Gelsenkirchen/Hamburg - Acht Spiele, acht Siege - die deutsche Nationalmannschaft hat sich die Qualifikation zur EURO 2012 nach dem 6:2 gegen Österreich frühzeitig gesichert. Bis zum Turnierbeginn in Polen und der Ukraine sind es zwar noch gut zehn Monate, doch schon jetzt sind sich fast alle Beteiligten sicher: Das DFB-Team kann Europameister werden.

"Wir wissen, was wir können. Wir haben eine starke Mannschaft. Unser Ziel muss der Titel sein", erklärte Mesut Özil. Der in Gelsenkirchen geborene Super-Star von Real Madrid hatte dem Spiel gegen die Alpenrepublik seinen Stempel aufgedrückt.

Özil gab auf dem Platz den Takt und die Geschwindigkeit des deutschen Spiels an und zeigte sich auch vor dem Tor mit einer neu gewonnenen Kaltschnäuzigkeit. Er erzielte zwei Treffer und hatte dazu auch maßgeblichen Anteil am 1:0 durch Miroslav Klose.

Die Spannung hoch halten

Auch Lukas Podolski blickte schon einmal auf das Großturnier im Sommer 2012. "Wir sind konzentriert. Mit uns ist zu rechnen. Wir spielen um den Titel und wir wollen ihn auch", meinte der Kölner, der nach einigen durchwachsenen Spielen zuletzt auf dem Weg zurück zu alter Stärke ist und nach toller Vorarbeit von Holger Badstuber das 3:0 erzielte.

Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich nach der perfekten EURO-Qualifikation weniger erleichtert. Viel mehr sah er das Resultat als Bestätigung der harten Arbeit. "Wir haben die Qualifikation souverän geschafft, früher konnte man sich nicht qualifizieren", sagte Löw. "Die Spannung müssen wir jetzt aber auch in den nächsten Spielen hochhalten."

Problemzone Abwehr

Doch auch wenn der Sieg gegen Österreich zu keiner Zeit wirklich in Gefahr geriet, so zeigten die Gegentreffer der Bundesliga-Legionäre Marko Arnautovic von Werder Bremen und Martin Harnik vom VfB Stuttgart deutlich die Problemzone des DFB-Teams: die Defensive.

Von Österreichs sieben Torschüssen gingen zwei direkt aufs Tor. Beide waren für Manuel Neuer nicht zu halten. Aber bei beiden wirkten seine Vorderleute auch ein wenig desorientiert und zu sorglos.

Neuer selbst wollte das nicht an die große Glocke hängen, auch wenn er an seiner alten Wirkungsstätte gerne ohne Gegentreffer geblieben wäre. "Wir haben ein gutes Spiel gezeigt und stehen mit einer makellose Bilanz da. Wir dürfen zufrieden sein", sagte der Bayern-Torhüter.

"Philosophie, permanent nach vorne zu gehen"

Auch Löw sah die Mängel in der Abwehr nicht als gravierend an. Schließlich seien sie das Ergebnis der eigenen Spielweise: "Wenn man so offensiv spielt wie wir, dann bekommt auch mal ein Tor. Mir ist es lieber, dass wir nach vorne viele Aktionen haben. Es ist unsere Philosophie, permanent nach vorne zu gehen."

Mit dieser Spielweise hat sich die deutsche Nationalmannschaft eindrucksvoll in den engsten Favoritenkreis für die EURO 2012 gespielt. Sollte es gelingen, die Defensive bis zum nächsten Juni weiter zu stabilisieren, wird das DFB-Team nur schwer zu schlagen sein.

Michael Reis