Bei den Fans von Juventus Turin wurden in der 30. Minute der Partie gegen den FC Bayern München Erinnerungen wach. Als sich Hans-Jörg Butt auf den Weg von seinem Strafraum zum Elfmeterpunkt in die gegnerische Hälfte machte, schwante den Anhänger der "Bianconeri" nichts Gutes.

Denn für Butt war es nicht der erste Strafstoß, denn er in der Champions League gegen Juve schoss.

Beim 4:4 in der Vorrunde 2000/01 verwandelte er im Trikot des HSV genauso sicher zum zwischenzeitlichen 3:3, wie zur 1:0 Führung von Bayer Leverkusen in der Zwischenrunde 2001/02 - Endstand damals 3:1. Butt will seine private Serie gegen die Turiner aber nicht an die große Glocke hängen. "Für mich ist nicht wichtig, dass wir gegen Juventus weiter gekommen sind, sondern dass wir mit dem FC Bayern das Achtelfinale erreicht haben", sagt er.

Und an diesem Erfolg hat der 35-Jährige maßgeblichen Anteil - genauso wie am Aufschwung der vergangenen Wochen in der Bundesliga. Nach der Galavorstellung der Bayern im Olympiastadion von Turin stand Butt Rede und Antwort.

Frage: Was ging Ihnen auf dem Weg zum Strafstoß durch den Kopf?

Butt: Eigentlich gar nichts. In so einer Situation muss man alles ausblenden und sich nur auf den Elfmeter konzentrieren. Dass man eventuell daneben schießen könnte, daran darf man gar nicht erst denken.

Frage: Sie haben jetzt zum dritten Mal in der Champions League gegen Juve getroffen. Die Turiner scheinen Ihnen zu liegen.

Butt: Das ist zwar eine schöne Geschichte, aber irgendwo auch ein Zufall, wie er im Fußball wohl häufiger vorkommt. Für mich ist nicht wichtig, dass wir gegen Juve weiter gekommen sind, sondern dass wir mit dem FC Bayern das Achtelfinale erreicht haben.

Frage: Am Ende hat der FC Bayern die "Alte Dame" förmlich auseinandergenommen. Was sagen Sie zu diesem Auftritt?

Butt: Wir haben das Spiel über 90 Minuten bestimmt. Das Gegentor haben wir durch eine unglückliche Aktion kassiert. Das war ein hochverdienter Sieg. Mit einer besseren Chancenauswertung hätten wir auch noch höher gewinnen können. Jeder, der gegen Juve auf dem Platz stand, hat seinen Teil zum Erfolg beigetragen.

Frage: Ist mit dem Sieg beim FC Bayern wieder alles im Lot?

Butt: Wir hatten eine schwierige Situation zu meistern. In der Bundesliga hatten wir einen großen Abstand auf die Tabellenspitze, in der Champions League konnten wir nicht aus eigener Kraft weiterkommen. In der Phase hat sich die Mannschaft zusammengerauft. Schon in den vergangenen Partien war eine aufsteigende Tendenz zu sehen. Das war eine ganz wichtige Phase. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Frage: Welchen Anteil hat Trainer Louis van Gaal am Erfolg?

Butt: Es ist unbestritten, dass er ein Fachmann ist. Gerade im taktischen Bereich. Er ist ein akribischer Arbeiter und ist alle möglichen Szenarien für dieses Spiel durchgegangen. Der Trainer lernt die Mannschaft immer besser kennen. Wir ihn natürlich auch. Und das macht sich in den Ergebnissen bemerkbar.

Frage: Was kann man nun in den verbleibenden zwei Spielen des Jahres von den Bayern erwarten?

Butt: Der Sieg gegen Juve war ein Signal an die Bundesliga. Wir müssen uns jetzt auf Bochum konzentrieren, auch wenn das heute natürlich keiner hören will.

Aus Turin berichtet Michael Reis