Freiburg - Michael Skibbe präsentierte sich am Sonntag mit dichtem Dreitage-Bart. Doch das war wohl nicht der Grund, warum Frankfurts Coach nach dem Freiburg-Spiel verändert wirkte.

Schließlich hatte sein Team zuvor in den ersten drei Rückrundenbegegnungen keinen einzigen Punkt gewonnen. Da darf man auch einmal ein torloses Remis als Erfolgserlebnis werten. "Ich bin nicht unzufrieden damit, dass wir den ersten Punkt im Jahr 2011 geholt habe", sagte Skibbe: "In der ersten Halbzeit haben wir richtig gut gespielt und uns ein paar gute Tormöglichkeiten erarbeitet."

Frankfurt verpasst Führung

Die Eintracht war dabei im ersten Durchgang sogar die bessere Mannschaft. Als Schiedsrichter Florian Meyer zur Halbzeitpause pfiff, hatten Patrick Ochs (22./42.), Benjamin Köhler (42.) und Pirmin Schwegler (40.) gute Torgelegenheiten vergeben, die Hälfte davon hatte dabei Freiburgs starker U-21-Nationalkeeper Oliver Baumann zunichte gemacht.

Und auch im zweiten Durchgang hatte die Eintracht noch einmal eine gute Torgelegenheit, als ein elegant gezirkelter Drehschuss von Maik Franz auf der Querlatte landete (79.). "Das hättet ihr mir gar nicht zugetraut, oder?", flachste der Abwehrmann anschließend mit den Reportern.

"Wichtig war, den Abwärtstrend zu stoppen"

Mindestens genauso beachtlich wie die Schusstechnik des Innenverteidigers war aber die Frankfurter Defensivleistung. Patrick Ochs, Marco Russ und Maik Franz störten die Freiburger Offensivspieler oft schon bei der Ballannahme, die ganze Mannschaft verdiente sich das Remis durch eine engagierte Leistung.

"In der ersten Halbzeit waren wir klar die bessere Mannschaft", sagte Pirmin Schwegler. Und Patrick Ochs ergänzte. "Offensichtlich hat mancher sich gestern das Kölner Spiel angeschaut und gemerkt, was man mit Einsatz bewirken kann."

Obwohl man im Lager der Hessen wohl auch einen Sieg nicht unverdient gefunden hätte, war man letztlich auch mit dem Remis zufrieden. "Wir haben fünf Punkte Abstand auf den Relegationsplatz", freute sich Kapitän Patrick Ochs nach der Partie: "Für uns war jetzt erst mal wichtig, den Abwärtstrend zu stoppen. Zuletzt hat uns ja die Aggressivität gefehlt, das war heute viel besser."

Jetzt kommt Leverkusen

Bleibt also nur noch an der Chancenverwertung zu arbeiten, statistisch gesehen belegt man da mit nicht einmal 20 Prozent genutzter Möglichkeiten den letzten Platz in der Liga. Und auch am Sonntag gab es wieder Grund zu hadern. Um endlich Abhilfe zu schaffen, will Maik Franz in der Wahl der Mittel nicht zimperlich sein.

"Ein erster Schritt ist gemacht", sagte er: "Wir müssen jetzt mal einen reinwürgen, reingrätschen, reinpressen, egal wie, dann ist der Bann gebrochen." Ins gleiche Horn stieß auch sein Coach Michael Skibbe, der um Verständnis dafür warb, dass die Offensivkräfte Halil Altintop und Martin Fenin, die seit längerer Zeit torlos sind, nach Verletzungen noch Fitnessrückstand hätten.

Dass am kommenden Samstag mit Bayer Leverkusen der aktuelle Tabellenzweite in Frankfurt vorstellig wird, stört Skibbe hingegen nicht. Im Gegenteil: "Das ist eine spielstarke Mannschaft. Das liegt uns eher. Jetzt können wir hoffentlich nächste Woche nachlegen und ein paar Tore erzielen."

Christoph Ruf