Die Schlammschlacht um die Zukunft von Christoph Daum am Bosporus ist beendet: Der deutsche Trainer und der türkische Rekordmeister Fenerbahce Istanbul haben sich nach tagelangen Verhandlungen auf eine Auflösung des bis Ende Juni 2012 laufenden Vertrages geeinigt.

Angeblich soll der ehemalige Meistercoach des VfB Stuttgart eine Abfindung von 2,4 Millionen Euro kassieren. Daums Nachfolger soll der bisherige Sportdirektor Ayhut Kocaman werden.

Daum tritt nicht nach

"Es ist eine Einigung erzielt worden", sagte Daums Anwalt Stefan Seitz am späten Freitagabend. Zur Abfindung wollte sich Seitz aber nicht äußern: "Zum Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart." Einen Teil der Summe soll Daum sofort, den Rest in Raten erhalten. Auch Co-Trainer Roland Koch hat bei Fenerbahce keine Zukunft mehr.

"Wir bedanken uns bei den Herren Daum und Koch für ihre Arbeit und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute", heißt es in einer offiziellen Erklärung des Clubs. Auch Daum trat trotz der jüngsten Vorfälle nicht nach und erklärte: "Fenerbahce war für mich immer ein Teil meines Lebens und wird es auch in Zukunft bleiben."

Auflagen für Daum

Eine Trennung war eigentlich bereits nach dem verpassten Meistertitel in der abgelaufenen Saison beschlossene Sache. Doch Club-Präsident Aziz Yildirim wollte die Kosten für die Abfindung drücken und ließ keine Gelegenheit aus, Daum nach dessen Rückkehr aus seinem Urlaubsdomizil auf Mallorca in der vergangenen Woche zu einem Rücktritt zu bewegen.

Zuerst wurden in Co-Trainer Ayhan Tumani, Torwarttrainer Holger Gehrke sowie Trainer-Sohn und Scout Marcel Daum drei Mitarbeiter seines Stabes entlassen, dann musste Daum täglich von 9 bis 18 Uhr auf dem Vereinsgelände anwesend sein, obwohl außer ihm nur noch der Platzwart dort arbeitete. Auch musste der Trainer einen Gesundheitscheck absolvieren, den er aber nicht im vereinsnahen Krankenhaus Acibadem vornahm. Die türkische Presse bewertete dies als "taktischen Schachzug im kalten Krieg".

Schlammschlacht in der Türkei

Zwischenzeitlich sorgte Daum mit Berichten über eine angebliche Drohung eines Vorstandsmitgliedes gegen seine Person und seine Familie für Aufsehen. "Der Vorstand hat mich gewarnt: 'Wenn du wiederkommst, kann es für dich und deine Familie ungemütlich werden'", hatte Daum gesagt. Die Clubführung wollte dies jedoch nur als Ratschlag verstanden wissen.

Sorgen um sein Ansehen macht sich Daum trotz der Schlammschlacht nicht. Die Angelegenheit habe dem Image des Clubs mehr geschadet als seinem eigenen, betonte der 56-Jährige. Zudem erhob Daum Vorwürfe gegen türkische Journalisten. Einige Reporter seien mit einem Geschenk bei der Geburtstagsfeier seines Sohnes aufgetaucht. Entgegen der Absprachen hätten die Journalisten anschließend vertrauliche Inhalte der Gespräche von der Feier veröffentlicht.

Auch Fans wollten die Trennung

Bei den Fenerbahce-Fans hatte Daum keinen Kredit mehr. 55 Prozent sprachen sich zuletzt für eine Trennung aus. Daum stand seit Saisonbeginn in Diensten des Spitzenclubs, nachdem er im vergangenen Sommer den 1. FC Köln kurzfristig für das hochdotierte Angebot am Bosporus verlassen hatte. Fenerbahce hatte er bereits von 2003 bis 2006 betreut und damals zweimal zum Meister gemacht. Dies war ihm in der abgelaufenen Saison nicht gelungen.

Am letzten Spieltag wähnten sich die Fener-Fans sechs Minuten als Meister, doch der Stadionsprecher war falsch informiert, als er den vermeintlichen Ausgleich von Besiktas bei Bursaspor vermeldet hatte. Daraufhin war es zu schweren Krawallen gekommen. Zehn Tage zuvor stand Daum mit Fenerbahce schon nach dem verlorenen Pokalendspiel mit leeren Händen da.