München/Frankfurt - Eintracht Frankfurt hat den Sprung auf Tabellenplatz 4 geschafft, der für das internationale Geschäft berechtigen würde. Und auch wenn erst gut ein Drittel der Saison bewältigt ist, die Hessen sorgen derzeit für viele positive Schlagzeilen.

Drei Auswärtssiege in Folge, das gab es bei den Frankfurtern zuletzt 1993/94. In der gleichen Saison gab es auch letzmals einen Frankfurter Torschützenkönig mit Anthony Yeboah. Theofanis Gekas ist mit seinen bislang elf Toren auf einem guten Weg, das zu ändern.

bundesliga.de sprach mit einem Frankfurter Publikumsliebling von damals. Uwe Bindewald, langjähriger Abwehrspieler bei den Hessen und nun Co-Trainer der Frankfurter U 23

bundesliga.de: Herr Bindewald, Eintracht Frankfurt ist neben Dortmund die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga und liegt derzeit auf Platz 4. Wie beurteilen Sie die aktuellen Leistungen der Mannschaft?

Uwe Bindewald: Die Leistungen sind sehr, sehr gut. Mit Theofanis Gekas haben die Frankfurter auch einen Stürmer, der die Tore macht. Das ist für den Erfolg sehr wichtig. Dazu hat die Eintracht mit Oka Nikolov einen sehr guten Torhüter. Er strahlt Ruhe aus und gibt seinen Jungs in der Abwehr die Sicherheit, die man auch zum Erfolg braucht. Die Mannschaft funktioniert einfach.

bundesliga.de: Sie haben Gekas schon angesprochen, der ja momentan einen richtigen Torlauf hat. Wie sehen Sie seine Entwicklung bei der Eintracht?

Bindewald: Gekas und auch Nikolov sind derzeit die herausragenden Spieler bei der Eintracht, aber das ganze Team ist stark. Die Flanken und Vorlagen, mit denen Gekas gefüttert wird, müssen ja auch erst mal vorhanden sein.

bundesliga.de: War mit einer solchen Entwicklung der Mannschaft schon vor der Saison zu rechnen?

Bindewald: Nein, damit konnte man eigentlich nicht rechnen. Michael Skibbe hatte gesagt, dass 50 Punkte das Ziel sind, und da ist die Eintracht auf einem guten Weg, obwohl es am Anfang der Saison nicht so rund gelaufen ist. Die Mannschaft hat zwar die Leistung gebracht, aber nicht die nötigen Punkte eingefahren. In so einer Situation kann die Stimmung schnell umkippen, doch die Mannschaft hat im richtigen Moment Moral und Leistung gezeigt und die Punkte geholt. Jetzt stehen sie auf dem 4. Platz, und das kommt nicht von ungefähr.

bundesliga.de: Welchen Anteil hat daran Michael Skibbe?

Bindewald: Seine Trainerleistung hat einen sehr großen Anteil am Erfolg, weil er ja auch die Mannschaft zusammengestellt hat - mit neuen Spielern und den bereits vorhandenen Akteuren. Trainer, Spieler, das passt. Skibbe macht die Mannschaft stark, insbesondere im spielerischen Bereich wird viel trainiert. Das, was die Mannschaft auf dem Platz umsetzen soll, das macht sie auch zu 100 Prozent.

bundesliga.de: Bis zur Winterpause muss die Eintracht zum Beispiel noch gegen Dortmund, Mainz, Bayern und am kommenden Wochenende gegen Bremen ran. Sind das echte Gradmesser für Frankfurt?

Bindewald: Mit Wolfsburg hat die Eintracht schon einen Brocken hinter sich, und das Spiel muss man erstmal gewinnen, denn die Wolfsburger sind eine sehr gute Mannschaft. Aber Frankfurt hat gegen den VfL überragend gespielt und verdient gewonnen. In Bremen wird es sicherlich nicht einfach, denn Werder steckt nach dem 0:6 in Stuttgart in einer Krise. Aber normalerweise gehören die Bremer für mich auch ins obere Tabellendrittel. Die nächsten Spiele sind schon maßgebend, aber mit der Leistung der vergangenen Wochen brauchen die Frankfurter sich vor keiner Mannschaft zu verstecken.

bundesliga.de: Seit sechs Spielen ist die Eintracht ungeschlagen. Wie lang kann diese Serie noch weitergehen?

Bindewald: Die Serie kann schon noch ein bisschen andauern - sogar bis zur Winterpause. Die Jungs haben eine Euphorie und ein Selbstbewusstsein entfacht, da ist es schon möglich, gegen Bayern und die anderen Mannschaften ein gutes Ergebnis rauszuholen.

bundesliga.de: Wie beurteilt das Umfeld in Frankfurt die Entwicklung der Mannschaft?

Bindewald: Natürlich träumt jeder von einem Europa- oder Champions-League-Platz. Aber das sind auch Träume, die die Fans haben dürfen. In dieser Saison ist nach diesem Lauf, den die Mannschaft hat, vieles machbar. Wenn am Ende vielleicht ein Europa-League-Platz herausspringt, warum sollten wir den nicht dankend annehmen? Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Von Jessica Pulter und Gregor Nentwig