Werder Bremens Klaus Allofs wollte ihm am liebsten noch gratulieren, Hoffenheims Coach Ralf Rangnick schlug vor, die Tore etwas zu verbreitern, und der einstige Kollege Tim Wiese gab zu bedenken, dass Boubacar Sanogo ohnehin noch in Bremen unter Vertrag stehe und daher zum Pfosten treffen verdammt sei.

Drei "Stangenschüsse", wie sie der aus Österreich stammende Mannschaftskollege Andreas Ibertsberger bezeichnete, gelangen Boubacar Sanogo im Spiel gegen Werder Bremen. Ein Tor blieb ihm verwehrt. Dreimal den gleichen Pfosten in einem Spiel zu treffen, das hatte bisher in der Bundesliga (seit Datenerfassung) noch keiner geschafft.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der gebürtige Ivorer, der im Winter auf Leihbasis von Bremen nach Hoffenheim wechselte, über die historische Tat, das Spiel gegen die Ex-Kollegen und seine Ziele mit 1899 Hoffenheim.

bundesliga.de: Herr Sanogo, drei Alutreffer in einem Spiel. Beim dritten Mal lächelten Sie sogar kurz. Ist so viel Pech schon wieder komisch?

Boubacar Sanogo: Ich hätte schon lieber ein Tor gemacht. Dreimal habe ich den Pfosten unten links getroffen, dreimal springt der Ball wieder raus. Das ist schon lächerlich, deswegen habe ich gelacht.

bundesliga.de: Was hat gefehlt?

Sanogo: Ich weiß nicht, ob ich es nicht richtig gemacht habe oder einfach nur Pech hatte, aber drei mal den gleichen Pfosten zu treffen, das habe ich auch noch nicht erlebt. Das glaubt man ja gar nicht. Erklären kann ich das nicht.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die eigene Leistung?

Sanogo: Ich denke, ich habe gut gespielt. Aber für einen Stürmer ist es immer wichtig, Tore zu schießen, das ist mir heute nicht gelungen und daher kann ich mit mir auch nicht voll zufrieden sein.

bundesliga.de: Ist es für Sie ein besonderes Spiel gegen den alten Club, zu dem Sie ja eventuell am Ende der Saison nach Ablauf der Ausleihfrist zurückkehren?

Sanogo: Das ist immer etwas Besonderes. Für mich geht es da auch gegen einige gute Freunde, aber wir sind alle Profis, daher ist das kein Problem.

bundesliga.de: Wenn man wie Sie gegen die ehemalige Mannschaft antritt, kennt man den Gegner natürlich besonders gut. Ist das ein Vorteil?

Sanogo: Man kennt die Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler aus dem gemeinsamen Training und kann sich dadurch gut auf sie einstellen.

bundesliga.de: Wie zufrieden kann man sein, wenn man als Tabellen-Dritter gegen den Zwölften zuhause über ein Unentschieden nicht hinwegkommt?

Sanogo: Wir wollten unser Heimspiel natürlich gewinnen, aber Bremen ist eine große Mannschaft, viel besser als die derzeitige Platzierung. Insgesamt haben wir die Sache gut gemacht, für die Zuschauer war das ein attraktives Spiel.

bundesliga.de: Die Punkteteilung geht Ihrer Meinung nach also in Ordnung?

Sanogo: Ich denke schon. Wir hatten gute Chancen, die Bremer hätten auch das ein oder andere Tor schießen können.

bundesliga.de: Haben sich die ehemaligen Kollegen und Freunde aus Bremen bei Ihnen bedankt, dass Sie nur den Pfosten trafen?

Sanogo: Pizza (Claudio Pizarro) hat mich gefragt, ob ich eigentlich kein Tor schießen will. Aber er hatte auch ein paar Chancen, die er nicht verwandelt hat. Er wollte also anscheinend auch nicht.

bundesliga.de: Wie schwierig wird die Rückrunde für Hoffenheim nach Hurra-Fußball und dem Gewinn der Herbstmeisterschaft?

Sanogo: Wir müssen uns den Erfolg in der Rückrunde erarbeiten, die Gegner kennen uns jetzt und stellen sich besser auf uns ein. Da wird uns nichts geschenkt. Ich persönlich möchte nach den drei vergebenen Chancen heute gegen Frankfurt unbedingt wieder ein Tor erzielen.

Das Gespräch führte Daniel Dillmann