Gelsenkirchen - Der 1. FSV Mainz 05 darf sich nicht nur die Bundesliga-Tabelle in den Weihnachtsbaum hängen, sondern auch den Spielplan für den DFB-Pokal. Dass Mainz dem 2:1-Coup beim FC Schalke 04 im Viertelfinale steht, ist für Christian Heidel das Ergebnis einer konsequenten Weiterentwicklung.

Sichtlich zufrieden zog der Manager ein Fazit eines emotionalen Spieles und einer beeindruckenden Vorrunde. Im Interview spricht er auch über seinen Trainer, der auf Schalke fast verrückt geworden wäre.

Frage: Herr Heidel, wie haben Sie den Pokalsieg gegen Schalke erlebt?

Christian Heidel: Es war Pokal pur! Wir haben sicherlich schon bessere Fußballspiele abgeliefert. Die erste Halbzeit war noch ganz okay, da hatten wir das Spiel ganz gut im Griff und haben effektiv gespielt. In der zweiten Halbzeit war es dann eine reine Abwehrschlacht. Schalke hat verdient den Ausgleich geschossen und unser zweiter Treffer kam dann ein bisschen aus dem Nichts.

Frage: Hatte Mainz dieses Mal das Glück des Tüchtigen?

Heidel: Dass der zweite Treffer so schnell nach Schalkes Ausgleich gefallen ist, war tatsächlich eine schöne Sache. Einen besseren Zeitpunkt hätte es dafür nicht geben können. Da hatten wir mal ein bisschen Glück, aber davon waren wir sonst in der Hinrunde der Bundesliga auch nicht sonderlich begünstigt. Am Ende war es ein Sieg des Willens - nicht mehr, und nicht weniger. Aber für uns bedeutet dieser Sieg sehr viel.

Frage: Und zwar?

Heidel: Wenn Mainz 05 mit einem Sieg über Schalke ins Viertelfinale des DFB-Pokals einzieht, dann ist das für uns schon etwas Besonderes. Als wir vor einigen Wochen die Auslosung gehört haben, dachten wir noch, die Kohle können wir ja gerne mitnehmen, aber wahrscheinlich fliegen wir raus. Deswegen ist die Freude jetzt umso größer. Der Abschluss dieses Fußballjahres war für uns mit den Siegen gegen Stuttgart und Schalke einfach überragend.

Frage: Hat Mainz mit dem Einzug ins Viertelfinale des Pokals und mit Platz 6 in der Bundesliga jetzt auch den Lohn für die Arbeit der letzten Wochen geerntet?

Heidel: Unsere Mannschaft hat insgesamt in dieser Vorrunde inklusive der Pokalspiele eine sehr, sehr gute Entwicklung genommen. Zwar ist die Mannschaft sicher nicht die jüngste in der Liga. Aber man sieht, dass auch etwas ältere Spieler immer noch etwas dazu lernen können. Wir haben auf dem Platz ein Korsett, gegen das es sehr schwierig ist, Tore zu erzielen. Das hat man auch gegen Schalke gesehen.

Frage: Aber die Schalker hatten auch ein paar gute Möglichkeiten.

Heidel: Auf Schalke als Gast unter Druck zu geraten, ist Normalität. Aber wie die Mannschaft damit umgegangen ist, das war aller Ehren wert. Und im Pokal sind auch mal Befreiungsschläge erlaubt, da geht es schließlich nicht um einen Schönheitspreis. Da geht es nur darum, dass du am Ende ein Tor mehr auf dem Konto hast als der Gegner. Und das haben wir hinbekommen.

Frage: Besonders in einer Szene ging es hoch her: Das Foul von Jermaine Jones an Marco Caligiuri direkt vor der Mainzer Bank führte erst zu Tumulten, und dann zum Platzverweis für ihren Trainer Thomas Tuchel.

Heidel: Nach dem Foul sind bei uns gleich zehn Leute aufgesprungen. Ich war der Einzige, der sitzen geblieben ist, weil ich schon geahnt habe, was da kommt. Eigentlich war alles ganz harmlos. Unsere Spieler und Betreuer hatten Sorge, dass sich Marco bei dem Foul schwer verletzt hat. Und Thomas ist auch nur auf die Tribüne geschickt worden, weil er das Spielfeld betreten hatte. Das darf er halt nicht, aber da war keine Beleidigung oder Tätlichkeit im Spiel. Insgesamt war das alles unnötig. Zumal von diesem Moment an Hektik in das Spiel hineinkam, die Zuschauer plötzlich wieder da waren und Schalker angefeuert haben. Das hätte man von unserer Seite cleverer lösen können, aber das Verhalten war der Emotion geschuldet.

Frage: Machen Sie sich Sorgen, was jetzt noch auf Tuchel zukommen könnte?

Heidel: Na ja, eine Ehrenurkunde wird er wohl nicht dafür bekommen! Ich denke aber auch nicht, dass noch etwas Dramatisches auf uns zukommt. Im übrigen passiert es ihm nicht oft, dass er auf die Tribüne verwiesen wird. Auch wenn alle Leute gefühlt der Meinung sind, das wäre bei ihm schon mindestens 26 Mal vorgekommen.

Frage: Wo und wie hat Tuchel denn eigentlich den Schlusspfiff erlebt?

Heidel: Er hat das Spiel auf dem Fernseher in der Kabine zu Ende geschaut. Und ist dabei fast verrückt geworden, weil die Übertragung ein paar Sekunden zeitversetzt läuft. Erst hört man die Leute im Stadion schreien, bevor man dann auf dem Fernseher sieht, was eigentlich passiert ist. Das war für Thomas schon eine Strafe.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte