Direkter kann Abstiegskampf nicht sein: Hans Meyer tritt am Mittwoch mit Borussia Mönchengladbach bei Energie Cottbus an. Der Trainer des punktgleichen Tabellennachbarn hebt im Interview die Erfahrung des FC Energie Cottbus im Abstiegskampf hervor.

Frage: Herr Meyer, nach den überzeugenden Siegen gegen Hamburg und Köln glaubten viele, Gladbach startet nun richtig durch. Warum gab es dann erneut eine Negativserie?

Hans Meyer: Dass wir aus sechs Spielen nur zwei Punkte geholt haben, war in der Tat zu wenig. Aber wir haben - mit Ausnahme der beiden Spiele gegen Frankfurt und Bielefeld - weiter gute Leistungen gebracht, die Heimspiele gegen Bochum und Wolfsburg gingen eher unglücklich verloren. Auch nach dem Zwischenhoch im März mit neun Punkten aus vier Spielen war uns immer klar, dass die Sache erst am 34. Spieltag entschieden wird.

Frage: Ihre Mannschaft ist sehr jung. Ist das ein Nachteil im Abstiegskampf?

Meyer: Das ist keine Frage von jung oder alt. Mit Sicherheit fehlt uns gegenüber Mannschaften wie Cottbus oder Bielefeld Erfahrung im Abstiegskampf, damit meine ich Spieler, die diese Situation schon öfter erlebt haben.

Frage: Sowohl für Gladbach als auch für Energie ist es in dieser Saison das letzte Spiel gegen einen direkten Konkurrenten. Wie wichtig sind die sogenannten Sechs-Punkte-Spiele wirklich?

Meyer: Normalerweise sind diese Spiele so wichtig wie alle anderen auch, am drittletzten Spieltag kann dies aber eine andere Brisanz bekommen. Wir sind punktgleich mit Cottbus, beide Mannschaften haben danach noch zwei Spiele. Also ist der Verlierer des Spiels zwar noch nicht abgestiegen, aber der Gewinner hat einen echten Schritt zum Klassenerhalt getan.

Frage: Sie sind der einzige "Ost-Trainer" der Bundesliga, Energie Cottbus der einzige Ost-Klub. Gäbe es eine Spur von schlechtem Gewissen oder gar Mitleid, wenn Sie heute hier gewinnen?

Meyer: Der Fußball im Osten liegt mir schon am Herzen und ich fände es schade, wenn kein Ost-Verein in der Bundesliga wäre. Deshalb drücke ich Cottbus außer im direkten Vergleich ganz sicher die Daumen. Ansonsten ist der Profifußball nichts für Romantiker. Ich bin Trainer von Borussia Mönchengladbach.