Mönchengladbach - Der 1. FC Köln bleibt das Team mit den zwei Gesichtern. Bärenstark präsentieren sich die "Geißböcke" im eigenen RheinEnergieStadion, erschreckend schwach dagegen bei ihren Gastspielen. Das 1:5-Debakel in Mönchengladbach erinnerte dabei fatal an die 2:6-Klatsche zwei Wochen zuvor in Hamburg.

Am vorletzten Wochenende noch war der 1. FC Köln der große Gewinner der unteren Tabellenhälfte. Nach dem siebten Heimsieg in Folge und 35 Punkten auf dem Konto verschafften sich die Domstädter einen komfortablen Sieben-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsrang 16.

Erklärungsnot bei Köln

"Jetzt haben wir sechs Matchbälle, um den fehlenden 'Dreier' zu holen", freute sich FC-Trainer Frank Schaefer über die sehr gute Ausgangsposition. Den ersten Matchball zum Klassenerhalt hat seine Truppe jetzt aber kläglich vergeben. Und alle rätseln warum.

"Es ist nicht zu erklären, ich bin ratlos", sagte FC-Außenverteidiger Christian Eichner. "Ich tue mich schwer in Worte zu fassen, was bei uns alle zwei Wochen auswärts passiert." An die Journalisten gewandt fügte Eichner hinzu: "Wir machen uns in der ganzen Woche Gedanken, was wir anders machen können. Wenn jemand von Euch eine Idee hat, ist er herzlich eingeladen."

Drei Auswärtsniederlagen in Folge

So weit ist es dann aber doch noch nicht. Die Fakten sprechen für sich. Während der FC in den letzten drei Heimspielen ohne Gegentor blieb, offenbart er auswärts eklatante Schwächen. Nach einem Gegentor bricht alles auseinander.

Das war in Dortmund beim 0:1 so, als die Kölner es einzig ihrem überragenden Keeper Michael Rensing zu verdanken hatten, dass es kein Desaster gab. Die folgten dann in Hamburg und nun im Borussia-Park.

Podolski entschuldigt sich bei den Fans

"Man hat in der 1. Halbzeit gesehen, dass wir die Hosen voll hatten", ärgerte sich FC-Kapitän Lukas Podolski. "Wir stehen nur hinten drin und hauen die Bälle lange nach vorne." Mit dem gepflegten Fußball der Heimspiele hat das nicht viel zu tun.

So steht unter dem Strich die zweite bittere Abfuhr innerhalb einer Saison gegen den rheinischen Erzrivalen, der den FC zwei Mal als Tabellen-Schlusslicht mit vier Toren distanzierte. "Unsere Leistung ist unerklärlich, ich kann mich bei den Fans nur dafür entschuldigen", meinte Podolski geknickt.

Nächstes "Endspiel" gegen Stuttgart

Doch bei aller Tristesse hat sich an der Großwetterlage der Kölner nichts geändert. Unverändert haben die Schützlinge von Frank Schaefer dank der Niederlagen von Stuttgart, Wolfsburg und St. Pauli sieben Zähler Vorsprung auf die Abstiegsränge. Der Vorsprung ist geblieben, die Spiele werden weniger.

Vielleicht hat diese trügerische Sicherheit auch ihren Teil dazu beigetragen, dass der FC in Mönchengladbach keine Einstellung zum Spiel fand. Das muss sich bis zum kommenden Samstag dringend ändern, denn dann erwartet der 1. FC Köln den angeschlagenen VfB Stuttgart zum nächsten Abstiegsendspiel.

"Die Tabelle ist nicht trügerisch. Ich habe nie gesagt, dass wir gerettet sind", blickt Frank Schaefer voraus. "Fakt ist, dass wir ein sehr wichtiges Spiel gegen Stuttgart vor uns haben. Fakt ist, dass man mit 35 Punkten die Klasse nicht hält. Wir sind nie dem Trugschluss erlegen, dass das Thema Abstiegskampf schon durch ist. Allerdings haben wir uns eine Ausgangsposition erarbeitet, bei der jeder weiterer Sieg für uns ein 'Big Point' ist."

Die Mannschaft aufrichten

Jetzt muss der Coach in dieser Woche erst einmal seine Mannschaft wieder aufrichten. "Es gibt schönere Arbeitswochen als nach einem 1:5. Aber so ist das Tagesgeschäft. Ich habe meine spezielle Art mit der Mannschaft umzugehen und wurde bisher immer positiv bestätigt. Wir haben es immer geschafft, nach solchen Spielen eine Reaktion zu zeigen", bleibt der 47-Jährige optimistisch.

In der Hinrunde gelang den Rheinländern in Stuttgart der einzige Auswärtssieg der Saison. Allerdings liegt der letzte Heimerfolg gegen die Schwaben schon fast zehn Jahre zurück. Und nach dem Wiederaufstieg im Jahr 2008 gab es mit 0:3 und 1:5 bislang zwei deftige Heimpleiten. Es wird also ein spannendes, offenes Spiel. Der nächste Matchball.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski