Favres taktischer Systemfußball ist abhängig von wichtigen Leistungsträgern wie Arne Friedrich. Jetzt ist der Nationalverteidiger verletzt - und Favres bis dato so effizientes System könnte in Schieflage geraten.

Es war in etwa die 24. Minute des Bundesliga-Spiels zwischen dem VfB Stuttgart und Tabellenführer Hertha BSC...

Bruch im System

Der Berliner Nationalverteidiger Arne Friedrich fasst sich an den Oberschenkel und signalisiert an die Berliner Trainerbank: Es geht nicht mehr. Friedrich muss mit einem leichten Muskelfaserriss den Platz verlassen, der Brasilianer Kaka kommt ins Spiel.

Ein Spielertausch, der das bis dahin kompakte Spiel der Hauptstädter komplett durcheinander wirbelte. Ab diesem Zeitpunkt wirkte die Berliner Defensive unsicher und wackelig. Ein Umstand mit einer klaren Botschaft: Einen Ausfall von Leistungsträgern wie Friedrich kann die Mannschaft von Trainer Lucien Favre derzeit nur schwer kompensieren.

"Arne Friedrich können wir nicht ersetzen"

Zu sehr lebte der Überraschungs-Erste in den letzten Wochen von seiner Stabilität im Abwehrbereich. Das defensive Dreieck mit Torwart Jaroslav Drobny, Josip Simunic und Friedrich war neben dem Torhunger von Andrey Voronin die Basis der Erfolge.

Jetzt fällt Friedrich für zwei Wochen aus. Für die Berliner ein Schock, auch wenn in der nächsten Woche auf Grund der Länderspiele in der Bundesliga spielfrei ist, denn beim nächsten Heimspiel gegen Borussia Dortmund wird Friedrich wohl nicht spielen.

"Das hat man doch gesehen, wie sehr Arne uns gefehlt hat", diktierte ein schlecht gelaunter Simunic nach der Niederlage in die Notizblöcke der wartenden Journalisten. Und auch sein Teamkollege Voronin - diesmal eher blass geblieben - meinte im Gespräch mit bundesliga.de: "Arne Friedrich können wir derzeit einfach nicht ersetzen."

Eindeutig unterlegen

Berlins Trainer Favre setzt auf eine eingespielte Mannschaft, in der die Mechanismen greifen und in der jeder Spieler weiß, was der andere auf dem Platz als nächstes tut.

So zeigten die Berliner bis zum verletzungsbedingten Ausfall Friedrichs auch in Stuttgart ihre gewohnten Stärken. Kompakt hinten stehen und dann überfallartig nach vorne in der Hoffnung, dass Voronin trifft - dieses zuletzt so effiziente System hätte auch bei den Schwaben funktionieren können. Allerdings wirkten die Berliner nach Friedrichs Auswechslung in der 25. Minute merkwürdig passiv.

Hertha kommt ins Wanken

Ganz im Gegensatz zu den vergangenen Spielen standen die Herthaner zu weit von ihren Gegenspielern und kamen so immer einen Schritt zu spät. Das bestätigte auch Woronin: "Uns hat von der ersten Minute an die Frische gefehlt. Die Stuttgarter waren uns eindeutig überlegen und viel laufstärker."

Die Berliner müssen nach der Niederlage in Stuttgart aufpassen. Besonders ihr Problem mit der "zweiten Garde" wird Trainer Favre in den nächsten Tagen beschäftigen. Einen gleichwertigen Ersatz für Friedrich hat der Schweizer Taktik-Fuchs nicht. Hier könnte seine Mannschaft Probleme kommen. Vor allem wenn - wie in Stuttgart - mangelnde Laufbereitschaft und fehlende körperliche Präsenz hinzukommen.

Jens Fischer