München - Der 18-jährige Mario Götze hat beim Tabellenführer Borussia Dortmund einen märchenhaften Aufstieg erlebt. Vor einem Jahr kickte er noch für die A-Jugend der "Schwarz-Gelben" gegen Preußen Münster, mittlerweile ist er Nationalspieler und verzaubert mit seinen Toren und Vorlagen die Bundesliga - zuletzt beim 3:1 seines BVB in Leverkusen. bundesliga.de hat den Werdegang des Megatalents beleuchtet und zehn interessante Fakten über den Shootingstar der Hinrunde zusammengestellt.

Der Bayer im Pott

Mario Götze wurde am 3. Juni 1992 in Memmingen im Allgäu geboren und spielte dort seit 1997 für den SC Ronsberg. Als sein Vater 1998 berufsbedingt nach Dortmund umziehen musste, setzte er seine Laufbahn beim FC Eintracht Hombruch fort, bevor er 2001 in die Juniorenabteilung von Borussia Dortmund wechselte. Beim BVB durchlief er fast alle Nachwuchsteams, spielte in der Bundesliga der B- und A-Junioren und stand im Finale um den DFB-Junioren-Vereinspokal und die deutsche A-Jugendmeisterschaft. Beide Spiele gingen verloren - Götze wartet also noch auf seinen ersten Vereinstitel...

Das Problemkind

Götzes Vater Jürgen ist Professor am Lehrstuhl für Elektrotechnik und IT an der TU Dortmund. Als Mario im 12. Schuljahr wegen des Fußballs die Schule schmiss, kam es im Hause Götze natürlich zu Spannungen: " Klar, wir hatten längere Diskussionen. Aber zuletzt hatte ich wegen des Fußballs einige Fehlstunden in der Schule. Ich bereue die Entscheidung nicht", blickt Götze zurück. Sein Kontakt zu Schulen beschränkt sich mittlerweile auf die Autogrammkarten, die die Mitschüler seines Bruders anfordern. "Schon einige mehr als im Vorjahr", zählte Götze mit einem Augenzwinkern.

Das Fußball-Gen

Dass das Fußballfieber den schulischen Lerndrang gefährdet, ist Vater Jürgen nicht nur von Mario gewöhnt. Seine beiden Brüder Fabian (20) und Felix (12) haben ebenfalls den Weg des Profifußballers gewählt. Während Felix seinem berühmten Bruder nacheifert und in den Jugendmannschaften des BVB spielt, kickt Fabian beim Ligakonkurrenten 1. FSV Mainz 05, bis jetzt allerdings nur in der zweiten Mannschaft. Auch Fabian Götze, der Linksverteidiger ist, war schon für die deutsche U 17 aktiv. Felix spielte vor kurzem unter anderem bei einem internationalen Jugendturnier gegen Zinedine Zidanes Sohn Luca im Trikot von Real Madrid.

Das Debüt

Am 21. November 2009 war es endlich so weit. In der 88. Spielminute wurde Götze für Jakub Blaszczykowski eingewechselt und gab sein Bundesliga-Debüt beim 0:0 seines BVB gegen Mainz. Sein Eindruck: "Beim ersten Mal war ich schon sehr nervös. Die ganzen Massen um einen herum, alle haben Erwartungen, das ist wirklich nicht so einfach. Aber irgendwann schaltet man auch ab, dann sieht man das nicht mehr, sondern nur das Spiel." Mit 17 Jahren, fünf Monaten und 18 Tagen war er der der neuntjüngste Akteur, der jemals in der deutschen Eliteliga zum Einsatz kam.

Der Aufstieg

Bis zu seinem ersten Treffer dauerte es noch bis zum 2. Spieltag der nächsten Saison, als der 1,71 Meter kleine Wirbelwind beim 3:1-Sieg in Stuttgart ausgerechnet per Kopf erfolgreich war. Seitdem kam der heute 18-Jährige auf 22 Einsätze (13 Mal in der Startelf) und drei Treffer (einer davon der 2500. Treffer für Dortmund in der Bundesliga), lieferte in dieser Saison außerdem noch sechs Vorlagen - ein kometenhafter und rasanter Aufstieg. " Ich muss mich da manchmal zwicken. Es gab kaum Zeit, das zu verarbeiten. Aber ich genieße jeden Augenblick", meint der Youngster.

Das europäische Erlebnis

Auch auf Europas Bühne ist der Name Götze mittlerweile ein Begriff. Sechs Mal lief Götze in dieser Spielzeit in der Europa Leauge auf, ein Spiel bleibt dabei besonders in Erinnerung: Götze musste einen harten Ellenbogenschlag gegen den Kopf einstecken, litt unter Kopfschmerzen und Sehstörungen. Dennoch erzielte er beim 4:3-Erfolg des BVB bei FK Karpaty Lwiw in der Ukraine zwei Tore, darunter den entscheidenden Siegtreffer in der 92. Minute. Sportdirektor Michael Zorc meinte nach der Partie scherzhaft: " Vielleicht brauchte er ja diesen Wachrüttler…"

Der größte Förderer

...ist Trainer Jürgen Klopp. Besonders der erste Eindruck des Talents blieb beim BVB-Coach haften: "Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, da habe ich die Tage gezählt, bis ich ihn, ohne unverantwortlich zu handeln, in unseren Kader nehmen konnte." Seitdem gehört Götze zum Stammpersonal von Klopps Elf. Besonders davon, wie der Jungstar mit den neuen Eindrücken fertig wird, beeindruckt "Kloppo": "Mario ist ein außergewöhnliches Talent und er ist bei allem, was da auf ihn eingeströmt ist, so unfassbar normal geblieben."

Der erste Titel

Auf seinen ersten Titel im Trikot des BVB wartet der Mittelfeldspieler noch, auf Nationalmannschaftsebene hat er allerdings schon einen Erfolg in der Tasche: Bei der Europameisterschaft 2009 war er Stammspieler der U 17, die im eigenen Land den Titel holte und steuerte unter anderem einen Turniertreffer bei. 25 Mal lief er in Trikots von deutschen Jugendnationalmannschaften auf (meist mit der Nummer 10) und erzielte dabei acht Treffer. Mittlerweile spielt er sogar im Konzert der "Großen"...

Der Jüngste seit Seeler

… denn dann kam der Anruf von Bundestrainer Joachim Löw. Am 17. November 2010 gab Götze sein Debüt in der A-Nationalmannschaft beim 0:0-Freundschaftsspiel in Schweden. Für seinen Vereinskollegen Kevin Großkreutz wurde er in der 76. Minute eingewechselt und so im Alter von 17 Jahren zum jüngsten Nationalmannschafts-Debütanten seit Uwe Seeler 1954. "Das macht mich schon stolz. Ich wollte schon früh Profi werden. Aber dass alles so schnell geht - Wahnsinn!", meinte Götze nach der Partie.

Der Ausgezeichnete

Das Super-Talent wurde bereits von höchster Stelle geehrt. Der DFB zeichnete Götze 2009 und 2010 mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold für den besten Nachwuchsspieler seiner Altersklasse aus. Damit ist er (gemeinsam mit Sergej Evljuskin) der einzige Spieler, der es schaffte, diese Auszeichnung gleich zwei Mal zu gewinnen. Der Techniker wird von allen Seiten mit Lob überschüttet. "Mario Götze ist eines der größten deutschen Talente", sagte Jogi Löw. Besonders eingeprägt hat sich die Aussage von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der sogar noch weiter geht: "Er ist eines der größten Talente, das wir je hatten."



Christoph Gschoßmann