Die HSV-Fans feierten Ruud van Nistelrooy in Köln bereits, während er sich in der 2. Halbzeit hinter dem HSV-Tor auf sein Bundesliga-Debüt vorbereitete. In der 88. Minute kam dann das Zeichen von der Trainerbank. Doch just in dem Moment, in dem der holländische Stürmerstar zur Einwechslung bereit stand, verspielte der HSV noch den sicher geglaubten Sieg in Köln und kassierte das 3:3.

Entsprechend enttäuscht äußerte sich van Nistelrooy anschließend im Interview zum Spiel. Über seine Aufnahme in Hamburg und die Bundesliga fand der 33-Jährige dagegen nur lobende Worte.

Frage: Ruud van Nistelrooy, der HSV hat trotz einer 3:1-Führung in Köln am Ende nur 3:3 gespielt und wichtige Punkte verloren. Wie haben Sie das Spiel gesehen?

Ruud van Nistelrooy: Wir haben ein Superspiel gemacht und verlieren dann nach zwei Gegentoren nach Standards noch die drei Punkte. Das tut weh, gerade weil wir so gut gespielt haben. So fühlt es sich wie eine Niederlage an. Ich bin enttäuscht, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben. Wir müssen nach dem 3:1 das Spiel einfach kontrollieren. Aber wir haben auch eine sehr junge Mannschaft. Die Jungs wollen immer weiter angreifen und das vierte und fünfte Tor machen. Wir müssen daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.

Frage: Sie wurden erst kurz vor Schluss eingewechselt. Kam der Wechsel zu spät?

Van Nistelrooy: Nein, eigentlich war es ja gar nicht geplant, dass ich nach Köln mitfahre. Das war für mich auch eine Überraschung. Aber einige Spieler haben beim letzten Training vor dem Spiel wegen Verletzungen gefehlt. So bin ich in den Kader gerutscht. Ich habe vom Spiel in Köln persönlich noch nicht viel erwartet. Sonst läuft alles so, wie wir es geplant haben.

Frage: Was hat der HSV aus Ihrer Sicht gut gemacht, was nicht?

Van Nistelrooy: Wir haben das Schwierige sehr gut gemacht. Wir haben attackiert, wir haben defensiv alles gut kontrolliert, wir haben viele Chancen kreiert. Wir müssen nur bei den Standards aufmerksam sein. Ein Tor kann man nach Standards mal bekommen, aber nicht zwei. Und in den letzten 15 Minuten stand die Mannschaft ein bisschen zu weit auseinander.

Frage: In dem Moment, in dem Sie eingewechselt werden sollten, fiel das Tor zum 3:3. Was haben Sie dabei gedacht?

Van Nistelrooy: Das war ein schlechter Moment. Aber ich habe gedacht, dass wir vielleicht sogar noch eine Chance bekommen. Aber es war zu wenig Zeit.

Frage: Im Kampf um die Champions-League-Plätze verliert der HSV etwas an Boden.

Van Nistelrooy: Wir können es immer noch schaffen, wir haben noch genügend Spiele. Wenn wir so weitermachen und aufmerksamer sind. Wir haben talentierte Spieler und können unsere Ziele immer noch in den kommenden 13 Spielen wahr machen.

Frage: Wie haben Sie die ersten Tage in Hamburg erlebt?

Van Nistelrooy: Sehr gut. Die Spieler, die Leute beim HSV und in Hamburg haben mich richtig gut aufgenommen. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

Frage: Wie aufgeregt waren Sie vor Ihrem Bundesliga-Debüt?

Van Nistelrooy: Klar war ich ein bisschen aufgeregt. Ich bin wieder dabei, habe die ganze Vorbereitung mitgemacht. Und dann kommst Du in so ein Stadion mit 50.000 Zuschauern. Das ist schön. Dafür bin ich Fußballer. Das macht Appetit auf mehr.

Frage: Wie gefällt Ihnen die Bundesliga, wenn Sie Tempo, Technik und Taktik mit Ihren Stationen in England oder Spanien vergleichen?

Van Nistelrooy: Die Bundesliga ähnelt dem englischen Fußball, auch die Atmosphäre im Stadion. Das ist richtig schön. In der Bundesliga kann jeder Fehler direkt Punkte kosten.

Frage: Wann sind Sie wieder richtig fit?

Van Nistelrooy: Ich bin da, ich trainiere. Ich habe jetzt in Köln ein paar Minuten gespielt, aber das zählt für mich nicht. Jetzt werde ich nächste Woche weiter trainieren und mich auf das Stuttgart-Spiel vorbereiten. Da werde ich sicher etwas länger spielen können.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski