Uli Hoeneß hat es geschafft. Der neue Präsident des FC Bayern hat am Sonntag in Hannover ein Antrittsgeschenk gefordert und es mit dem 3:0-Auswärtssieg auch bekommen. Er habe sich von der Mannschaft einen Gefallen gewünscht, und diesen Gefallen habe ihm das Team mit dem Dreier auch getan, erklärte ein sichtlich entspannter Hoeneß nach der Partie in den Katakomben der AWD-Arena.

Nachdem am Freitag in der Führungsetage die Weichen neu gestellt wurden, scheint auch sportlich beim FC Bayern eine neue Zeitrechnung begonnen zu haben. "Wir sind wieder da. Der FC Bayern ist zurück", freute sich Daniel van Buyten. Und auch Philipp Lahm hat es deutlich ausgemacht: "Es steht wieder der FC Bayern auf dem Platz!"

"Wir haben gezeigt, was Hoeneß während der Jahreshauptversammlung propagiert hat", sprach Kapitän Mark van Bommel und meinte damit die Rückkehr zur "Mia san mia"-Mentalität der Bayern - oder anders gesagt: "Mia san wieder mia".

90 Minuten Dominanz

Und wirklich: Der FC Bayern kontrollierte die Hausherren in Hannover 90 Minuten lang. Von Beginn an setzte der Rekordmeister die 96er unter Druck und trat dabei als geschlossene Einheit auf.

"Jeder hat dem anderen geholfen, jeder hat für den anderen gearbeitet. Und das ist in unserer Situationen sehr wichtig", analysierte Lahm. Richtig befreiend wirkte das frühe 1:0 von Thomas Müller, so dass der FCB - erst zum dritten Mal - mit einer Führung in die Pause gehen konnte.

"Das frühe Tor hat der Mannschaft Sicherheit gegeben. Die Mannschaft hat miteinander gespielt, füreinander gekämpft und jeder ist für den anderen gelaufen. So kann es weitergeben", sagte der Torschütze.

Müller wie ein alter Hase

Müller hat sich innerhalb weniger Spiele als feste Größe im Team von Trainer Louis van Gaal positioniert und gibt sich auch vor den Medien so, als wäre er den Rummel um die Bayern schon seit Jahren gewöhnt.

"Wir wollen uns mit Leidenschaft und Kampf Stück für Stück aus der Krise herausarbeiten. Wir bekommen langsam unsere Sicherheit wieder. Und dann spielen wir auch wieder einen guten und vor allem einen erfolgreichen Fußball", erklärte Müller, während er sich lässig mit einer Hand auf seinem Reisetrolley abstützte.

Zufriedener van Gaal

Selbst der sonst als reserviert geltende van Gaal taut so langsam auf. Amüsierte sich der Niederländer am Freitag noch königlich über die Rede vom jetzigen Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer, sah man dem Trainer nun auch in Hannover sichtlich den Spaß an seiner Arbeit an.

In der Analyse hörte sich das dann so an: "Wir hatten eine sehr gute Woche. Wir sind zurück in der Champions League und auch in der Bundesliga. Ich war schon zufrieden, dass ich auf der Jahreshauptversammlung nicht ausgepfiffen wurde. Das hätte auch passieren können. Nun kehrt die Ruhe zurück, und diese Siege bringen uns in die Position, in der Bayern München sein muss. Und dass auch die Stürmer jetzt wieder Tore schießen, ist wichtig."

Nerlinger bläst zur Attacke

Ivica Olic, der gegen Haifa den 1:0-Endstand erzielte, machte mit dem 2:0 den Sack in Hannover zu. Und Mario Gomez traf zum Endstand, nachdem er schon eine Woche zuvor beim 1:1 gegen Leverkusen erfolgreich war.

So wundert es am Ende nicht, dass der FC Bayern nach der gezeigten Leistung wieder zur Attacke bläst. Nach dem Aufstieg von Uli Hoeneß zum Präsidenten ist nun aber dessen Nachfolger Christian Nerlinger für die markigen Worte zuständig. "Das ist ein guter Ausgangspunkt für uns, noch einmal einen Endspurt zu starten", schlussfolgerte er in guter Hoeneß-Manier. Der FC Bayern ist wirklich wieder zurück.

Aus Hannover berichtet Michael Reis