Eigentlich sollte es mit der Bundesliga ja abwärts gehen - was die Anzahl der Mannschaften anging.

Denn mitten im Prozess der politischen Wende hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Reduzierung der höchsten Spielklasse von 18 auf 16 Clubs ab der Spielzeit 1991/92 vorgesehen und schon verabschiedet.

Letztlich aber verlangten die außergewöhnlichen Umstände ein Umdenken und eine Entwicklung genau in die andere Richtung.

Zwei Vertreter aus den neuen Ländern zum Start

Beim Saisonstart am ersten August-Wochenende 1991 gehörte ein Rekordfeld von zwanzig Mannschaften der Beletage an, darunter mit dem F.C. Hansa Rostock (mit Trainer Uwe Reinders) und dem 1. FC Dynamo Dresden (mit Trainer Helmut
Schulte) zwei Vertreter aus den neuen Bundesländern.

Beide Vereine hatten sich in der Qualifikationsphase 1990/91 in der Oberliga Nordost durchgesetzt: der F.C. Hansa als letzter Meister der DDR, die Dresdner als Vizemeister. Zu diesem Zeitpunkt waren einige Stars des DDR-Fußballs schon in der Bundesliga aktiv: Als erster überhaupt Andreas Thom (zuvor BFC Dynamo Berlin) bei Bayer 04 Leverkusen, wohin vom 1. FC Dynamo Dresden auch Ulf Kirsten wechselte. Matthias Sammer (zuvor ebenfalls 1. FC Dynamo Dresden) hatte sich dem VfB Stuttgart angeschlossen, Thomas Doll (zuvor F.C. Hansa Rostock und BFC Dynamo Berlin) dem Hamburger SV.

Sechs Clubs in der 2. Bundesliga

"2 + 6" lautete die Mitte 1990 verabredete Kompromissformel zur Integration des ostdeutschen Fußballs - gefunden von DFB-Präsident Hermann Neuberger und Dr. Hans-Georg Moldenhauer, dem Präsidenten des bis zur offiziellen Fußballvereinigung im folgenden Herbst in Leipzig noch existierenden Deutschen Fußball-Verbandes (DFV) der DDR.

Die sechs hinter dem F.C. Hansa und den Dresdnern platzierten Mannschaften fanden einen Platz in der 2. Bundesliga, die durch den Zuwachs dieses halben Dutzends nach zehn Jahren wieder zur Zweigleisigkeit mit je zwölf Clubs zurückkehrte.
Rot-Weiß Erfurt, der Chemnitzer FC (mit Trainer Hans Meyer), der FC Carl Zeiss Jena (mit Trainer Klaus Schlappner), der VfB Leipzig (mit Trainer Jürgen Sundermann) und der Hallesche FC wurden der Gruppe Süd zugeordnet, in der Gruppe Nord spielte Stahl Brandenburg.

24 Clubs in der 2. Bundesliga

Nach einer üblichen Runde mit Hin- und Rückspielen wurde in der Mitte der beiden Tabellen ein Strich gezogen. Die Teams von Rang eins bis sechs setzten die Saison in den Gruppen mit einer Meisterrunde um den Aufstieg fort, von Platz sieben bis zwölf ging es um den Klassenerhalt. Ursprünglich war dieser Modus längerfristig geplant, doch schon zur Saison 1992/93 erfolgte die Rückkehr zur Eingleisigkeit: zunächst mit 24 Clubs.

Auch für die Bundesliga war nach dem ersten Schritt der Eingliederung von Clubs aus dem Osten zunächst eine andere Weiterentwicklung geplant, sollte weiterhin ein Feld von 16 Mannschaften angesteuert werden und mit dem Beginn
der Saison 1993/94 erreicht sein. Die Umsetzung erfolgte, wie wir inzwischen wissen, jedoch nicht.

Seither mit 18 Teilnehmern

Allein in der Spielzeit 1991/92 gab es gleich vier Absteiger - die Stuttgarter Kickers, den F.C. Hansa Rostock, den MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf - und mit dem 1. FC Saarbrücken und Bayer 05 Uerdingen lediglich zwei Aufsteiger. Somit wurde die bis heute gültige Bundesliga-Stärke von 18 Mannschaften gleich nach Jahr eins des gesamtdeutschen Profifußballs wiederhergestellt.