Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, Nieselregen, alles Grau in Grau in Gelsenkirchen. Doch die Stimmung der Profis des FC Schalke 04 im Mannschaftstraining ist im Gegensatz zur Wetterlage heiter.

Trainer und Team der "Königsblauen" sehen sich nach dem 1:0-Erfolg über Werder Bremen zurück in der Erfolgsspur. Die Erleichterung ist greifbar. Nicht nur, "weil wir endlich auch das Quäntchen Glück hatten, das uns in den letzten Spiel immer gefehlt hat", wie Fred Rutten zu Protokoll gab.

Zwei wichtige Erkenntnisse hat der Trainer aus der Partie mitgenommen, die auch im Derby gegen den VfL Bochum (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) die Grundlage für einen "Dreier" bilden sollen. Erstens: Die kämpferische Einstellung stimmt. Zweitens: Auf die Defensive ist Verlass.

Die Null steht wieder auf Schalke

Bis zur letzten Sekunde hatten seine Spiele den knappen Vorsprung gegen stürmische Bremer verteidigt, "obwohl die Mannschaft sehr verunsichert war", wie Präsident Schnusenberg feststellte. Die spielerische Leistung offenbarte dabei zwar noch Steigerungspotenzial; Tempowechsel und Ideen blieben Mangelware. Doch die fußballerische Schonkost verunsichert Coach und Spieler nicht. "Wenn die Einstellung stimmt und der Kampf da ist, wird auch das spielerische Element wieder mehr zum Zuge kommen", gibt sich Benedikt Höwedes im bundesliga-Interview überzeugt.

Der Youngster ist einer der Garanten für die stabilste Abwehr der gesamten Bundesliga. Erst 17 Gegentore musste der FC Schalke 04 bislang hinnehmen, also umgerechnet gerade einmal 0,9 Tore pro Spiel - der mit Abstand beste Liga-Wert. Herthas Defensive, die zweitbeste im Oberhaus, hat schon 22 Tore kassiert, die Bayern kommen sogar auf 26. Die alte Devise von Ex-Trainer Huub Stevens wird unter Fred Rutten wieder mit Leben gefüllt. "Die Null muss stehen" - und sie stand in dieser Saison für die "Knappen" bereits acht Mal.

Torgefährliche Abwehrrecken

Aber nicht nur als Defensivfaktor kann Schalke in dieser Spielzeit auf seine Abwehrreihe bauen. Manndecker und Außenverteidiger tragen sich auch regelmäßig in die Torschützenliste ein. Höwedes rettete seinem Club als Matchwinner gegen Werder schon zum zweiten Mal die Punkte. Sein erstes Tor, ebenfalls per Kopf, hatte der 20-Jährige zum 1:1-Endstand in Hamburg erzielt.

Mit ihrer Treffsicherheit überdecken die Abwehrrecken der Schalker allerdings auch die Erkenntnis Nummer drei aus den ersten beiden Spielen der Rückrunde: Die Abschlussschwäche setzt sich fort. Zum einen fehlt es dem Angriff weiter an Durchschlagskraft. Toptorschütze Kevin Kuranyi ist seit dem 15. November ohne Torerfolg. Während dieser Woche tankte er im Testspiel gegen den Bonner SC Selbstbewusstein und steuerte zwei Tore zum 3:1-Sieg bei. Jefferson Farfan (fünf Tore) wartet ebenfalls seit fünf Partien auf ein Erfolgserlebnis.

Mittelfeldspieler noch ohne Tor

Zum anderen trägt aber auch das Mittelfeld erheblichen Anteil an der mangelnden Torausbeute. Schalke ist der einzige Bundesligist, dessen Mittelfeldspieler in dieser Saison noch nicht einen einzigen Treffer markiert haben. Auch lediglich drei Vorlagen von Ivan Rakitic und zwei Assists von Orlando Engelaar zeigen das Manko in Sachen Torgefahr. Zum Vergleich: Beim VfL Bochum stehen acht Treffer und elf Vorlagen aus dem Mittelfeld zu Buche.

Einzig Heiko Westermann bessert die "königsblaue" Bilanz etwas auf. Der Nationalspieler - unter Rutten teilweise auch im Mittelfeld aufgeboten - traf bislang vier Mal. Aber eigentlich ist auch Westermann gelernter Verteidiger...

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte