halbzeit hatte man den Eindruck, dass die Spieler Angst haben, einen Fehler zu machen", sagte Bayerns Ex-Erfolgstrainer Udo Lattek im "DSF-Doppelpass".

Ein ähnliches Urteil fällte der ehemalige Bayern-Profi und Weltmeister Klaus Augenthaler im bundesliga.de-Interview: "Es ist eine Grundvoraussetzung, dass Fußball mit Leidenschaft, Herz und Willen gespielt wird - egal ob ich nun beim FC Bayern spiele oder woanders. Mainz hat das hervorragend vorgemacht, bei den Bayern habe ich genau das vermisst."

"Das ist nicht Bayern-like"

"Der Saisonstart ist nicht berauschend. Nur zwei Punkte von neun möglichen - das ist nicht Bayern-like", stellte "Sky"-Experte Stefan Effenberg, der mit dem FCB unter anderem die Champions League und drei Mal die Deutsche Meisterschaft gewann, fest.

Effenberg hat den Grund für die anhaltenden Misere aber ausgemacht. "Der FC Bayern ist in meinen Augen absolut abhängig von Franck Ribery, er braucht Ribery. Er macht den Unterschied aus. Er ist hauptverantwortlich, dass die Kurve der Bayern wieder nach oben geht."

Ein nachdenklicher Kaiser

Ungewohnt zurückhaltend reagierte Bayerns Präsident Franz Beckenbauer. Auf die Frage der "Bild-Zeitung", ob er Angst um seinen Verein habe, antwortete er: "Angst? Nein. Man wird sehr nachdenklich. Eine Erklärung für diese Leistung habe ich nicht. In der ersten Halbzeit erreichte kein einziger Spieler der Start-Elf Normalform."

Bei aller Kritik sind die Experten aber auch auf der Suche nach einem Ausweg und fordern rasche Aufklärung. "Jetzt, so früh in der Saison, muss man genau nachforschen, woran das liegt, dass die Mannschaft nicht so spielt, wie man sich das vorstellt", findet Lattek.

Stevens sieht keinen Grund für "Panikmache"

Effenberg mahnt zur Besonnenheit: "Für den FC Bayern ist es wichtig, Ruhe im Umfeld zu bekommen. Das kannst du nur, wenn du die Spiele gewinnst. Damit muss der FC Bayern am Samstag anfangen. Dann werden sie auch wieder ihren Rhythmus finden."

Auch der ehemalige Bundesliga-Trainer Huub Stevens glaubt fest an eine Rückkehr des Rekordmeisters zu alter Stärke. "Einen Grund für Panikmache bei den Bayern sehe ich nicht. Sie haben auch in Phasen, in denen sie besser drauf waren, mal gegen kleinere Clubs verloren. Ich bin mir sicher, dass Trainer Louis van Gaal in München die Kurve kriegt, wenn man ihm die Zeit dazu gibt", erklärte er bei "Sport1".

Zusammengestellt von Michael Reis