Nach einer wahren Fußball-Demonstration zu Weihnachten und der Aussicht auf den ersten Meistertitel seit 19 Jahren geriet Kapitän Steven Gerrard von Rekordmeister FC Liverpool ins Schwärmen.

"Das ist das beste Team, in dem ich je gespielt habe. Wir haben uns zum Jahresende eine hervorragende Ausgangsposition geschaffen, um den Titel zu gewinnen. Und wenn ich bei uns in die Kabine schaue, sehe ich vom Torwart bis zum Angriff nur absolute Weltklassespieler", sagte der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler nach dem abschließenden 5:1-Kantersieg bei Newcastle United.

Letzte Meisterschaft 1990

Nach nur einer Niederlage in 20 Spielen rangiert das Team von Trainer Rafael Benitez mit 45 Punkten drei Zähler vor Verfolger FC Chelsea an der Tabellenspitze. Mit den beiden überzeugenden Siegen gegen Newcastle und die Bolton Wanderers (3:0) setzten die "Reds" über die Weihnachtsfeiertage in Richtung der hochkarätigen Konkurrenz noch einmal ein Ausrufezeichen. "Wenn wir so konstant weiterspielen, kann uns in dieser Saison kein Team den Titel nehmen", meinte Gerrard.

Der englische Nationalspieler ist wie kein zweiter Profi in der Premier League heiß auf die Meisterschaft. Schließlich datiert der letzte Titel der "Reds" aus dem Jahr 1990, wenige Wochen vor Gerrards zehntem Geburtstag. Seitdem der torgefährliche "Gerro" 1998 seinen ersten Profivertrag beim 18-maligen Titelträger unterschrieb, zog Liverpool gegen die drei Konkurrenten Manchester United, FC Chelsea und FC Arsenal in der Liga stets den Kürzeren.

Demgegenüber stehen auf internationaler Bühne der Gewinn der Champions League 2005, der UEFA-Cup-Sieg 2001 sowie zweimal der Kontinental-Titel im europäischen Supercup (2001, 2005). Auf nationaler Ebene sicherte sich Liverpool zudem den League-Cup (2001, 2003), den FA Cup (2001, 2006) und den FA Community Shield (2001, 2006). Doch keiner dieser Titel hat im Fußball-Mutterland den Wert einer Meisterschaft.

Chelsea glaubt auch an den Titel

"Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass wir wieder reif sind für den Titel in der Premier League. Man muss nur Meister Manchester oder Verfolger Chelsea fragen, was wir derzeit ausstrahlen. Wir haben über Weihnachten die maximale Punktzahl geholt, das ist der beste Beweis dafür, wie sehr die Mannschaft derzeit an sich glaubt", sagte Benitez-Assistent Sammy Lee.

Allerdings hat auch Chelsea mit Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack den Gewinn der Meisterschaft noch längst nicht abgehakt. Trotz des mageren 2:2 im Londoner Nachbarschaftsduell beim FC Fulham, bei dem Ballack 90 Minuten auf der Bank schmorte, meinte Chelsea-Teammanager Luis Felipe Scolari: "Die Meisterschaft ist längst noch nicht entschieden. Wir sind in einer guten Position, müssen nur unsere Spiele gewinnen. Dann wird man sehen, wer in den letzten zwei oder drei Spielen vorne steht."