Damit hatte Marco Terrazzino nicht unbedingt gerechnet. Bereits in der 16. Minute musste er im Spiel gegen Hannover 96 den verletzten Andreas Ibertsberger ersetzen - der bisher längste Einsatz bei den Profis für das 17-jährige Nachwuchstalent von 1899 Hoffenheim.

Terrazzino gilt als Eigengewächs der Kraichgauer und schaffte im Winter den Sprung zu den Profis. 2007 wechselte der Sohn sizilianischer Eltern vom VfL Neckarau nach Hoffenheim und schoss in der ersten Saison die B-Jugend von 1899 mit zwei Toren im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Borussia Dortmund zu Sieg und Titel.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der frischgebackene deutsche U-18-Nationalspieler, der beim 3:4 gegen Frankreich am vergangenen Dienstag erstmals das Trikot mit dem Adler trug, über die Eindrücke in seiner ersten Profisaison.

bundesliga.de: Wie überraschend war die frühe Einwechslung gegen Hannover für Sie persönlich?

Marco Terrazzino: Der Trainer hatte mir vor dem Spiel schon gesagt, dass wir in der Halbzeit wahrscheinlich wechseln und auf zwei Spitzen umstellen würden. Aber dass es nach einer Viertelstunde schon soweit war, das kam überraschend.

bundesliga.de: Wie fühlt sich das Niveau der Bundesliga an und wie groß ist die Aufregung nach einer frühen Einwechslung?

Terrazzino: 75 Minuten zu spielen ist schon was ganz Großes. Die Aufregung vor so einer Kulisse ist riesig.

bundesliga.de: Waren Sie schon einmal so k.o. nach einem Einsatz?

Terrazzino: Ich kann mich nicht daran erinnern. In der Halbzeitpause musste ich erstmal tief durchatmen.

bundesliga.de: Was ist der größte Unterschied zwischen der Bundesliga und der A-Jugend, wo Sie normalerweise kicken?

Terrazzino: Das Tempo in der Bundesliga ist viel höher. Außerdem wird härter gespielt. Mit der Jugend kann man das gar nicht vergleichen. Das ist eine ganz andere Welt.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die eigene Leistung?

Terrazzino: Ganz zufrieden bin ich noch nicht. Ich hatte zu viele Ballverluste. Aber mir fehlt noch die Erfahrung und ich versuche alles mitzunehmen.

bundesliga.de: Was haben die Kollegen Ihnen noch voraus?

Terrazzino: Körperlich muss ich auf alle Fälle noch zulegen. Und mein taktisches Verständnis muss noch besser werden. Das hat man ja auch bei den Gegentoren gesehen.

bundesliga.de: Geben Sie sich selbst die Schuld an einem der Tore?

Terrazzino: Eigentlich kann ich nichts machen, aber es sieht natürlich doof aus, weil mir beide Bälle über den Kopf fliegen. Das gab schon etwas Ärger von den Mitspielern.

bundesliga.de: Ärger in welchem Sinne?

Terrazzino: Nichts Schlimmes! Ich weiß ja, dass ich noch viel lernen muss, und die Kollegen meinen es nur gut mit mir. Außerdem kann ich Kritik vertragen.

bundesliga.de: Ist die Position im linken Mittelfeld Ihre Stammposition oder haben Sie eine andere Lieblingsposition?

Terrazzino: In der Jugend spiele ich meistens Stürmer oder hinter den Spitzen. Aber im linken Mittelfeld habe ich auch schon in der Saisonvorbereitung bei einem Testspiel gegen Wehen Wiesbaden gespielt. Ganz ungewohnt war das also auch nicht.

bundesliga.de: Rechnen Sie sich in Zukunft noch mehr Einsatzzeiten in der ersten Mannschaft aus?

Terrazzino: Das weiß ich noch nicht. Ich muss weiter gut trainieren und auf meine Chance warten. Aber wenn ich für die A-Jugend spiele, ist das auch in Ordnung. Was ich in der Bundesliga gelernt habe, kann ich da auch gut gebrauchen.

Das Gespräch führte Daniel Dillmann